Leserstimmen zu
Eines Tages in der Provence

Karine Lambert

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Meine Zusammenfassung: Im Frühling ist es besonders schön auf dem Marktplatz. Die vielen Zweige und Blätter der Platane mitten auf dem Marktplatz wiegen sich im Wind. Die Farben kommen zu dieser Jahreszeit besonders zur Geltung und schenken jedem einzelnen Dorfbewohner eine glückselige Ruhe. Suzanne, die Barbesitzerin des Dorfes, liebt es, sich eine kurze Verschnaufpause vom regen Treiben im Schatten des Baumes zu gönnen. Auch der zehnjährige Clément nutzt den Baum als eine Art Freund, um sich von den ständigen Streitigkeiten seiner Eltern abzulenken. Fanny ist jedes Mal bezaubert, wenn sie aus ihrem Fenster auf diesen Jahrzehnte alten, prachtvollen Baum blickt. Die Bonnafay-Schwestern, Adeline und Violette, sind mit ihren 91 und 93 Jahren immer noch jünger als die Platane in ihrer Mitte und lassen sich schon ihr Leben lang von ihm begleiten. Für Manu, den Durchreisenden, gibt es kein schattigeres Plätzchen um gemütlich seinen Joint zu rauchen oder die Artischocken von Félix zu verkaufen. Raphaël kommt eigentlich aus dem Nachbardorf, doch jedes Mal wenn er zu einer seiner wöchentlichen Sitzungen zu Jaques geht, kommt er an diesem Baum vorbei. Manchmal glaubt er, der Baum verhelfe ihm eher zur Heilung, als sein Psychologe. Doch als am 01. März der Gemeindearbeiter François die Anordnung zur Fällung der Platane an den Baum hängt, gerät das Dorf in Aufruhr. Die Bewohner sind mit dieser Fällung nicht einverstanden. Clément ruft eine Petition ins Leben, doch bekommt er nicht viele Dörfler zusammen, die dafür unterschreiben. Suzanne, eine der wenigen Unterstützer der Petition, ruft ein Komitee ins Leben, an dem ihre Freundin Fanny, der zurückhaltende Manu, der aufgebrachte Clément und sogar der entscheidungsunfähige Raphaël teilnehmen. Doch bleibt ihnen nicht viel Zeit, den liebevollen Baum zu retten. Die Mittel sind begrenzt, der Großteil des Dorfes desinteressiert und die Ideen zur Rettung rar. Doch der Termin zur Fällung rückt immer näher. Um ein Stück des Dorfes, einen Teil ihres Lebens, den wertvollsten Baum in ihrer Mitte zu retten, müssen die Medien mobilisiert werden. Clément tut alles dafür, um jeden weiteren Bewohner auf das Unrecht, was in ihrem Dorf geschieht, aufzuhalten. Sogar dem Präsidenten schickt er eine Brief mit der Bitte, die Fällung zu stoppen. Sogar ein anonymer Unterstützer streift des nachts umher und befestigt Drohungen und fiese Parolen an den Baum, um dem Treiben des Bürgermeisters ein Ende zu setzen. Doch können die fünf zusammengewürfelten Bewohner wirklich etwas gegen das Urteil des Bürgermeisters anrichten? Und warum denkt eigentlich niemand dabei an den Baum? Hat dieser denn nicht auch verdient, ein gesundes Leben weiterhin in ihrer Mitte zu führen, wie er schon über ein Jahrhundert tut? Meine Meinung: Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Buch so mitreißen würde. So voller Emotionen für einen über Hundert Jahre alten Baum, der sogar selbst im dem Buch dazu kommt, sich mitzuteilen. Niemals hätte ich darüber nachgedacht, welche Empfindungen ein Baum haben könnte, der irgendwo, sei es auf einer Wiese inmitten vieler anderer Bäume, oder gar allein als einziger Baum auf einem Feld, oder unter vielen verschiedenen Bäumen im Wald, steht. Bäume sind schon ein Wunder für sich, mit ihren gigantischen Wurzeln, die die Kraft haben, Beton zu durchschreiten und zu zerstören. Die eine gewaltige Baumkrone halten und gegen Wind und Wetter ankämpfen müssen und mit Glück sogar bestehen bleiben. Sie spenden uns Schatten und Sauerstoff, Energie und Kraft. Sie sind die pure Lebenskraft. Mit einem guten Buch in der Hand an ihren Stamm gelehnt, lassen sich die Sorgen vergessen und Tag gleitet nur so dahin. Kindern schenken sie einen Spielplatz, Liebespaaren einen Platz, in den sie ihre Initialen ritzen können um jedem zu zeigen, wie sehr diese beiden Personen sich lieben. Jede Person in diesem Buch hat ihre eigene Verbindung zu der Platane auf dem Marktplatz und jeder einzelne von ihnen die Sorge, ein Stück seines Lebens zu verlieren, etwas, das ihnen Halt gibt. Es ist wundervoll zu erleben, wie sich die unterschiedlichsten Charaktere darum bemühen, etwas zu retten, was ihnen am Herzen liegt. Gleichzeitig ist es wahnsinnig spannend zu lesen, was die „Gedanken“ eines Baumes sein könnten. Ich habe beim Lesen mit dem Baum mitgefühlt und mir immer mehr Sorgen gemacht. Meine Angst, dass der Zeitpunkt der Fällung des Baumes immer näher rückt und die Dorfbewohner nichts dagegen unternehmen können, hat sich mit jeder Seite weiter gesteigert. Dieses Buch hat mir ein Gefühl von Frieden gegeben, eine Verbundenheit mit der Natur und der „Gefühlswelt“ eines Baumes. Wir Menschen nehmen uns alles, was wir wollen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken, aus Gründen, die uns selbst nicht immer klar sind. Wir zerstören Leben, die Folgen sind uns egal. Doch dieses Buch bietet ein Stückchen Veränderung und einen schattigen Platz, sich völlig im Unterholz eines Baumes zu verlieren. Mein Fazit: „Ich war nie ein Baum unter Bäumen, doch heute Abend bin ich ein Baum unter Menschen.“ Großartig und nur zu empfehlen. Das Lesen dieses Buches kostet maximal ein paar Stündchen. 5 von 5 Sternen.

