Leserstimmen zu
Hör auf zu lügen

Philippe Besson

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Mit 17 Jahren entdeckt Philippe, dass er sich eher zu Jungs als zu Mädchen hingezogen fühlt. Vor allem Thomas, ein Mitschüler aus einer Parallelklasse, hat es ihm angetan. Wie durch ein Wunder kommen sich die beiden näher. Doch schon bald muss Philippe erkennen, dass ihre Liebe nicht sein darf und sie ihre sexuelle Identität in den 80er Jahren nicht öffentlich ausleben dürfen. . Das Buch wurde von der Presse als „Brokeback Mountain auf französisch“ bezeichnet, allerdings fühlte ich mich nach den ersten Seiten eher an „Maurice“ von E.M. Forster erinnert, in dem es ebenfalls um die erste Liebe zwischen zwei Teenagern ging. Philippe Bessons autobiografischer Roman erzählt eine ähnliche Geschichte, die Mitte der 80er Jahre angesiedelt ist. Klar haben sich die Zeiten gegenüber dem viktorianischen, steifen England geändert, aber dennoch haftete dieser Beziehung etwas Verbotenes und Vulgäres an. Das hat Besson hervorragend zum Ausdruck gebracht, denn man kann die Unschlüssigkeit, die Ängste und Qualen seines Protagonisten (der zugleich der Autor selbst ist/war) absolut nachvollziehen. Die Erzählung liegt auch unter einem gewissen nostalgischen Schleier, der manches verklärt wirken lässt und die geschilderte Zeit wieder erweckt. „Hör auf zu lügen“ ist ein Coming of Age-Drama, das wohl vielen jugendlichen Homosexuellen in jener Zeit genauso oder zumindest ähnlich widerfahren ist. Philippe Besson zeigt Mut, wenn er seine erste gleichgeschlechtliche Liebe schildert, und auch wenn er manchmal detailliert in seinen Bescheibungen wird, behält der Roman durchweg seine poetische und melancholische Seite. Es ist eine kurze Geschichte, die hier erzählt wird, was aber nicht ausschließt, dass jede Menge in den Sätzen zum Ausdruck gebracht wird. Da geht es im Grunde genommen gar nicht um Homosexualität, sondern einfach nur um Liebe. Und spätestens, wenn man das erkannt hat, ist man tatsächlich bei einem literarischen „Brokeback Mountain“ angekommen. „Hör auf zu lügen“ ist eine Ode an die Liebe und das Leben. Ein Aufruf, sich nicht hinter seinem wahren Ich zu verstecken, sondern zu tun, was in einem steckt und wobei man sich wohlfühlt. Dieser Roman ist der Spiegel, der einem sein eigenes Leben zeigt und sagt: „Mach, was du für richtig hältst. Du kannst Dein Leben bestimmen, also tu es.“ Die Liebe, die hier beschrieben wird, handelt zwar von gleichgeschlechtlichen Menschen, könnte aber genauso gut den Weg (die erste Liebe und was daraus ein Leben lang wird) einer heterosexuellen Beziehung behandeln. Liebe ist nun mal Liebe, egal zwischen welchen Geschlechtern. Gleichzeitig zu seinem „Outing“ führt uns Philippe Besson in die Welt der 80er Jahre zurück, wo alles noch anders war. Die Gedankengänge seiner Protagonisten, die musikalische und filmische Umwelt sind sehr intensiv beschrieben, so dass man nicht nur Lektionen in Sachen Liebe lernt, sondern auch in eine Welt zurückgeführt wird, in der es noch kein Internet und keine Handys gab, wo man mit Menschen noch Auge in Auge kommunizieren musste, um jemanden kennenzulernen. Und im letzten Drittel nimmt der Roman Ausmaße an, mit denen ich nicht gerechnet habe. Da wird das Thema sexuelle Orienterung noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet, die einem sehr nahe geht. Auch hier ist der Vergleich zu „Brokeback Mountain“ sehr passend. „Hör auf zu lügen“ regt absolut zum Nachdenken an und zeigt auf, wie schnell ein Leben vergehen kann, ohne dass man das gemacht hat, was man eigentlich machen will, vor allem weil man sich den gesellschaftlichen Zwängen anpasst beziehungsweise leider anpassen muss, um nicht anzuecken. „Hör auf zu lügen“ ist ein mutiges, ein melancholisches, ein hoffnungsvolles und ein deprimierendes Buch. Bessons Schreibstil ist unglaublich bildhaft und intensiv. Gerade durch seine Schachtelsätze vermittelt er das Gefühl, er spräche den Leser direkt an. Dass es sich dann auch noch um eine Geschichte handelte, die tatsächlich geschehen ist, macht den Roman und seine Aussage um so eindrucksvoller. . Fazit: Mutig, melancholisch, hoffnungsvoll und deprimierend gleichermaßen. Beeindruckende Ode an die Liebe. © 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Hör auf zu lügen war für mich eine »Liebe auf den zweiten Blick«, denn durch das in meinen Augen nicht sehr ansprechende Cover hätte ich mich fast gegen einen zweiten Blick entschieden. Zum