Leserstimmen zu
Das kalte Reich des Silbers

Naomi Novik

(21)
(13)
(13)
(10)
(1)
€ 18,00 [D] inkl. MwSt. | € 18,50 [A] | CHF 25,90* (* empf. VK-Preis)

Kurzbeschreibung: Mirjem ist die Tochter eines gutherzigen Pfandleihers, der es nicht über sich bringt, Schulden einzutreiben. Als die Familie deshalb bittere Armut leidet, tritt Mirjem an die Stelle ihres Vaters. Unnachgiebig fordert sie zurück, was ihr zusteht. Sie ist erfolgreich, und bald heißt es, sie könne Silber zu Gold machen. Die Kunde davon dringt bis tief in die Wälder, zum gefürchteten Volk der Staryk – magische Wesen, die mehr aus Eis bestehen als aus Fleisch und Blut. Der König der Staryk entführt sie in sein Reich. Dort soll sie für ihn Silber zu Gold machen. Tut sie das nicht, wird der Staryk sie töten. Doch gleichzeitig versinkt die Menschheit nun in Kälte … Meinung: Cover und Kurzbeschreibung fand ich sofort extrem ansprechend, weshalb ich auch voller Vorfreude in die Geschichte gestartet bin. Den Einstieg fand ich auch richtig gut gewählt, aber ich habe bald gemerkt, dass die Autorin ihre Geschichte sehr genau, mit vielen alltäglichen Details und aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Es geht nicht nur um die Geschichte von Mirjem, sondern auch das arme Bauernmädchen Wanda und ihre Familie, sowie die Herzogstochter Irina können als Protagonistinnen bezeichnet werden und mit der Zeit gibt es noch mehr unterschiedliche Perspektiven. Man lernt die Protagonistinnen, ihre Geschichten und ihre Schicksale sehr ausführlich kennen. Dabei muss ich sagen, dass es mir in den ersten beiden Dritteln schon etwas viele Details zum normalen Leben und den Umgebungsbeschreibungen waren und die Spannung dabei in meinen Augen etwas zu kurz kam. Gleichzeitig hat man nämlich zu den geheimnisvollen Staryk und zu den anderen mysteriösen Gegebenheiten leider sehr wenig erfahren, weshalb ich die Mischung etwas unausgeglichen fand. Störend fand ich anfangs auch, dass die vielen Perspektivenwechsel zwar durch Absätze und Schneeflocken gekennzeichnet waren, aber man nie sofort wusste, aus welcher Sicht nun erzählt wird. Da hätte ich mir gerne eine Lösung mit einem einleitenden Namen gewünscht. Auch so weiß man natürlich mit der Zeit Bescheid, aber mir persönlich gefällt es besser, wenn die Perspektive von Anfang an genannt wird und ich mich gleich darauf einstellen kann und nicht erst lange überlegen muss. Nach diesen ganz gut zu lesenden, aber doch auch etwas langatmigen ersten zwei Dritteln, fand ich das Buch zwar ok, aber so ganz überzeugt war ich einfach nicht und ich hatte die Hoffnung auch schon aufgegeben, dass sich das noch ändern würde. Dann jedoch kam der Wandel, schleichend und im gleichen ausführlichen und etwas kühlem Schreibstil erzählt, aber doch deutlich spürbar. Plötzlich wurde die Handlung aktiver und überraschender, die Spannung greifbarer, die Figuren und ihre Entscheidungen bedeutend und die vielen vorher gelesenen Details haben plötzlich ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Und wirklich gut haben mir am Ende die unaufdringlichen Entwicklungen der zwischenmenschlichen Beziehungen gefallen. Es gibt keine klassischen Liebesgeschichten und auch die auf ungewöhnliche Weise geknüpften sozialen Bande sind wirklich etwas Besonderes und lesenswert. Fazit: Obwohl mir die ersten zwei Dritteln ein bisschen zu detailliert und langatmig waren und mich deshalb, trotz der recht interessanten Grundgeschichte, nicht völlig überzeugen konnten, hat der Plot dann nochmal angezogen und plötzlich haben die vielen vorher gelesenen Details einen Sinn ergeben. Das Ende konnte mich dann total überzeugen und zufrieden zurücklassen, vor allem die unaufdringliche Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen fand ich sehr besonders und lesenswert. Deshalb gibt’s solide 4 Sterne.

Lesen Sie weiter

Silber zu Gold

Von: bootedKat

03.03.2019

Mirjems Familie leidet bittere Armut. Und das nur, weil ihr Vater, ein Pfandleiher, es nicht übers Herz bringt, sich das verliehene Geld auch wieder zurückzuholen. Als ihre Mutter schwer erkrankt, beschließt Mirjem die Schulden einzutreiben, um damit Medizin bezahlen zu können. Ihre Unnachgiebigkeit und ihr Geschäftssinn tragen ihr bald den Ruf ein, Silber in Gold verwandeln zu können. Als der König des magischen Volks der Staryk davon hört, stellt er Mirjem zunächst auf die Probe, bevor er sie in sein Reich entführt, damit sie dort wahrhaftig Silber in Gold verwandelt. Mit „Das kalte Reich des Silbers“ erzählt Naomi Novik die Geschichte vom Rumpelstilzchen neu. Nur, dass es in dieser Geschichte, streng genommen, kein Rumpelstilzchen gibt. Niemand backt heute, braut morgen oder holt übermorgen der Königin ihr Kind. Allerdings spielen zentrale Elemente des Märchens eine nicht unwichtige Rolle. So sind Habgier, Macht und Prahlerei starke Handlungsmotive, aber auch das dreimalige Auf-die-Probe-Stellen, das Böse in Gestalt eines Dämons und das Geheimhalten von Namen kennzeichnen die Erzählung. Ein ebenfalls nicht unwichtiger Aspekt, der meiner Ansicht nach durchaus etwas Sozialkritik in die Geschichte bringt, ist die Tatsache, dass Mirjems Familie jüdisch ist. Die Antipathie, die Mirjems Familie von den anderen Dorfbewohnern erfährt, ist zwar vorwiegend darauf begründet, dass Mirjem so hartnäckig die Schulden zurückfordert, allerdings wird man beim Lesen das Gefühl nicht los, dass Naomi Novik auch gegen Antisemitismus schreibt. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei man mitunter überlegen muss, wer gerade spricht. Da Sprecherwechsel allerdings immer durch Absätze gekennzeichnet sind, verliert man beim Lesen aber trotzdem nicht den Faden. Die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man auch die Sichtweise der vermeintlich Bösen erlebt und dadurch einen besseren Einblick in ihre Motive erfährt. Und auch die eigentlich Guten handeln nicht immer durchweg einwandfrei. Auch, wenn „Das kalte Reich des Silbers“ eine Version des Märchens vom Rumpelstilzchen ist, finden sich hier deutlich mehr Grauzonen innerhalb der Handlung, wodurch auch die Ursprungsgeschichte eine andere Perspektive bekommt.

Lesen Sie weiter