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Kennt ihr "Und jetzt lass uns tanzen" von Karine Lambert? Mir hat der Roman über Liebe im Alter sehr gut gefallen. Deshalb sprach mich ihr neues Buch auch sofort an. Ein Baum, Mittelpunkt des Dorfplatzes, soll gefällt werden. Nachdem sich alle Anwohner ringsum über diese Meldung wunderten, wächst ihre Gegenwehr. Zuerst einzeln, dann bildet sich ein Komitee. Doch die Ideen fehlen, auch ein Brief an Frankreichs Präsidenten bringt nichts. Bis man sich irgendwann die Frage stellt, wieso der Baum eigentlich weg soll. Ja, wieso denn? Wem steht der Baum im Weg? Im Roman werden die Anwohner liebevoll porträtiert, doch auch die Platane selbst kommt zu Wort. Für alle Beteiligten hat die Platane eine Bedeutung, sei es für Fotografin Fanny, die mit ihrem Liebhaber nicht wirklich glücklich ist; Suzanne, die den Lehrerjob an den Nagel hängte und stattdessen das Bistro ihrer Tante übernahm; Raphaël, der ständig und erfolglos zu einem Psychiater geht; Jaques Dumoulin, der Psychiater, der sich nervt, weil er mit allen Patienten immer über den Baum reden muss; Hausmeister François, werdender Vater; die über 90jährigen Bonnafay-Schwestern und der 10jährige Clément - fast die mutigste Person der Geschichte - und einige mehr. Es ist ein Roman in 24 Kapiteln, jedes davon mit einem Datum versehen. Die Erzählung beginnt am 1. März, als die Ankündigung am Baum hängt, und endet kurz nach dem 21. März. Der Stichtag, an dem Baum gefällt werden soll. Die Geschichte ist an sich gut geschrieben. Doch mir fehlte etwas. Die Figuren blieben trotz toller Voraussetzungen blass, auf Distanz. Trotz allem Wissen über sie hatte ich das Gefühl, nicht an sie heran zu kommen. Als Leser blieb ich eine unbeteiligte Beobachterin: so als ob ich aus dem Fenster gucke und sehe was auf dem Dorfplatz geschieht, was die Nachbarn hinter ihren Fenstern so machen und was sie beschäftigt, aber ich emotional nicht davon berührt werde. Fazit: Schöne Idee, aber mir konnte keine Warmherzigkeit vermittelt werden. Deshalb nur 3.5 Punkte.

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