Glück habe ich diesem autobiografischen Roman eine Chance gegeben. Es war für mich eines der echtesten und beeindruckendsten Leseerlebnisse seit Langem – denn Besson schreibt über sein eigenes Leben so augenöffnend und mitreißend, dass ich mich vor seiner Selbstreflexionsgabe nur verneigen kann. Er ist nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern lässt uns teilhaben an einer Verknüpfung von wahren Ereignissen, die wie einem dramatischen Drehbuch entnommen wirken. Kurzbeschreibung Inhalt Philippe wächst in einem französischen Dorf in ländlicher Gegend auf. Im Jahr 1984 ist er 17 Jahre alt, er ist intelligent, der Sohn des Schulrektors und, wie er schon lange weiß, nicht interessiert an Mädchen. In der Schule sieht er Thomas, ein Jahr älter als er, der für ihn unerreichbar erscheint. Bis Thomas eines Tages die Initiative ergreift und beginnt, sich heimlich mit Philippe zu treffen. Eine Bekennung zu ihrer Homosexualität: zu dieser Zeit undenkbar. Zeitsprung ins Jahr 2006 – Philippe ist inzwischen ein bekannter Schriftsteller und hat es auf seinem Provinznest heraus geschafft. Er begegnet einem Mann, in dem er Thomas erkennt. Ein letzter Zeitabschnitt im Jahr 2016. Der Grund, weshalb Besson dieses Buch geschrieben hat. »In Erinnerung an Thomas Andrieu (1966 – 2016)« lautet die Widmung. Was genau passiert, möchte ich nicht vorwegnehmen – doch es ist herzzerreißender als erwartet. Meine Meinung Besson hat es mehrmals geschafft, meine Erwartungen zu widerlegen und mir zu zeigen, dass das Leben anders läuft. Kaum hatte ich mich mit der einen Wendung angefreundet und gedacht, ich hätte nun verstanden, worauf seine Geschichte hinausläuft, legt er in einem neuen Zeitabschnitt wieder völlig neue Wege frei, die das Leben geht. Der Autor hat einen einzigartigen Schreibstil, der schwankt zwischen stilfrei, Gedankenausguss, penibler Wortwahl und System. Der Prolog zieht sich über zwei Seiten und besteht aus nur einem einzigen Satz. Man könnte vermuten, Thomas‘ Tod hätte in Besson einen Wortausbruch zu Tage gefördert, den er einfach nur niederschreiben musste. Dennoch gehe ich davon aus, dass er genau wusste, mit welchem Wort er welche Emotion beim Leser auslöst. Genau deshalb reichen 160 Seiten auch vollkommen aus, um die Tragweite der Ereignisse zu begreifen und den Leser in die Ohnmacht des Autors hinabzuziehen, die er durch Thomas‘ Tod erfahren haben muss. Bessons Geschichte zeigt, dass wir Spuren hinterlassen bei Menschen, denen wir mal nah standen. So oft wir uns manchmal an vergangene Momente und Beziehungen zurück entsinnen und uns fragen, ob wir wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, ob diese Begegnung auch für das Gegenüber noch Auswirkungen hat, so werden wir das in den meisten Fällen niemals erfahren. Doch Besson zeigt uns durch seine Geschichte einen genau dieser Fälle, in denen diese Auswirkungen durchsickern, wenn auch erst Jahrzehnte später. Denn so unbedeutend wir uns manchmal selbst nehmen, so viel setzen wir durch unsere Begegnung manchmal bei unserem Gegenüber in Gang. Der Titel Hör auf zu lügen ist Gesetz, denn durch diese Veröffentlichung als autobiografischer Roman gesteht er sich zum ersten Mal ein, schon immer über sein Leben geschrieben zu haben. »Lügen«, so nannte seine Mutter es, wenn er sich Lebensgeschichten zu Personen ausdachte, die ihm in seinem Alltag begegneten. »Lügen« nennt er dadurch selbst seine Romane, denn offiziell waren diese Geschichten frei erfunden und beruhten nicht auf seinem Leben. Gelogen hat Thomas sein ganzes Leben lang, bis zu einem kleinen Schritt am Ende, der als Rebellion gedeutet werden kann, sodass er seine Geheimnisse nicht mit ins Grab nahm. Und Besson selbst hört durch diesen autobiografischen Roman auf zu lügen, er teilt eine seiner tiefsten Erfahrungen mit uns, über die er vor Fertigstellung dieses Werks mit niemandem gesprochen hat. Fazit Philippe Besson lässt uns mit Hör auf zu lügen tief in seine Lebensgeschichte und hinter seine Fassade blicken, die er bis zur Veröffentlichung aufrechterhalten hat. Er lässt uns seine Geschichte erleben, wie nur das Leben sie schreiben kann. Das für mich Aufwühlendste war die Tatsache, dass die Ereignisse wirklich so eingetreten sind. Das Buch lenkt uns in eine Richtung, die Besson selbst gegangen ist, denn wir müssen aufhören zu lügen und uns selbst annehmen. Wir müssen zu uns selbst stehen, um ein erfülltest Leben führen zu können und vielleicht eine erfüllte Liebe finden.

