Leserstimmen zu
Gott wohnt im Wedding

Regina Scheer

(27)
(22)
(8)
(2)
(1)
€ 24,00 [D] inkl. MwSt. | € 24,70 [A] | CHF 33,90* (* empf. VK-Preis)

Mosaik der Erinnerung

Von: Frank Heckert

18.04.2019

Was in Büchern doch alles möglich ist! In diesem hier erzählt gleich zu Beginn (und in der Folge noch mehrfach) ein Haus aus seinem „Leben“, es stecken ja auch ohne Zweifel viele Erinnerungen zwischen vier (oder mehr) Wänden. Besagtes Haus steht im Berliner Wedding und ist sozusagen die Bühne für den neuen Roman von Regina Scheer, die schon vor fünf Jahren mit ihrem Debüt „Machandel“ Vergangenes (von den dreißiger Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Jetztzeit) wieder lebendig werden ließ. „Gott wohnt im Wedding“ folgt demselben Muster: Verschiedene Lebensläufe kreuzen sich hier und ergeben schließlich ein funkelndes Mosaik, in dem sich Gestern und Heute spiegeln. Regina Scheer weiß sehr genau, wie man ein gutes Buch „baut“. Sie erzählt detail- und kenntnisreich … schon nach wenigen Seiten hat man einiges dazugelernt. Oder wussten Sie, dass Kinos früher als Flohkisten bezeichnet wurden? Die Autorin kann da viele Überraschungen aus ihrer Schatztruhe ziehen und profiliert sich so gekonnt als Hüterin der Erinnerung und Anwältin der Heimatlosen. Die Reibung zwischen dem, was war, und dem, was ist, hält diesen Roman unter Strom und macht ihn zum sympathischen Pageturner, der gar nicht den Anspruch hat, mit ambitionierten Formulierungen zu glänzen. Stattdessen werfen sich hier die Protagonisten Leo Lehmann, Laila Fidler und Gertrud Romberg (um die wichtigsten zu nennen) verlässlich die Bälle zu und tragen so ihren Teil dazu bei, in die Geschichte Berlins einzutauchen, ohne die Gegenwart zu vergessen. „Gott wohnt im Wedding“ ist ein Roman mit hohem Unterhaltungswert, den ich gerne gelesen habe und der übrigens sehr gut lektoriert ist. Einzig über die Bezeichnung „ein paar alte, verarbeitete Männer“ auf Seite 61 unten bin ich gestolpert … „verarbeitete“? Ansonsten aber kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der gerne nicht nur nach vorn, sondern auch zurückblickt – und der spüren will, was es bedeutet, wenn man im Leben nach Halt sucht und zum Spielball von Veränderungen wird. Die Lektüre wird übrigens (wie schon bei „Machandel“) durch ein Register der wichtigsten Personen am Ende erleichtert. Es versteht sich von selbst, dass zu diesen „Personen“ auch das eingangs erwähnte Haus zählt.

Lesen Sie weiter

Sehr gut

Von: Tanja MP

18.04.2019

Nostagie. Das ist das perfekte Wort, um meine Gefühle zu beschreiben, als ich am Ende dieses Buches kam. Regina Scheer erzählt in ,Gott wohnt in Wedding‘ Ereignisse auf eine einfache, aber gleichzeitig bedeutungsvolle Weise. Hier werden Altes und Neues in Betracht gezogen, dies in Verbindung mit vielen Erinnerungen an eine entfernte Vergangenheit, alles vermischt mit einem seltsamen Gefühl der Ablehnung und der Hoffnung, dass das Leben besser wird, nachdem uns unerwarteten Ereignissen überholt hatten.   Dieses Buch ist ideal für diejenigen, die historische Romane mit einem Schuss Aktualität mögen und sich Berlin während der Jugend von Leo Lehmann gerne vorstellen können. Das Lesen dieses Buches ist sehr angenehm und meiner Meinung nach auch empfehlenswert.

Lesen Sie weiter

Leider nicht meins

Von: GaBo1412

17.04.2019

Der Klappentext hat Interessantes erahnen lassen in Bezug auf die Verbindung verschiedener Menschen mit einem Ort. Das Lesen ist mir sehr schwer gefallen, da ich keine Verbindung zu den unterschiedlichen Charakteren aufbauen konnte. Diese wechseln oft und springen in der Zeit vom Deutschland zu Hitlers Zeiten und der jetzigen Zeit. Auch kommen mir die Familienkonstruktionen sehr überladen vor. Mir ist es nicht gelungen, mir während dem Lesen zu merken, wer zu wem gehört. Es sind viele "Fachbegriffe" verwendet worden, die mir ein flüssiges Lesen schwer gemacht haben. Ich empfand dies als eine Mischung zwischen Biografie und Fachbuch. Leider ist dies nicht mein Thema und hat mich deshalb auch nicht sonderlich unterhalten. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass dies ein tolles Buch ist, für jemanden, der sich in sowas wiederfindet bzw an der Geschichte interessiert ist.

