Leserstimmen zu
Der Bücherdrache

Walter Moers

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So gerne ich eigentlich auch Rezensionen und Buchempfehlungen schreibe, so schwer fällt es mir dann, wenn ich mal keine positive Rezension verfassen kann. Das das nun auch noch ausgerechnet bei Walter Moers passiert bricht mir das Herz. Nach langem Warten auf einen neuen Roman erschien im Dezember bereits Weihnachten auf der Lindwurmfeste, ein kurzes Buch, das ich als Entschuldigung vom Autor verstand, als kleine Wiedergutmachung für die lange Wartezeit und zur Überbrückung, bis das nächste Buch endlich erscheint. Bereits dort wurde ein Auszug aus dem Bücherdrachen als Leseprobe beigefügt und machte Lust auf mehr. Leider war der Bücherdrache dann letzten Endes in meinen Augen ziemlich enttäuschend. Bereits den ersten kleinen Herzbruch erlitt ich beim Lesen des Klappentextes: erneut kein weiteres Buch über die Abenteuer von Hildegunst von Mythenmetz, auf das wir Leser*innen schon so lange warten. Dieses mal geht es um Hildegunst Zwei, den Buchling, um den Bücherdrachen und ein Abenteuer in der Unterwelt. Da wir uns dort mittlerweile bestens auskennen freute ich mich dorthin zurück zu kehren und erneut Einblicke in dunkle Höhlen und seltsame Lebensformen zu bekommen. Herzbruch Nummer 2 erlangte ich beim Blick auf die Seitenzahl: 165. Gerade einmal 165 Seiten umfasst die Geschichte um den Bücherdrachen. Wenn man dann auch noch die Seiten mit den Illustrationen und den zwei kleinen Comics abzieht bleibt erneut nur eine Kurzgeschichte übrig. Nachdem wir von Walter Moers Bücher von mindestens 500 Seiten und mehr gewohnt sind war das für mich als Leserin eine ziemliche Enttäuschung. Leider hat mir das Buch beim Inhalt dann auch noch ein drittes Mal mein Herz gebrochen. Die Geschichte des kleinen Buchlings ist so un-inspiriert, un-kreativ und vorhersehbar, dass ich ob des frühen Endes gar nicht mehr so traurig war. Es gibt einzig und allein einen einzigen Handlungsstrang, der linear erzählt wird und weder inhaltlich noch sprachlich mit Raffinesse aufwartet. Überrascht hat einzig und allein das holprige und viel zu abrupte offene Ende, das handwerklich ziemlich ungeschickt daher kommt und letzten Endes auch nicht mehr überrascht. Wie vielleicht zu lesen ist bin ich etwas frustriert. Das Buch bietet bei weitem nicht das, was man vom Autoren gewohnt ist. Es ist nicht grundsätzlich schlecht, nur eben leider irgendwie sehr langweilig. Zwei Wermutstropfen, einen kleinen und einen großen, bietet das Buch dann aber doch noch. Wermutstropfen Nummer 1 ist die wie immer wunderbare optische Aufmachung. Nicht so zahlreich wie sonst, sind die Zeichnungen dafür dieses mal sehr detailliert und umfangreich und laden zum Versinken und zur Detailsuche ein. Der, für mich, weitaus größere Wermutstropfen ist eine erneute Leseprobe. Ganze 20 Seiten aus „Die Insel der tausend Leuchttürme“ sind der Geschichte um den Bücherdrachen nachgestellt. Auch wenn mir der Titel dieses neuen Werkes vorher völlig unbekannt war und man auf Gedeih und Verderben im Internet kein Erscheinungsdatum findet, so lesen sich diese 20 Seiten genau so, wie man es von Walter Moers erwartet: ironisch, witzig, voll von sprachlicher Raffinesse und unfassbar spannend. All das, was ich persönlich im Bücherdrachen vermisse. Und da wir als Leser*innen erneut mit einem offenen Ende und einer Leseprobe abgespeist wurden bleibt uns wiedermal nichts anderes übrig als erneut zu warten. Ich persönlich werde die Zeit nutzen und die mir fehlenden Romane aus dem Zamonienkosmos endlich lesen.

