Leserstimmen zu
Gott wohnt im Wedding

Regina Scheer

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Regina Scheer gelingt in ihrem neuen Roman "Gott wohnt im Wedding" (2019) etwas Großartiges: Sie erzählt die Geschichte eines Hauses. Es ist aber nicht nur dessen Geschichte, es sind viele Geschichten von Menschen, deren Lebenswege sich mit diesem Haus im Wedding verbinden. Da ist der hochbetagte Holocaust-Überlebende Leo Lehmann, der von Israel nach Berlin kommt, um sich um die Rückübertragung des enteigneten Besitzes seiner verstorbenen Frau zu kümmern. Seine Verfolgungsgeschichte strukturiert die gesamte Romanhandlung. Leos Erinnerungen an das Haus in der Utrechter Straße sind zwiespältig. Hatte er doch dort zusammen mit seinem Freund Manfred Neumann Zuflucht vor der Gestapo gefunden. Sie waren verraten worden. Manfred hatte den Verrat nicht überlebt und war im Polizeigefängnis in der Schulstraße umgebracht worden. Ein Verlust, den nicht nur Leo, sondern auch Manfreds Geliebte Gertrud Romberg, aktuell die letzte Bewohnerin des Hauses aus NS-Zeiten, nie überwunden hat. Doch welche Rolle nahm sie damals ein? War sie die Verräterin? Die Zeit ist nicht stehengeblieben. Der Wedding hat sein Gesicht von Grund auf verändert. Viele Migranten mit unterschiedlichen Herkunftsgeschichten finden dort heute Zuflucht. Mit den Sinti und Roma nimmt die Autorin eine Verfolgtengruppe in den Blick, die bereits in der NS-Zeit Opfer der herrschenden Macht war. Auch im heutigen Deutschland müssen Sinti und Roma um Anerkennung, Gleichberechtigung und angemessene Wahrnehmung ringen. Die Sintiza und Mittvierzigerin Laila steht für dieses Hin- und Hergerissensein zwischen der (in ihrem Fall polnischen) Heimat, dem neuen Leben in Berlin in dem alten Haus in der Utrechter Straße und der ständigen Unsicherheit, die sich sinnfällig an einer Demonstration von Sinti und Roma am Porajmos-Denkmal am Reichstag zeigt. Schlüssig trotz (fast zu) vieler Themen Regina Scheer hat eine ruhige, unaufgeregte, intelligente Art zu erzählen. Ihr gelingt der Spagat, Geschichte und Gegenwart in einer glaubwürdigen Geschichte zusammenzubringen. Mich hat sie sofort in ihren Bann gezogen, ich habe den Roman verschlungen. Dabei geht sie souverän mit der Historie wie mit der aktuellen Migrationsthematik um. Auch die Gentrifizierung, die ihre Krakenarme immer mehr Richtung Berliner Norden schlingt ("Die Mitte der Stadt breitet sich aus."), kommt nicht zu kurz. Als Wedding-Randbewohner fand ich die Orts- und Detailkenntnis der Autorin absolut faszinierend, das fordert zu einem Kiezspaziergang zwischen Leopoldplatz und Schillerpark mit ihrem Roman in der Hand auf. Manchmal wirken ihre Erklärungen sehr für den Leser konzipiert und so geraten manche Dialoge etwas hölzern. Wenn sich beispielsweise Laila von der jungen, hochschwangeren Roma Suzana zwischen zwei Wehen Details zur europäischen Krankenversicherungsbescheinigung erläutern lässt. Darüber liest man locker weg. Der Roman enthält neben den spannenden, glaubwürdigen Geschichten so vieles mehr: Warum die Utrechter Straße früher einmal anders hieß? Was es mit dem schützenden Medusenhaupt am Eingangsportal des alten Hauses auf sich hat? Wie das John-Lennon-Gymnasium zu seinem weltweit einmaligen Namen kam? Und noch dazu führt er eine neue Stimme in die Literatur ein, die Stimme des Hauses selbst. Als Mittler zwischen den Zeiten und bedroht durch die Mitte-Gentry bildet es die Konstante zwischen drei Jahrhunderten und besitzt ebenfalls einen Verfolgtenstatus. Dessen Ende ist abzusehen. Fazit: ein toller Roman, souverän komponiert, spannend geschrieben. Pflichtlektüre nicht nur für Wedding-Fans!

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Sehr gut

Von: Tanja MP

18.04.2019

Nostagie. Das ist das perfekte Wort, um meine Gefühle zu beschreiben, als ich am Ende dieses Buches kam. Regina Scheer erzählt in ,Gott wohnt in Wedding‘ Ereignisse auf eine einfache, aber gleichzeitig bedeutungsvolle Weise. Hier werden Altes und Neues in Betracht gezogen, dies in Verbindung mit vielen Erinnerungen an eine entfernte Vergangenheit, alles vermischt mit einem seltsamen Gefühl der Ablehnung und der Hoffnung, dass das Leben besser wird, nachdem uns unerwarteten Ereignissen überholt hatten.   Dieses Buch ist ideal für diejenigen, die historische Romane mit einem Schuss Aktualität mögen und sich Berlin während der Jugend von Leo Lehmann gerne vorstellen können. Das Lesen dieses Buches ist sehr angenehm und meiner Meinung nach auch empfehlenswert.