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Ich stehe zu dem, was ich bin. Gewiss nur still. Doch in entschlossener Stille. Stolz. (Seite 22) Philippe Besson erzählt in „Hör auf zu Lügen“ eine ganz besondere Geschichte, nämlich seine eigene. Er erzählt von seiner großen Jugendliebe Thomas, einem Jungen, der in dem Glauben aufwächst, Homosexualität sei etwas, das nicht richtig ist. Ein widernatürlicher Drang. So verleugnet Thomas sich selbst, seine Bedürfnisse und Wünsche, und kämpft für den Großteil seines Lebens dagegen an. Besson erzählt von ihrem Kennenlernen und wie er sich unmittelbar in Thomas verliebte, in seine stille Art, seine Wortkargheit. Er, der seine Homosexualität nicht an die große Glocke hängt, sie aber auch nicht bewusst verheimlicht, der dazu steht und nichts unnatürliches daran findet, begegnet einem jungen Menschen, der ganz anders damit umgeht. Wie kann sich unter diesen Umständen eine Liebesgeschichte entfalten? Dieser wundervolle Roman erzählt davon. Das Gefühl der Liebe erfüllt mich, beglückt mich. Doch es verbrennt mich auch, tut so weh wie jede unmögliche Liebe mit all ihren Schmerzen. (Seite 25) Man spürt, welchen Wert diese Erinnerungen für den Autor haben, er hütet sie wie einen Schatz. Jeder Blick, jeder Gedanke, jedes Gefühl, das er beschreibt – alles ist wie aufgeladen von der Energie dieser heimlichen Liebe. Über Umwege und sehr vorsichtig finden sie zueinander, doch letztendlich fasst Thomas Vertrauen und beginnt, sich zu öffnen. Mit einem Anflug angenehmer Nostalgie liest sich die zögernde, aber unvermeidbare Annäherung, „Hör auf zu lügen“ ruft gleichzeitig Freude und Traurigkeit hervor. Denn, wer den Lebensweg von Philippe Besson kennt ahnt, dass diese Liebe keine Zukunft hat. Abseits dieser Liebesgeschichte geht es um viel mehr. In seiner Rückschau befasst sich Philippe Besson reflektierend und analysierend mit Fragen, die ihn möglicherweise bis heute umtreiben. Das tut dem Roman gut, denn dadurch wird er mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte. Es geht um die Frage, wie Familie uns prägt, wie sie uns mitunter zu diktieren vermag, was richtig ist und was falsch ist. Es geht um die Frage, ob man aus diesem Käfig ausbrechen kann und wenn ja, zu welchem Preis. Es geht aber auch darum, wie sehr ein Mensch leiden kann, wenn er sich selbst verleugnet und sein Leben auf Lügen aufbaut. Was macht das mit den Menschen um einen herum, mit der eigenen Familie, mit Freunden? Und schlussendlich geht es darum, wie man es schaffen kann, mit seiner ersten großen Liebe abzuschließen. Ist ein jähes Ende ohne Aussprache überhaupt ein Ende? Ich bilde mir ein, dass er mir ein Zeichen gibt, es anders völlig unmöglich ist, dass die Erinnerung an die verschmolzenen Körper seinen Widerstand brechen wird. (Seite 45) Philippe Besson hängt diesen Erinnerungen nach, er spürt der Intensität der Emotionen nach, der Sorglosigkeit angesichts einer ungewissen Zukunft, den Zweifeln. Er bannt alles auf die Seiten, damit sie ihm niemals verloren gehen. Oder versucht er, auf diese Weise einen Abschluss zu finden? Gut möglich. Auf jeden Fall geriet ich in den Bann dieser Geschichte, die so liebevoll, hingebungsvoll und vermissend geschrieben ist, und werden sie so schnell nicht wieder vergessen. Fazit Philippe Besson erinnert sich in „Hör auf zu lügen“ an seine erste große Liebe, seine Jugendliebe Thomas. Es ist eine heimliche Liebe, denn Thomas verleugnet seine Homosexualität vor dem Rest der Welt. Der Roman ist äußerst gefühlvoll, der Autor schwelgt in seinen Erinnerungen und den Gefühlen von damals. Gleichzeitig wirkt der Roman wie ein Abschied, ein Schlussstrich unter einer Beziehung, die sein Leben prägte, wenngleich sie gar nicht richtig beginnen konnte. Wundervoll geschrieben.