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Halleluja, ich hab ja nach den doch leider nur so mittelguten letzten zwei Büchern nicht mehr unbedingt dran geglaubt, aber glücklicherweise kann der Herr Moers ja doch noch schreiben. Zwar reicht "der Bücherdrache" immer noch nicht im Entferntesten an die Meisterwerke "Käptn Blaubär" oder gar an "Die Stadt der träumenden Bücher" heran, aber es hat für eine nette, kurzweilige Lektüre gereicht. Der zweite Halleluja-Moment: Das Buch ist wieder vom Meister selbst illustriert. Nichts gegen Lydia Rode, aber die Illustrationen von Moers sind halt einfach ein ganz anderes Level. Ich fand den kleinen Comic am Anfang nett, aber der Verdacht, dass einfach ein paar Seiten geschindet werden sollten liegt nahe, genauso die Leseprobe am Schluss, sollen wohl darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte selber ziemlich schmal bemessen ist. Zu schmal, wenn ihr mich fragt, mir ging das alles viel zu schnell. Die Story hätte absolut Potential für mehr gehabt, von daher umso mehr schade drum. Überhaupt - ich hab ein bisschen das Gefühl, dass "Weihnachten auf der Lindwurmfeste" und genauso jetzt auch "der Bücherdrache" ein bisschen lieblos hingeklatscht wurden, einfach um irgendwas zu veröffentlichen. Da hätte ich es doch lieber, dass sie uns mal ein bisschen den Lindner machen, verehrter Herr Moers. Lieber nichts veröffentlichen, als Schmarrn veröffentlichen. Lassen Sie sich gerne Zeit mit dem Schloss der träumenden Bücher, ich verspreche, auch wenn es noch ein paar Jahre dauern sollte - ich werde da sein und ich werde es kaufen und lesen. Aber diese halbgaren Sachen brauchts echt nicht. Jetzt hab ich zwar ein bisschen gemeckert, aber wie ich auch schon in der Einleitung gesagt habe - trotz diverser Unzulänglichkeiten, zu kurz - zu einfach - vorhergehenden Büchern zu ähnlich - war es doch nett und auf jeden Fall besser als "Weihnachten auf der Lindwurmfeste". Die Idee mit dem Bücherdrachen war kreativ und schön beschrieben und ich würde wirklich gerne auch noch mehr vom Bund der Ormlinge lesen (was für eine witzige Idee) und die Illustrationen waren zauberhaft. Trotzdem - unausgegoren, Geldmacherei (20€ für etwas über 110 Seiten Fließtext, da komm ich mir schon leicht ausgenommen vor) und leicht uninspiriert. Schade.