Lesen Sie weiter

Ihr 2014 erschienenes Debüt "Machandel" habe ich erst kürzlich entdeckt und war absolut begeistert von dieser gelungenen Verknüpfung aus Zeitgeschichte und Romanhandlung. Genau dies gelingt Regina Scheer auch in ihrem neuen Buch "Gott wohnt im Wedding". Im Personenregister, einem wegen der Vielzahl von Mitwirkenden hilfreichen Instrument, steht ein überraschender Protagonist ganz oben: ein Berliner Mietshaus in der Utrechter Straße im Wedding, erbaut um 1890 und nun Spekulationsobjekt und, „weil ich als Immobilie nicht mehr das Potential habe, den Mietwert zu erhöhen“, kurz vor dem Abbruch. Seine kursiv gedruckten Geschichten über seine Erbauer und Besitzer, die Mieter, die kamen und gingen, und sein Wissen darum, dass sich „alles wiederholt“, sind so spannend wie melancholisch, „jetzt, wo alles zu Ende geht“, und es „eine Ahnung von Endgültigkeit“ umweht. „Wenn man lange genug wartet, kommen hier alle wieder vorbei“, so auch der Jude Leo Lehmann, der ab 1943 mit seinem Freund Manfred als „U-Boot“, Untergetauchter, lebte. Nun ist er mit seiner Enkelin Nira wegen Erbangelegenheiten aus Israel nach Berlin gekommen und ausgerechnet in einem Hotel im Wedding gelandet. Im alten Haus in der Utrechter Straße lebt noch immer Gertrud Romberg, die den beiden Jungen damals Unterschlupf gewährte. Manfred wurde in ihrer Wohnung verhaftet und Leo hat nie erfahren, welchen Anteil Gertrud daran hatte. Die alte Frau ist an die hundert Jahre alt, schon ihr Vater wurde in diesem Haus geboren. Sie hat Manfred nie vergessen, nie geheiratet und nie über das gesprochen, was damals passierte. Der Handlungsstrang um Leo und Gertrud, der wiederum viele Einzelschicksale umfasst, hat mir ausnehmend gut gefallen, besonders auch die Geschichte von Leos Frau Edith. Ein weiterer Handlungsstrang umfasst das Schicksal der Sintiza Laila, die 1975 in Polen geboren wurde und als Spätaussiedlerin über Umwege 1991 nach Berlin kam. Sie hat studiert, lebt getrennt von ihrem Mann und hat einen Mietvertrag über drei Jahre, der demnächst ausläuft. Mit ihrem ausgeprägten Sozialbewusstsein kümmert sie sich um die alte Gertrud, um die vielen Roma-Familien aus Rumänien, die genauso wie Wanderarbeiter inzwischen im Haus leben. Ihre komplizierte, sehr ausführlich erzählte Familiengeschichte und die ihrer Schützlinge haben mich das ein oder andere Mal verwirrt, es war nicht leicht, Personen, Orte und Schicksale auseinanderzuhalten. Wichtiger ist aber ein großer Erkenntniszuwachs über die Geschichte und Tradition der sehr verschiedenen Roma-Gruppen, zu denen die Sinti als eine Untergruppe gehören, und über ihre fehlenden Perspektiven. Man merkt dieser geglückten Verbindung von Geschichte und Gegenwart die umfängliche Recherchearbeit von Regina Scheer deutlich an. Dass sie darüber hinaus so viel Wärme für ihre Figuren aufbringt und auf Schwarz-Weiß-Zeichnung weitgehend verzichtet, macht den Roman für mich empfehlenswert. Ich hatte das Glück, Regina Scheer am 10. April 2019 live bei einem Interview mit Lesung im Botnanger Buchladen in Stuttgart zu erleben. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sie sich nicht entgehen lassen, denn die Autorin hat auch über den Roman hinaus viel zu erzählen.