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Meine Meinung »Hör auf zu lügen« ist ein autobiographischer Roman vom französischen Autor Philippe Besson. Grundkonzept dieses Romans ist seine erlebte Beziehung zu einem Jungen seiner Schule – eine sentimentale Hommage an das konservative Leben zu damaligen Zeiten und dem damit verbundenen Verzicht auf öffentliche Bekenntnisse und Outings. Philippe Besson beschreibt freilich auf emotionaler und authentischer Ebene eine wohl sehr liebenswürdige Beziehung aus dem Jahre 1984, als der Autor noch ein junger Erwachsener war und seine heimliche Neigung nicht mehr verstecken konnte. Relativ schnell stoßen wir auf die Zusammenführung beider Partner, wir lesen von leidenschaftlichem Verkehr und ruhigen Momenten miteinander, von den zahlreichen Gedanken des Erzählers und den inneren Trieben von Thomas – allesamt im Setting eines, wie es auf dem Klappentext heißt, recht konservativ geprägten Dorf. Wir als Leser erwarten daher Konflikte, wie man sie in ebenjenem Dorf erwartet: Nachbarn, die sich sprichwörtlich das Maul zerreißen; Eltern, die die beiden mit nun anderen Blicken mustern; Eine Schule, die verspottet. Gott sei Dank passiert dies alles natürlich nicht, obwohl die Aussage auf dem Klappentext auf ebendies schließen lässt. Im Deutsch – bzw. Französischunterricht wäre dieser Aufsatz eine Themaverfehlung, denn ich zum Beispiel habe soeben Erwähntes erwartet – wie sind die beiden Jungs mit diesen Konfrontationen umgegangen? Wie meisterten sie ihre Liebe, und wie konnten sie sich befreien von diesen beengenden Augen der Dorfbewohner? Dagegen haben wir 100 Seiten leidenschaftliche Liebe, mit keinem Wort dieses vermeintlich konservative Dorf, und der Rest des Buches beschäftigt sich mit dem nun älteren Erzähler, der sich am Sohn von Thomas ergötzt. Natürlich emotional, und mit einer wichtigen Botschaft versehen – keine Frage – ich kritisiere hier lediglich die sehr verfehlte Inhaltszusammenfassung, die ich erwartet habe. Der Autor Philippe Besson beschreibt auf inniger Eben eine Beziehung zu einem Jungen, die einem Tränen in die Augen schießen – mein Gott, wenn man sich liebt, dann liebt man sich, vollkommen egal welches Geschlecht oder welches Gender. Jedoch aber wird dieses Konzept wirklich nur zu Beginn des Buches angewandt, was ein wenig enttäuscht. Wir haben wirklich nur einen 100-seitigen Spielraum zur Verfügung, danach fällt das Konzept in den Keller, und wir lesen nur noch von Erinnerungen – leider. Fazit Zusammenfassend habe ich den Roman als mittelmäßig empfunden. Anfangs eine leidenschaftliche Geschichte, doch die Autobiographie, die nur einen kurzen Teil von Bessons Leben porträtiert, verlor stetig an Emotionalität, und flachte dann in flache Erinnerungen ab. Sehr schade für diese eigentlich wichtige Botschaft im Buch.