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Zurück nach Buchhaim! Im neuen Roman von Walter Moers, Der Bücherdrache, ist es nicht Hildegunst von Mythenmetz selbst, sondern der gleichnamige Buchling, Hildegunst Zwei genannt, der die Geschichte eines Abenteuers in den Katakomben von Buchhaim erzählt. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Hildegunst Zwei und Mythenmetz wieder aufeinander treffen? Buchlinge können schließlich nicht an die Oberfläche kommen, der Sauerstoffgehalt würde sie umbringen. Damit beide sich begegnen können, beginnt der Roman mit einem kleinen Trick. Die ersten Paar Seiten sind als rätselhafter Comic gestaltet, in dem Mythenmetz in einen Traum eintaucht. Et voilà, schon sind Dichter und Buchling vereint und können miteinander sprechen. Traum? Tatsächlich passiert? Frei erfunden? Wie immer spricht Moers damit hier die Frage an, was Erzählen und Literatur eigentlich sind. Was Hildegunst Zwei erzählt, ist ein kurzes, unterhaltsames Abenteuer. Im Unterricht lernen die jungen Buchlinge über den Mythos des Bücherdrachen Nathaviel, der im Ormsumpf hausen soll. Sechs Klassenkameraden, eine Gruppe von Sitzenbleibern, verrät Hildegunst Zwei von ihrem Geheimbund. Die Aufnahmeprüfung? Geh in den Ormsumpf und schnapp‘ dir eine Schuppe des Bücherdrachen. Naiv wie er ist, macht der junge Buchling sich auf den Weg. Der Ausflug wird zum Abenteuer, denn der sagenumwobene Drache existiert tatsächlich. Negatives zuerst: Was schade ist, ist dass das Buch etwas kurz geraten ist. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass durchaus noch Potential vorhanden gewesen wäre, die Geschichte auf über 200 Seiten auszubauen. Der Weg von Hildegunst Zwei in den Ormsumpf zum Beispiel wirkt sehr stark gerafft. Ganz großartig dagegen sind viele Dialoge. Das ist Moers in Topform, so wie man ihn von den ersten Zamonien-Romanen kennt: frech und humorvoll, mit Hang zum Grotesken. Zielscheibe des Spotts sind in Der Bücherdrache vor allem die Alten und ihre Weisheiten. Insbesondere die alten Griechen, die die Namensgeber für die sechs Buchlinge der „Klassikerbande“ sind. Warum sie sich genau diese Dichter ausgewählt haben? "Da muss man viel weniger auswendig lernen als bei den meisten Dichtern. Die Sprüche müssen nicht mal gut sein, wie du siehst." Auch der Bücherdrache selbst ist zumindest teilweise eine Anspielung auf die alten Griechen. Als mysteriöses Ormrakel parodiert er den griechischen Orakelkult. Und genau wie das Apoll-Orakel von Delphi gehören möglichst kryptische Sprüche zu seinen Spezialitäten. Die Leute wollen einfach nur eine Antwort, meint er. Wenn er selbst keine Ahnung hat, reicht also ein kryptischer Spruch, aus dem die Fragenden sich dann selbst ihre Lösung basteln können. "Nie um einen Rat verlegen sein! Nur so gerät man in den Ruf der absoluten Unfehlbarkeit. Frechheit siegt." Und wie oben schon angesprochen, sind wie immer bei Moers auch das Erzählen und die Literatur selbst an vielen Stellen wieder ein Thema, das sich auch über den kurzen Comic hinaus durch den Roman zieht. Illustriert ist das Buch dieses mal wieder von Walter Moers selbst, nachdem zuletzt zweimal Lydia Rode die Illustrationen machte. Fans seiner Zeichnungen dürfen sich also freuen. Der Bücherdrache ist zwar kurz, aber dafür sehr unterhaltsam. Das Buch hat Spaß gemacht und macht Lust auf mehr. Daher ist es gut, dass eine Leseprobe zu Die Insel der 1000 Leuchttürme angehängt ist. Es scheint als wäre der nächste Moers nicht weit entfernt. Nach Jahren der Dürre nimmt die Zamonien-Reihe wieder Fahrt auf. Ich kann Der Bücherdrache definitiv empfehlen.