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'Gott wohnt im Wedding' ist eines dieser Bücher, die man viel häufiger lesen sollte und irgendwie immer übersieht. Es ist eine Geschichte über Träume, Niederlagen und Hoffnungen. Und wie das Leben nun einmal ist, geht nicht immer alles so, wie man es sich gewünscht hat. Dieses Buch ist nicht für die schnelle, unterhaltsame Ablenkung zwischendurch. Es will in Ruhe gelesen und genossen werden. Dafür bietet es ein Auf und Ab der Gefühle. Die einfühlsam gewählten Worte der Autorin haben mich wirklich in die Geschichte eintauchen lassen. Ich bin verzweifelt, habe geweint und gelacht beim Lesen. Alles zusammen mit den Charakteren des Buches, die wirklich wunderbar sind, mit all ihren Schwächen und Fehlern. Daneben ist das Buch für mich vor allem ein Weckruf. Es behandelt top aktuelle Themen, vor denen viel zu häufig die Augen verschlossen werden oder die nicht wahrgenommen werden, weil sie einen nicht direkt selbst betreffen. Regina Scheer versteht es dabei meisterlich Bilder zu zeichnen, die zeigen, dass das Leben nicht in Schwarz und Weiß zu trennen ist und die Grenze zwischen Die und Wir fließend ist. Mich hat die Geschichte in einigen Punkten auch regelrecht schockiert: ob sowas in Deutschland überhaupt noch möglich ist? Haben wir denn nichts aus der Geschichte gelernt? Auch darauf gibt das Buch eine leise Antwort: Sicher, aber wir lernen nie aus und es sollte nie zu spät sein Unrecht einzugestehen und zu ändern. Vor allem dürfen wir nicht vergessen. Ich würde das Buch keiner Lesergruppe im Speziellen empfehlen, es ist eine Geschichte, die wir alle gelesen und überdacht haben sollten. Der unvoreingenommene Blick auf unsere Gesellschaft und den Umgang mit Mitmenschen, kann uns allen nur helfen selbst aufmerksamer zu werden und eines einzusehen: Wir sind alle Menschen mit den selben Wünsche, Hoffnungen und Träumen, völlig ungeachtet unserer Herkunft.

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Gott wohnt im Wedding

Von: Sulito

11.04.2019

Ich habe das Buch auch meinem Bruder zum Lesen gegeben. Auch er findet das man das Buch unbedingt lesen muss. Aufregend und spannend von Anfang bis Ende.

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Den Wedding mit anderen Augen gesehen

Von: s.scheer

10.04.2019

Mich hat das Buch sehr interessiert, da ich als Berlinerin familiären Bezug in meiner Kindheit zum Wedding hatte und es damit ein "muß ich unbedingt lesen -Buch" für mich war. Sehr überraschend fand ich dann die Kombination der Themen mit der Verknüpfung des geschichtlichen Aspekts. Ich hatte diesen Bezirk betreffend fast eine andere Thematik erwartet und fand es aber auch sehr spannend mehr über Sinti und Roma zu erfahren, gerade auch im Bezug auf deren Vergangenheit. Alles erzählerisch gut dosiert in die Geschichten der Hauptpersonen integriert. Das in Kombination mit der jüdischen Vergangenheit einiger Personen ist natürlich geschichtlich naheliegend aber dennoch neu . Keine leichte und erwartete Kost ,die auch sehr viel Recherche und Mühe der Autorin erkennen lässt. Es hat etwas gedauert, ehe ich in die Geschichten wirklich eintauchen konnte ,aber dann fand ich sie sehr bereichernd. Es ist kein Buch, was man schnell weglesen kann und eines ,was nachhallt. Den Überbau des erzählenden Hauses fand ich wunderbar ,es verleihte den Geschichten noch eine zusätzliche Perspektive ...und auch das Ende war sehr real. Als Resümee sehe ich das Buch als zeitlosen Apell an die Menschlichkeit, das Kommen und Gehen verschiedener Menschen in einer großen Stadt ist etwas, was gerade den Zeitgeist unserer Lebenswirklichkeit erneut trifft und berührt.

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Gott wohnt in Wedding ist ein eher ungewöhnlicher Roman, der zum Nachdenken anregt und zeigt, daß der Mensch nicht sonderlich lernfähig ist und sich die Geschichte leider immer und immer wieder wiederholt. Nicht ganz einfach zu lesen ist er, dieser Roman, der zum Glück eine Auflistung der wichtigsten Personen im Anhang hat, weil man sonst als Leser leicht den Überblick verlieren könnte. Aber nun zum Inhalt des Romans. Leo ist nach 70 Jahren aus Israel nach Deutschland zurückgekehrt. Und er ist, wie die anderen Protagonisten mit dem ärmlichen Stadtteil Wedding in Berlin verbunden. Das heruntergekommene Haus in der Utrechter Straße knüpft ein Band, das sie schicksalhaft miteinander verbindet. Ihn, der hier mit seiner gesamten Sinti –Familie lebte, die alte Gertrud die ihn und seinen Freund Manfred auf dem Dachboden versteckte und Nira, seine Enkelin, die von den Ereignissen in der Vergangenheit noch nicht s weiß. Ein wunderbarer Roman, mit viel Tiefgang hat Regina Scheer hier geschaffen. Und obwohl er nicht einfach zu lesen ist, sicherlich nicht zum einfach so nebenher lesen gemacht ist, kann ich dieses wunderbare Buch das nicht nur Roman sondern zugleich auch zeigt, daß ein Umdenken stattfinden muss und ein Festhalten an alten Denkmustern nicht die Lösung ist.

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Gott wohnt im Wedding

Von: A.Koch aus Rostock

26.03.2019

Tolles Buch...fesselnd von der ersten Minute an. Und sehr Informativ. Habe mich in meine Kindheit zurück versetzt gefühlt. Dieses Buch muss man gelesen haben.

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Gott wohnt im Wedding

Von: Schuhbiene

24.03.2019

Tolles Buch... faszinierend und klar geschrieben. So macht lesen Spass ...Deutsche Geschichte hautnah erleben....kann dieses Buch nur weiter empfehlen !!!!

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