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Als ich das Buch zum ersten Mal entdeckt habe, hat mich allein schon der Titel total neugierig gemacht. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, war ich mir sicher, dass das Buch genau das richtige für mich ist und mich wahrscheinlich zu Tränen rühren wird. Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch noch gar nicht, dass es sich um einen autobiografischen Roman handelt. Aber genau dieser Punkt, macht es für mich so schwer, diese Rezension zu verfassen.. "Wieso?" fragst du dich jetzt wahrscheinlich. Nun ja, ich finde es einfach unfassbar schwer ein Werk zu bewerten, dass das Leben oder Erfahrungen eines Menschen wiedergeben, denn wieso sollte man ein Leben bewerten? Mir fällt es deswegen wirklich sehr schwer und ich möchte vorab klar stellen, dass ich diese Bewertung hier nicht auf den Inhalt als solches beschränken möchte, sondern eher auf die Umsetzung, denn wie gesagt, ich fühle mich nicht dazu berechtigt über das Leben eines Menschen zu urteilen etc. Der Schreibstil von Phillipe Besson ist wirklich wahnsinnig ausgefallen. Der erste Satz des Buches ist einfach 2 Seiten lang und ziemlich verschachtelt, so dass ich wirklich aufmerksam lesen musste. Generell finden sich viele Schlangensätze in dem Werk, aber gleichzeitig auch zahlreiche knappe und unvollständigen Sätze. Ich hatte ehrlich gesagt ein paar Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, denn gerade die langen Sätze waren für mich recht anstrengend zu lesen. Ich hab schon zahlreiche Rezensionen über dieses Werk gelesen und eigentlich alle waren "zu tiefst berührt" etc., ich weiß nicht wieso, aber mich hat es leider emotional nicht so berühren können, wie ich es erhofft und erwartet hatte. Ich hab durchaus nachvollziehen können, dass es Phillipe schwerfällt mit seinen Problemen in der Liebe umzugehen und konnte es mir auch gut vorstellen, aber die Gefühle, die der Autor zum Ausdruck bringen wollte, kamen bei mir aus irgendeinem Grund nicht wirklich an. Ich konnte sie mir denken, aber normalerweise spürt man diese Gefühle ja auch.. Vielleicht lag es am Schreibstil, ich weiß es beim besten Willen nicht.. Generell hatte ich mir mehr erhofft, dass zum Ausdruck gebracht wird wie schwer es in seiner Zeit war als homosexueller und das er deutlich macht, dass Liebe immer Liebe ist, egal zu welchem Geschlecht und das sie niemals verboten sein sollte, aber ich fand der Schwerpunkt in dem Buch lag eher auf dem Ablauf seiner Beziehung und seines Lebens, als wirklich auf der Problematik zu der Zeit. Es war durchaus wirklich interessant zu lesen, wie seine Jugend verlaufen ist und wie Phillipe und Thomas zueinander finden und wie deren Leben sich entwickelt. Vielleicht hätten dem Buch ein paar Seiten mehr gut getan? Denn gegen Ende kam ich immer besser mit dem Stil des Autors zurecht und ich denke, dass das viel geändert hätte. Fazit: Leider hatte ich andere Erwartungen an das Buch, die vielleicht nicht so wie erhofft, erfüllt wurden, da mir der Schreibstil gar nicht zugesagt hat.. Besson spricht ein wirklich wichtiges Thema in diesem Werk an und ich finde es sehr toll, dass er seine eigenen Erfahrungen so offen teilt. Es war auch absolut kein schlechtes Buch, denn es war auch wirklich spannend zu lesen, jedoch konnte es mich leider emotional nicht so berühren. Aufgrund dessen gebe ich dem Buch 3 von 5 Sterne

