Leserstimmen zu
Hirschhornharakiri

Oliver Kern

Fellinger-Serie (3)

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Blackout

Von: hasirasi2

21.01.2020

Nach dem Fest zum 150jährigen Bestehen der Feuerwehr wacht Fellinger am nächsten Morgen nur schwer auf. Es ist Brückentag, er hat frei und einen mächtigen Kater – und damit ist nicht Herbert gemeint, der ihn beim letzten Fall das Leben gerettet hat und seither bei ihm lebt. Warum hämmert der Lechner Josef, seines Zeichens Polizeihauptinspektor und sein bester Kumpel, wie blöd an seine Wohnungstür und warum hat er sich gestern überhaupt so sinnlos betrunken? Da war doch was … irgendwas mit seiner Freundin Franziska … aber er kommt ums Verrecken nicht drauf. Totaler Blackout. Doch dann wird er schlagartig wach. Der Lechner verhaftet ihn nämlich. Fellinger soll in der letzten Nacht den Jäger Horst Rosenberger umgebracht haben. Seine Jacke, voller Blutspuren, wurde am Tatort gefunden und auch auf dem Tatwerkzeug – einem halben Geweih – sind seine Fingerabdrücke. Sacklzement! Auf der Wache angekommen, scheinen sich Lechners Kollegen zu freuen - „Den Fellinger, diesen Hundling, endlich hat‘s ihn erwischt!“ (S. 20) Schon zu oft hat er in ihren Fällen rumgemurkst. „Hirschhornharakiri“ ist bereits Fellingers dritter Fall und diesmal wird es sehr persönlich, schließlich ist er der Hauptverdächtige. Zum Glück kann er seinen Spezi Lechner überreden, dass sie die Ermittlungen zusammen durchführen. Stück für versucht er sich zu erinnern, was in den letzten beiden Tagen passiert ist und wer ein Motiv haben könnte, den Rosenberger umzubringen und / oder es ihm anzuhängen. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf Wilderer, militante Tierschützer, die Frau und das Gspusi des Toten und „die Vietnamesen“ – und Fellinger bringt sich wieder selber in akute Lebensgefahr. Durch kleine Flashbacks kommt er der Lösung dabei immer näher. Und ganz am Ende fällt ihm dann auch endlich ein, warum die Franziska so sauer auf ihn ist – aber das ist eine ganz andere Geschichte und wird hoffentlich bald fortgesetzt. Am Anfang hatte ich ja so meine Probleme mit unbeliebten Lebensmittelkontrolleur Fellinger, aber inzwischen ist er mir richtig ans Herz gewachsen. Er grantelt sich durchs Leben, ist (von seiner Freundin und gelegentlich Treffen mit seinen Kumpels im Wirtshaus abgehen) ein echter Einzelgänger und Korinthenkacker. Seit ich diese Reihe lese habe ich Bedenken, in Gaststätten zu essen, die keine offene Küche haben – die Verstöße, die Fellinger aufdeckt, sind echt haarsträubend und ich fürchte, Autor Oliver Kern hat sich diese leider nicht nur ausgedacht. Auch dieses Mal hat er sich einen erschreckend aktuellen Hintergrund für den Fall ausgesucht. Für mich ist der Fellinger jetzt schon Kult – sehr spannend, witzig, temporeich, hochaktuell und mit einem filmreifen Showdown – was will man als Leser mehr?!