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Grundsätzlich sind alle Zamonien-Romane voneinander unabhängige Werke, auch wenn sie über Schauplätze, Figuren oder sogar Handlungen verknüpft sind. Betrachte ich Der Bücherdrache als ein für sich stehendes Werk, dann halte ich den Roman zumindest in Teilen für gelungen, sogar sehr. Mir gefällt beispielsweise die Idee, die Erzählung mit einem Comic zu beginnen und zu beenden. Und überhaupt sind die Illustrationen mal wieder einfach nur fantastisch – schon allein deshalb lohnt sich das Buch. Grundsätzlich finde ich auch den Versuch gut, Mythenmetz statt zum Erzähler zum Zuhörer zu machen. Auch inhaltlich gefällt mir Der Bücherdrache wirklich gut: Ein Fabelwesen, dass im Vorgängerroman beiläufig in einem Nebensatz erwähnt wird, bekommt eine eigene (und wirklich gute) Geschichte – typisch Moers! Die Umsetzung hingegen löst bei mir keine Begeisterungsstürme aus. Das Zusammenspiel der verschiedenen Dialogebenen ist insgesamt recht unbefriedigend und die Figur des Mythenmetz (leider) vollkommen überflüssig. Eine klassische Erzählform rund um die Abenteuer des kleinen Buchlings Hildegunst Zwei wäre sicherlich spannungserzeugender gewesen und hätte die Möglichkeiten geboten, der Geschichte mehr Plastizität zu verleihen. Schwierig wird es, wenn ich Der Bücherdrache im Kontext des Zamonien-Zyklus‘ betrachte. Ich werden den Verdacht nicht los, dass Mythenmetz hier als Mittel zum Zweck herhalten musste: Wo Mythenmetz draufsteht, werden die Leute schon zugreifen. Leider aber trägt er zur Geschichte nullkommagarnix bei und würde man ihn streichen, funktionierte der Roman immer noch – außer, dass Hildegunst Zwei logischerweise keinen Gesprächspartner hätte, wobei Mythenmetz ja ohnehin fast nichts sagt und schon gar nichts von Belang. Ein Moers-Fan wird sich den Roman bestimmt nicht entgehen lassen und wer neu in Zamonien ist, wird wahrscheinlich auch Gefallen an Moers‘ neustem Werk finden – denn ungewöhnlich sind seine Bücher ausnahmslos und allein davon geht eine unbestreitbare Faszination aus.

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Wer die Zamonienbücher genauso gerne verschlingt wie ich, der wird auch in dieser kurzen Geschichte wieder alles finden, was er an den anderen Büchern aus der Welt liebt. Wie immer ist der Schreibstil einfach fantastisch. Einzigartig, lautmalerisch und einfach schön zu lesen. Man merkt die Liebe zum Wort einfach in jedem Satz. In Der Bücherdrahe geht es im Hildegunst Zwei, den kleinen Buchling den wir schon aus Die Stadt der Träumenden Bücher kennen (und lieben ... ich zumindest). Es ist eigentlich ein Gespräch zwischen Hildegunst von Mythenmetz Eins und Zwei. Der Buchling würde gerne lernen Geschichten zu erzählen und bekommt den Tipp doch ein Abenteuer aus seinem Leben zu erzählen, und das tut er dann auch und nimmt uns mit auf die Reise. Wir lernen durch ihn nicht nur anderen Buchlinge wie Kloso und Elias kennen, sondern natürlich auch den berühmt-berüchtigten Nathaviel. Aber mehr möchte ich auch hier gar nicht weiter verraten! Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, einmal weil es halt recht kurz ist, aber auch weil ich es so genossen haben wieder in den Worten von Walter Moers versinken zu können! Wieder ein Abenteuer zu lesen, dass in einer Welt spielt in der sich fast alles um Bücher, Papier und Worte dreht. Man sollte auf jeden Fall Die Stadt der Träumenden Bücher gelesen zu haben, und wahrscheinlich auch nicht erwarten, in diesem kurzen Buch genau so viel zu finden, wie in den anderen Zamonienromanen, es ist eben doch nur eine Novella. Aber wer die Welt liebt und sie vermisst (und wie ich eine Schwäche für die Buchlinge sowie Anagramme hat) und nicht unbedingt ein Buch braucht, dass einen konstant vor Aufregung den Atem anhalten lässt, sondern eine gemütliche kleine Abenteuergeschichte, der ist hier genau richtig. Ich bewundere Walter Moers einfach für seinen Einfallsreichtum, nicht nur was die Handlung und die Charaktere bestrifft, sondern vor allem die Wortwahl, die Anagramme und Metaphern. Ich verliebe mich bei jedem Buch wieder neu in all das. Wie gewohnt sind auch wieder die wundervollen Illustrationen vorhanden und machen das Erlebnis des Lesens nur umso schöner. Oh, und noch eine letzte Sache. Ich hatte ja geschrieben, dass das Buch im Grunde ein Gespräch zwischen den beiden Hildegunst's ist, aber keine Sorge. Man weiß immer direkt wer von beiden gerade spricht, auch ohne es gesagt zu bekommen. Die beiden drücken sich sehr verschieden aus, und das strahlt natürlich auf das ganze Buch aus. Der allgemeine Ton ist etwas leichter und vielleicht etwas ... kindlicher? Was hervorragend dazu passt, dass es hier ein Buchling der Erzähler ist, der auch noch gerade sein ersten Abenteuer erlebt.