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Mit nicht einmal 160 Seiten ist Hör auf zu lügen sehr dünn. So habe ich nicht erwartet, dass mich die Geschichte bewegen würde. Ich lese oft und gerne sehr dicke Bücher und war hier skeptisch. Auch fand ich den Werbesatz wie "Brokeback Mountain" aus Frankreich zwar interessant, mich selbst kam aufgrund des Klappentextes ein Vergleich zu Call me by your Name in den Sinn, aber doch mag ich solche Bezüge eigentlich nicht, jedes Buch ist einzigartig, oder sollte es viel mehr sein. Kurz um, ich war sehr skeptisch und wurde sehr positiv überrascht. Hätte nicht schon der Klappentext vermuten lasse, dass die Geschichte nicht glücklich endet, so war es nach der Widmung klar. Trotzdem habe ich gehofft, dass es anders wird, nicht so tragisch, wie man vermutet. Zu der Geschichte an sich möchte ich gar nicht so viel schreiben. Sie ist authentisch und berührend. Die Tatsache, dass sie autobiografisch ist, macht es noch schlimmer. Bei manchen Dingen bin ich sehr nahe am Wasser gebaut und hier musste ich fürchterlich weinen. Fast wünsche ich mir, dass der Autor uns anlügt, damit ich mir sagen kann, es ist nur eine erfundene Geschichte. Aber auch wenn, so würde es diese Geschichte trotzdem zuhauf geben, nur mit namenlosen Menschen, die man nicht ein Stück ihres Weges begleitet hat. Hier hat Philippe Besson uns einen tiefen und berührenden Einblick gewehrt, uns an seiner ersten großen Liebe teilhaben lassen. Und eine Geschichte erzählt, die lange im Verborgenen blieb. (Und wurde man einmal verwundet, so hat man später Angst, abermals zu lieben, aus Furcht vor Schmerz, man weicht der Leidenschaft aus, um dem Kummer auszuweichen dieser Grundsatz wird mich leiten. Viele verlorene Jahre lang) Seite 86 Der Schreibstil von Philippe Besson ist speziell. Manchmal sind seine Sätze schier endlos lang, manch andere hingegen nicht beendet. Ich mag dies, eine Art künstlerische Freiheit. Er wechselt auch immer von der Vergangenheit zur Gegenwart. Die Geschichte ist in drei Kapitel in unterschiedlichen Zeitebenen eingeteilt. Doch auch innerhalb dieser wechselt er. Erzählt von dem Vergangenen und streut Stücke aus der Gegenwart ein. Auch dies hat mir gefallen. Oft musste ich innehalten und die Sätze noch mal lesen, um sie auch völlig aufzunehmen. So könnte man zwar meinen dieses Buch mit 160 Seiten sei kurzlebig, dem ist aber nicht so. Die Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Fazit: Berührend, authentisch und wichtig. Ich würde Hör auf zu Lügen nicht unbedingt nur eine tragische Liebesgeschichte nenne, wenn man die Geschichte nur auf die Liebe reduziert, wird ihr dies nicht ganz gerecht. Dafür schwingt viel mehr darin mit. Mich könnte sie emotional sehr berühren, besonders da sie autobiografisch ist. Und so schnell vergessen werde ich sie auch nicht.