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Fellingers 3. Fall hat es in sich! Nach dem Fest zum 150. Geburtstag der freiwilligen Feuerwehr hat der Hygieneinspektor einen Filmriß und offensichtlich irgendwie Stress mit seiner Liebsten, der Hollmüllerin. Franziska. Wie konnte er nur so viel Trinken, dass er sich an nichts erinnern kann? Was wollte er unbedingt vergessen? Es steht sein alter Spezi der Polizeihauptinspektor Lechner vor der Tür und wirft ihn aus seinem komatösem Schlaf. Der Rosenberger Horst ist erstochen im Wald aufgefunden worden. Die Tatwaffe, ein halbes Geweih, steckte noch in seinem Leib und auf diesem befinden sich zahlreiche Fingerabdrücke vom Fellinger. Auch dessen Jacke mit Ausweisen lag in unmittelbarer Nähe des toten Jägers im Wald. Drum nimmt der Lechner den Fellinger auch gleich mit aufs Revier, zur Befragung. In Bruchstücken kommt die Erinnerung zurück. Immer mehr Konflikte des recht eigensinnigen Rosenbergers mit anderen Gästen fallen ihm ein. Den Motiven müssen sie nachgehen. Es sind erstaunlich viele andere, die in Betracht kommen, das macht es nicht leichter, den Mörder zu finden, ehe der Kriminaler aus der Großstadt eingetroffen ist und ihn wohl inhaftieren wird. Der Einstieg beginnt schon sehr witzig, mit dem schlecht gelaunten Riesenkater, den der Hygienekontrolleur inzwischen bei sich aufgenommen hat, nachdem dieser ihm im letzten Fall das Leben gerettet hat. Dabei ist das Tier nicht freundlicher zu ihm, als der gleichnamige Brummschädel. Der Ort ist klein und jeder kennt jeden, weswegen sich schon schnell herumgesprochen hat, was denn geschehen sein soll. Nach und nach fällt dem Hauptverdächtigen ein, wen er denn alles am Tag zuvor im Dienst kontrolliert und wem er die Gaststätte geschlossen hat. Ja, da kommen auch einige in Frage, die auf ihn nicht gut zu sprechen sind, auch wenn er nur seine Arbeit gemacht hat. Er ist halt von Natur aus neugierig und geht den Dingen auf den Grund. Das Ermitteln steckt ihn im Blut und bei der Polizei haben sie ihn ja wegen seines Knieproblems nicht haben wollen, nur seine Fingerabdrücke, die haben sie behalten. Dabei ist er im Kopf deutlich fixer und flexibler als einige der örtlichen Hilfssheriffe! Weil dies auch dem Lechner klar ist, fährt dieser auch vorschriftswidrig mit dem Fellinger los (ohne Handschellen), um alternativen Tatabläufen, zu den augenscheinlichen, auf den Grund zu gehen. Zu Tage treten unerwartete Verwicklungen amouröser und mafiöser Natur. Aus Zeitdruck fordert der Hygieneinspektor auch die ein oder andere Schuld ein und geht neue Verpflichtungen recht eigentümlicher Natur ein. Hier tritt dann auch mein Lieblingsspezi auf den Plan, der Aschenbrenner Albi. Ich habe das Hörbuch beim Kochen gehört und als ich Lachen musste, sah mich meine Jüngste mit gerunzelter Stirn erstaunt an und meinte, warum lachst Du? Den Humor verstehe ich nicht. Ja, derart kauzige Faktoten gibt es in kleinen Gemeinden und in Niederbayern vielleicht ganz besonders. Es ist witzig, aber kein Humor für die ganze Familie, aber man kann es dennoch gut hören an Orten und in Situationen, in denen Kinder gerne mal dazu kommen, es ist nicht jugendgefährdend. Der Spaßfaktor ergibt sich aus der bisweilen leicht pedantischen Art des Fellingers und auch den anderen recht verschrobenen Charakteren, die z.T. in jedem Fall erneut auftauchen, die sich darin weiter entwickeln und die man bald schon selbst zu kennen glaubt. Diesmal entsteht die Spannung sowohl aus dem Element des Zeitdrucks. Schafft er es nicht nur den Fall zu lösen, sondern rechtzeitig? Anfangs kann er ja noch nicht mal vor die Tür um zu Schnüffeln, da er ja unter polizeilicher Beobachtung steht. Als auch aus der Frage, die immer im Hintergrund herumspukt, was ihm wohl so zugesetzt haben könnte, dass er entgegen seiner Natur, das Bedürfnis verspürte sich bis zur Besinnungslosigkeit zu besaufen. Das wird als Bonbon zum Schluss geklärt, versprochen. Die Wahl des Sprechers ist wieder 1a. Michael Schwarzmeier passt wie die Faust aufs Auge. Mal grantelt er, mal klingt er pedantisch, mal derb oder urig und immer irgendwie bayrisch, ohne dass man Probleme hätte ihn zu verstehen. Seine Stimme hat sogar das richtige Alter für diesen peniblen Möchtegern-Polizisten, der nicht mehr ganz jung, und auch nicht alt ist, mit 43 ein gestandenes Mannsbild in den besten Jahren... meinen Männer ja so. Er atmet mit jedem Satz bayrische Provinz aus und schafft eine urige Zuhöratmosphäre. Sehr gelungen, wie er auch immer wieder so kleine running gags locker gekonnt einbaut, dass man ihm am Ende einfach nur eine neue Jacke wünscht... Sehr trocken, spitzt er die Pointen zu. Ein humoriger Krimi mit viel Lokalkolorit, bei dem es menschelt und es bei der Vielzahl der Verdächtigen richtig Spaß macht mitzurätseln. Ich bin gespannt, was ihm das nächste Jahr für ein Dilemma bringen wird. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Bloggerportal und randomhouse audio für dieses kurzweilige Krimivergnügen.