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Wer die Zamonienbücher genauso gerne verschlingt wie ich, der wird auch in dieser kurzen Geschichte wieder alles finden, was er an den anderen Büchern aus der Welt liebt. Wie immer ist der Schreibstil einfach fantastisch. Einzigartig, lautmalerisch und einfach schön zu lesen. Man merkt die Liebe zum Wort einfach in jedem Satz. In Der Bücherdrahe geht es im Hildegunst Zwei, den kleinen Buchling den wir schon aus Die Stadt der Träumenden Bücher kennen (und lieben ... ich zumindest). Es ist eigentlich ein Gespräch zwischen Hildegunst von Mythenmetz Eins und Zwei. Der Buchling würde gerne lernen Geschichten zu erzählen und bekommt den Tipp doch ein Abenteuer aus seinem Leben zu erzählen, und das tut er dann auch und nimmt uns mit auf die Reise. Wir lernen durch ihn nicht nur anderen Buchlinge wie Kloso und Elias kennen, sondern natürlich auch den berühmt-berüchtigten Nathaviel. Aber mehr möchte ich auch hier gar nicht weiter verraten! Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, einmal weil es halt recht kurz ist, aber auch weil ich es so genossen haben wieder in den Worten von Walter Moers versinken zu können! Wieder ein Abenteuer zu lesen, dass in einer Welt spielt in der sich fast alles um Bücher, Papier und Worte dreht. Man sollte auf jeden Fall Die Stadt der Träumenden Bücher gelesen zu haben, und wahrscheinlich auch nicht erwarten, in diesem kurzen Buch genau so viel zu finden, wie in den anderen Zamonienromanen, es ist eben doch nur eine Novella. Aber wer die Welt liebt und sie vermisst (und wie ich eine Schwäche für die Buchlinge sowie Anagramme hat) und nicht unbedingt ein Buch braucht, dass einen konstant vor Aufregung den Atem anhalten lässt, sondern eine gemütliche kleine Abenteuergeschichte, der ist hier genau richtig. Ich bewundere Walter Moers einfach für seinen Einfallsreichtum, nicht nur was die Handlung und die Charaktere bestrifft, sondern vor allem die Wortwahl, die Anagramme und Metaphern. Ich verliebe mich bei jedem Buch wieder neu in all das. Wie gewohnt sind auch wieder die wundervollen Illustrationen vorhanden und machen das Erlebnis des Lesens nur umso schöner. Oh, und noch eine letzte Sache. Ich hatte ja geschrieben, dass das Buch im Grunde ein Gespräch zwischen den beiden Hildegunst's ist, aber keine Sorge. Man weiß immer direkt wer von beiden gerade spricht, auch ohne es gesagt zu bekommen. Die beiden drücken sich sehr verschieden aus, und das strahlt natürlich auf das ganze Buch aus. Der allgemeine Ton ist etwas leichter und vielleicht etwas ... kindlicher? Was hervorragend dazu passt, dass es hier ein Buchling der Erzähler ist, der auch noch gerade sein ersten Abenteuer erlebt.

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Ein zamonischer Appetithappen?