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Der Autor hat hier seine eigene Geschichte seiner erste Liebe zu Thomas auf Papier gebracht . Die Zeit für Homosexuelle Paare damals schwer in den 80gern, Ihre Beziehung läuft im verborgenen ab , beide sind auch noch Schüler . Nach der Schule verlieren sie sich aus den Augen ,bis sie sich Jahre später wieder Treffen. Hier schreibt der Autor nicht nur um seine verlorene Liebe sonder auch wie schwer es in der damaligen zeit war Homosexuell zu sein Der Schreibstil des Autors ist etwas gewöhnungsbedürftig mich hat der Stil an Jerome D. Salinger erinnert Klappentext Brokeback Mountain" aus Frankreich: Die tragische Geschichte einer homosexuellen Liebe - authentisch und zutiefst berührend Philippe ist 17 Jahre alt und ein Außenseiter. Als hochbegabter Sohn des Schuldirektors, der wenig Kontakt zu den Mitschülern hat, lebt er in einem französischen Provinznest. Er fühlt sich von seinem Klassenkameraden Thomas, einem geheimnisvollen und charismatischen Winzersohn, angezogen und ist ganz verblüfft, als dieser sein Interesse erwidert. Thomas wird seine erste und große Liebe. Eine Liebe, die nur im Verborgenen gelebt werden darf und die für Thomas tragisch endet, weil er, geprägt durch die ländlichen Konventionen, seine sexuelle Identität sein Leben lang verleugnen wird. Ein authentischer und tief berührender Roman über Liebe und Identitätsfindung.

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Wahre Gefühle und fiktive Geschichte

Thalia

Von: Gregor Schwarzenbrunner aus Linz

18.10.2018

Das Besondere an Philippe Bessons Roman „Hör auf zu lügen“ ist, dass er in der Geschichte der Ich-Erzähler, der gleichzeitig der Hauptprotagonist ist, sich direkt an den Leser wendet und ihm von seiner ersten großen Liebe erzählt. Man bekommt das Gefühl keinen Roman zu lesen, sondern eine mitreißende biografische Liebesgeschichte in der Hand zu halten. Das liegt vor allem auch daran, dass er und der Schriftsteller den selben Vornamen haben. Reflektiert blickt er auf seine erste große Liebe, Thomas Andrieu. Dabei ist der Charakter kein Fremder, in einem anderen Roman mimte er sogar der Hauptcharakter. Gerne würde man Philippe Besson Glauben schenken, dass alles genauso geschehen ist. Allerdings wird die Frage aufgeworfen, was nun im Buch tatsächlich biografisch und was Fiktion ist. In einer Szene erzählt Philippe davon, wie er bereits im Kindesalter Geschichten erfindet und seine Mutter ihm lapidar vorwirft zu lügen. Der Wahrheit entspricht, dass es ist ein aufrichtiges Buch gegen Homophobie und Intoleranz ist, es uns daran erinnert man selbst zu sein und zu sich zu stehen. Der bereits achtzehnte Roman von Philippe Besson stand wochenlang auf Platz 1 der französischen Bestsellerlisten, ganz zu Recht wie ich meine. Er reiht sich in die illustre Gesellschaft von Katherine Pancol, Véronique Olmi und Michel Bussi ein. Sie alle wurden unter anderem mit dem Prix Maison de la Presse, der seit 1970 jährlich an französische Autoren vergeben wird, ausgezeichnet.

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