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Der dritte Band der Krimireihe von Oliver Kern heißt "Hirschhornharakiri" und erscheint wie die Vorbände im Heyne Verlag. Fellinger ist nicht nur Lebensmittelkontolleur, sondern dank seines guten Riechers auch Hobbyermittler. Leider ist er dieses Mal selbst der Verdächtige, seit dem Besäufnis beim Fest zum 150. der Freiwilligen Feuerwehr hat er einen Filmriß. Es gab einen Toten, den Jäger Horst Rosenberger, der mit einem Geweih erdolcht wurde. Fellinger versucht nun mit Lechner, Licht in seine Dunkelheit zu bringen. Dabei finden sie allerhand heraus, es geht um Frauengeschichten und allerlei Wildvieh. Die Idee hinter diesem Krimi ist etwas ungewöhnlich, aber denkbar. Auch tief im Bayerischen Wald lauert das Böse. Zu den genauen Hintergründen kann und will ich hier nicht Auskunft geben, sonst ist der Überraschungseffekt weg. Man muss das Buch selbst lesen, um von Anfang bis Ende gefesselt zu sein. Und das war ich, durch den humorvollen Erzählstil aus der Sicht Fellingers, die Dialekte auf Bayrisch und Sächsisch und die Einfälle Fellingers und seiner Freunde kam immer Abwechslung auf und natürlich einige Tatverdächtige. Oliver Kern bringt auch in diesem Fall reichlich Komik unter und das hauptsächlich durch seinen ungewöhnlichen Protagonisten Fellinger. Dessen Sprüche und Gedankenwelt legt er dem Leser offen und es ist ein Genuss, ihm durch diesen schwierigen, weil ihn zum Mörder stempelnden Fall zu folgen. Glücklicherweise darf er seinen guten Freund Lechner, seines Zeichens Polizeihauptinspektor, bei den Ermittlungen begleiten. Die Unschuldsvermutung scheint generell auch bei Lechner zu bestehen. Gemeinsam befragen sie alle Besucher des Festes und natürlich die Bekannten des Toten, einschliesslich seiner Frau. Motive finden sich einige und nach und nach decken sie ein kriminelles Geflecht von Wilddieben auf, die selbst vor fernen Gefilden nicht Halt machen. Es gibt einige Wortspielereien, bei denen ich laut lachen musste. Ich habe z. B. gelernt, das ein Astloch ein natürlich gewachsener Spion ist und so wird es auch im Buch genutzt. Die Charaktere haben alle ihre Besonderheiten und es ist Oliver Kern auf differenzierte und lebendig wirkende Weise sehr gut gelungen, ihnen Leben einzuhauchen. Man nehme nur den Bachstätter mit seinen nachhaltig genutzten Klobürsten, die Moserin mit ihren Fake News und Madame Ngo mit ihrer asiatischen Erscheinung. Allesamt Originale mit Wiedererkennungswert. Der Fall dreht sich um Wilderei in einer Größenordnung und Tragweite, die selbst Jägern von Rotwild den Magen umdreht. Mehr kann ich leider nicht verraten. Und das Buch endet mit einem Cliffhanger der besonderen Art. "Hirschhornharakiri" hat mir großen Lesespaß bereitet, der Erzählstil ist locker und witzig und die Krimihandlung gut zu verfolgen. Am Ende entdeckt man, das Böse lauert überall!

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