Von: wortesammlerin

27.03.2019

Meine Liebe zu den Zamonienromanen ist wohl inzwischen kein Geheimnis mehr. Walter Moers ist meiner Meinung nach einer der talentiertesten Fantastik-Autor seiner Zeit (ich bitte alle hartgesottenen Fantasy-Liebhaber Gnade walten zu lassen). Seine Figuren sind einge-spielt mit der Welt Zamonien, alles hat seinen Sinn und ist am rechten Fleck. Immer wieder begegnen uns Freundschaften, Gespräche und Geschichten, die so nie zustande kämen, nicht zuletzt auch wegen des unverwechselbaren Humors, der immer zwischen zamonischen Zei-len wabert. In diesem Fall finden wir uns in Hildegunst von Mythenmetz’s Traum im Traum im Traum wieder. Ein liebevoller Comic überführt den Leser von der zuletzt von Mythenmetz erschienenen Reihe der Stadt bzw. des Labyrinths der Träumenden Bücher hinüber zu einer Nacht mit dem zamonischen Erfolgsschriftsteller. Natürlich nur in seinem Hirn, also in den Bildern, die er sich im Traume ausmalt. Unter diesen Umständen begegnet er dem kleinen Buchling Hildegunst Zwei, den wir in der Stadt bereits kennengelernt haben. Seit er dazu berufen wurde, Mythenmetz’s Gesamtwerk auswendig zu lernen, hat sich einiges getan. Vor allem eines: Er ist der Legende des berüchtigten und vom Orm durchströmten Bücherdra-chen Nathaviel auf den Grund gegangen. Und das als kleiner Buchling, der von diesem My-thos gerade erst im Schulunterricht erfahren hat. Dass dieser Drache nicht ungefährlich ist und dass er von Geheimnissen weiß, von denen Hildegunst Zwei nur träumen kann, muss unser kleiner Abenteurer auf die harte Tour lernen, und dabei auf die Kraft der Freundschaft und auf eine Theorie vertrauen, die er sich im Biologie-Unterricht selbst zusammengeträumt hat. Hiermit schlägt unser Moers die Brücke zwischen Insomnia und den Träumenden Bü-chern. Die traumgesättigte Atmosphäre und die hohe Erwartung, die die Fans schon lange an die kommenden Romane haben, verbinden sich zu einer schönen kleinen Geschichte, die fantasievoll daherkommt, uns aber mit unserem Wissensdurst zugegebenermaßen im Regen stehen lässt. Denn wer denkt, dass er Hinweise auf das Schloss der Träumenden Bücher ent-hält (wie ich beispielsweise), der muss enttäuscht werden. Ein wenig erinnert die Erzählung an die Märchennähe von Ensel und Krete, vor allem aber ist sie eine eigenständige Geschich-te ohne zeitlichen Zusammenhang zu etwaigen Fortsetzungen jeglicher Zamonienromane. Ausschließlich der altgekannte Mythenmetz schreibt sich wieder in seine eigenen Geschich-ten hinein, ebenso eitel, wie wir es von ihm gewohnt sind. Das Spannende der Erzählung ist, dass sie auch ohne die schiere Länge der Stadt oder den Detailüberfluss des Labyrinths zu seinem träumerischen Stil kommt, die uns ohne große Ab-wägung in die Welten unter Buchhaim katapultiert. Außerdem lernt der Leser alles mögliche Neue und Unglaubliche über ebendiese Katakomben, von denen er bereits dachte, sie voll-kommen durchschaut zu haben. Mitnichten, liebe Mitleser, mitnichten. Da versteckt Moers doch glatt, wie er es so gerne tut, Geschichten in der Geschichte, die er der Fantasie über-lässt, ohne bösartig zu werden. Eine Kraft, die die vorliegende Geschichte nur umso stärker wirken lässt, detailreicher, echter, greifbarer und liebevoller konstruiert. So kommt es, dass man nach der Lektüre dieser Erzählung eher noch mehr Stoff aus die-ser Erzählung braucht, ein Geschichtenbuch zum Traum im Traum im Traum etwa. Mehr Zamonien, mehr Buchlinge, mehr zu den Katakomben, den Dichtern, Ungetümen und weisen Drachen. Mehr Moers, das braucht man nach einer Lektüre von Moers. Das ist sicher. Alles andere ist hoffen auf die nächsten Geschichten aus der Feder des Schriftstellers (wie bei-spielsweise die Leseprobe zum nächsten Roman, der Insel der Tausend Leuchttürme…).