Lesen Sie weiter

'Gott wohnt im Wedding' ist eines dieser Bücher, die man viel häufiger lesen sollte und irgendwie immer übersieht. Es ist eine Geschichte über Träume, Niederlagen und Hoffnungen. Und wie das Leben nun einmal ist, geht nicht immer alles so, wie man es sich gewünscht hat. Dieses Buch ist nicht für die schnelle, unterhaltsame Ablenkung zwischendurch. Es will in Ruhe gelesen und genossen werden. Dafür bietet es ein Auf und Ab der Gefühle. Die einfühlsam gewählten Worte der Autorin haben mich wirklich in die Geschichte eintauchen lassen. Ich bin verzweifelt, habe geweint und gelacht beim Lesen. Alles zusammen mit den Charakteren des Buches, die wirklich wunderbar sind, mit all ihren Schwächen und Fehlern. Daneben ist das Buch für mich vor allem ein Weckruf. Es behandelt top aktuelle Themen, vor denen viel zu häufig die Augen verschlossen werden oder die nicht wahrgenommen werden, weil sie einen nicht direkt selbst betreffen. Regina Scheer versteht es dabei meisterlich Bilder zu zeichnen, die zeigen, dass das Leben nicht in Schwarz und Weiß zu trennen ist und die Grenze zwischen Die und Wir fließend ist. Mich hat die Geschichte in einigen Punkten auch regelrecht schockiert: ob sowas in Deutschland überhaupt noch möglich ist? Haben wir denn nichts aus der Geschichte gelernt? Auch darauf gibt das Buch eine leise Antwort: Sicher, aber wir lernen nie aus und es sollte nie zu spät sein Unrecht einzugestehen und zu ändern. Vor allem dürfen wir nicht vergessen. Ich würde das Buch keiner Lesergruppe im Speziellen empfehlen, es ist eine Geschichte, die wir alle gelesen und überdacht haben sollten. Der unvoreingenommene Blick auf unsere Gesellschaft und den Umgang mit Mitmenschen, kann uns allen nur helfen selbst aufmerksamer zu werden und eines einzusehen: Wir sind alle Menschen mit den selben Wünsche, Hoffnungen und Träumen, völlig ungeachtet unserer Herkunft.

Lesen Sie weiter

Ein Buch mit Tiefgang

Von: Chris L.

15.04.2019

Gott wohnt im Wedding – Ein Buch, das mich bereist mit dem Titel schon gefesselt hat, denn als Berliner ist es immer wieder spannend und interessant Bücher über seine eigene Heimat zu lesen. Was mich bereits zu Beginn des Lesens begeistert hat, war, dass neben der Erzählperspektive der Charaktere, Leo, Laila und Gertrud, auch aus der Sicht des Wohnhauses geschrieben wird. Das Mietshaus wird somit zum Leben erweckt. Gott wohnt im Wedding ist das erste Buch, das ich gelesen habe, welches sich dieses stilistischen Elements bedient. Einfach unfassbar fesselnd. Ich selbst gehöre zur jüngeren Generation dieser Stadt und weiß aus eigenen Erfahrung nicht, wie es zur damaligen Zeit hier in Berlin war und wie es ausgesehen hat. Alles wurde in dem Buch aber so gut beschrieben, dass ich beim Lesen direkt ein Bild vor Augen hatte. In diesem Buch vereinen sich so viele unterschiedliche Themen, sodass wirklich jeder, meiner Meinung nach, von diesem Buch gefesselt wird. Von der damaligen Zeit bis hin zur Gegenwart, den unterschiedlichen Personengruppen und Problemen der einzelnen Personen. Man sollte aber von Anfang an mit dem Kopf voll beim Buch sein, da es relativ viele Charaktere gibt. Man kann recht schnell den Überblick verlieren. Ich lese gerne in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit, aber leider war dieses Buch keine Weglektüre. Hierfür sollte man sich definitiv am Abend in Ruhe auf einer gemütlichen Couch Zeit nehmen. Im Fazit ist zu sagen, dass „Gott wohnt im Wedding“ ein fantastisches Buch ist. Man sollte zwar schon konzentriert dabei bleiben, aber jeder, der sich dahinterklemmt und sich zeit nimmt, der wird eine Buch lesen, welches ich zuvor noch nicht gelesen habe.

Lesen Sie weiter

Ein Buch mit Tiefgang

Von: Halifax

15.04.2019

Die Idee der Geschichte fand ich sehr gut, endlich mal wieder ein Buch für mich. Nichts übertriebenes a la Hollywood, sondern eine Geschichte die das Leben schreibt. Interessant war „das Haus“ welches selbst erzählte was es über Jahrzehnte kommen u gehen sah. Eine tolle Geschichte die berührt. Ein Stern Abzug vergebe ich, weil es an manchen Stellen zu tief und eher sachlich in die Geschichte der Roma und Sinti ging. Was das Buch zwischenzeitlich wie ein Sachbuch und nicht mehr wie ein Roman erschienen lies. Auf jeden Fall muss man sich Zeit nehmen beim lesen, es ist kein Buch für schnell mal Nebenbei. Es regt zum nachdenken an.

Lesen Sie weiter

Gott wohnt im Wedding

Von: Sulito

11.04.2019

Ich habe das Buch auch meinem Bruder zum Lesen gegeben. Auch er findet das man das Buch unbedingt lesen muss. Aufregend und spannend von Anfang bis Ende.

Lesen Sie weiter