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In einem Traum wird Hildegunst von Mythenmetz in ein Buch verschleppt, wo er den Buchling Hildegunst Zwei trifft, der das gesamte Werk des Schriftstellers auswendig lernt. Der Buchling erzählt ihm eine Geschichte aus seinem Leben: Einst hörte er während einer Schulstunde die Legende von Nathaviel, dem Bücherdrachen. Dieser soll im Ormsumpf hausen und sich schon so lange in ormgetränkter Literatur wälzen, dass er zum Orakel geworden ist. Als er einigen Mitschülern berichtet, dass ihm eine besonders gute Frage für den Bücherdrachen eingefallen ist, offenbaren die ihm, dass die Legende wahr ist und sie den Weg kennen. Der Weg zum Drachen soll gar nicht weit sein! So machte sich Hildegunst Zwei spontan auf dem Weg und erlebt Dinge, mit denen er niemals gerechnet hätte. Das Cover des Buches ist für mich ein echter Hingucker: Der Bücherdrache blickt den Leser mit ernsten Augen an, davor steht ein kleiner Buchling mit einem Blick, in dem eine Mischung aus Neugier und Angst liegt. Nach acht Jahren endlich wieder ein neuer Zamonien-Roman, der von Walter Moers selbst illustriert wurde! Auch das Thema reizte mich sehr: Ein Drache, der sich so lange in ormgetränkten Büchern gewälzt hat, dass diese nicht nur seinen ganzen Körper eingehüllt haben, sondern er auch all ihr Wissen aufgesogen hat. Bevor man mehr über den Bücherdrachen erfährt wird dem Leser berichtet, wie Hildegunst von Mythenmetz von dieser Geschichte erfahren hat: Über einen Traum, in welchen er in ein Buch verschleppt wird, wo er ein Buch findet, in das er verschleppt wird und Hildegunst Zwei trifft, der ihm eine Geschichte erzählen will. Ein verwirrendes, Inception-mäßiges Intro, das meiner Neugier aber keinen Abbruch tat. Schon bald beginnt Hildegunst Zwei, dem Schriftsteller seine Geschichte zu erzählen. Sie führt den Buchling hinaus aus der Ledernen Grotte, in dem sein Volk in Frieden lebt, und hinein in die unbekannte Welt der Katakomben von Buchhain. Dort macht er aufregende Entdeckungen, erlebt einige Überraschungen und erfährt große Geheimnisse. Die lebendigen Beschreibungen und gelungenen Illustrationen machten die wundersame Welt der Katakomben und des Ormsumpfes greifbar und ließen mich tief ins Buch eintauchen. Der Kern des Buches und mein Highlight ist ein längerer Dialog - humorvoll, philosophisch und voller Wortwitz. Hier läuft der Autor zu Höchstform auf und konnte mich absolut begeistern. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es an einem einzigen Abend durchgelesen. Zum Ende hin wird es noch einmal spannend und ist dann viel zu schnell vorbei. Denn nach nur 165 Seiten heißt es Abschied nehmen, auf den letzten 20 Seiten des Buches ist eine Leseprobe von „Die Insel der 1000 Leuchttürme“ abgedruckt. Insgesamt eine absolut gelungene Geschichte aus den Katakomben von Buchhaim. Ein Must Read für alle Zamonien-Fans!

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