Weibliche Wut

Die versteckten Botschaften hinter Ärger und Co. erkennen und nutzen.

Hinter jedem Ärger steht ein unerfülltes Bedürfnis

Vor allem bei Frauen versteckt sich Wut häufig hinter Traurigkeit, Enttäuschung und Schmerz; sie haben oft keinen Zugang zu ihrem Ärger und verdrängen ihn durch Ersatzgefühle.

Die Psychotherapeutin Almut Schmale-Riedel hilft Frauen, die verschiedenen Gründe für ihre Wut zu erkunden und den Sinn dahinter zu erkennen. So lernen sie den Ärger für die eigene Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen, als Wegweiser zu ihrer Identität, ihren Werten und Bedürfnissen.

Übungen helfen dabei, Ärgermuster zu erkennen und aufzulösen, die Wut zuzulassen und einen konstruktiveren Umgang mit Konflikten zu finden.

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Leseprobe

Auch wenn sie einen schlechten Ruf hat: Wut lohnt sich.Und weibliche Wut?

Viele Frauen haben Angst vor Wut – vor der Wut anderer Menschen, aber auch vor ihrer eigenen. Es ist ihnen unangenehm, Ärger und Wut bei sich selbst und anderen zu spüren und zu erleben. Sie schämen sich ihrer Wut oder verachten sie sogar. Manche Frauen haben keinen Zugang zu ihrer Wut, spüren sie nicht oder wollen sie nicht spüren und nehmen auch ihre körperlichen Auswirkungen nicht als verdrängte Wut wahr.

Andere Frauen wiederum erleben sich oft, manchmal allzu oft, als ärgerlich und wütend, wissen aber nicht, wie sie diese Gefühle angemessen ausdrücken können. So schlucken sie sie lieber runter oder versuchen sie zu besänftigen. In der Folge kommt der Ärger dann bei unpassender Gelegenheit und manchmal auch zu impulsiv oder zu laut zum Vorschein. Frauen werden dann mitunter als zickig, hysterisch oder als »Drama Queen« abgestempelt. Von daher wundert es nicht, dass viele Frauen ihre Wut nicht mögen.

Wut, so scheint es, gilt vielfach als »unweiblich«.

Zum Glück gibt es auch Frauen, die sagen: Ich schätze meine Wut, ich brauche sie, um für mich zu kämpfen, um für mich selbst und mir wichtigen Werte einzustehen. Diese Frauen berichten auch, dass sie erst durch ihre Wut den Mut fanden, wichtige anstehende Veränderungen in ihrem Leben anzugehen. Wut und Ärger, also die kleine Wut, helfen uns, Grenzen zu setzen und uns zu schützen.

Vor allem zeigen diese Gefühle uns an, dass etwas für uns nicht stimmig ist, dass wichtige Bedürfnisse nicht gesehen und nicht respektiert werden.


Ich bin bei der Beschäftigung mit diesem Thema zunächst einmal auf persönliche Spurensuche gegangen. Bin ich eine wütende Frau, eine Frau, die fähig zur Wut ist, oder wäre ich es gerne? Welche Probleme habe ich selbst damit, meine Wut wahrzunehmen und gut mit ihr umzugehen? Habe ich sie, wie viele andere Frauen, verdrängt? Nein, ich muss meine Wut nicht mehr suchen, sie ist nicht mehr unter Ängsten und Anpassungsdruck verborgen. Ich kann sogar sagen, dass ich sie inzwischen in gewissem Sinne sehr mag. Ja, ich mag sie, obwohl ich mich in den konkreten Situationen, in denen ich Ärger und Wut empfinde, erst einmal nicht wohlfühle, unzufrieden, enttäuscht oder verletzt bin.

Ich schätze meine Wut, denn sie macht mich lebendig und gibt mir Energie, um mich für mich selbst, meine Werte, meine Standpunkte und meine Bedürfnisse einzusetzen.


Ich schätze auch die Wut, die in mir aufsteigt, wenn ich erlebe, wie Menschen mit anderen Menschen und mit unserer gemeinsamen Welt zerstörerisch umgehen; wenn ich sehe, wie Menschlichkeit mit Füßen getreten wird. Wo und wie habe ich gelernt, meinen Ärger und meine Wut wahrzunehmen und konstruktiv damit umzugehen?

Ich möchte Sie, liebe Leserin – und auch Sie, lieber Leser – einladen, auf Ihre eigene Spurensuche zu gehen, um Ihren Entwicklungsprozess in Bezug auf Ärger und Wut zu entdecken.

Einige von Ihnen werden ja ganz anders aufgewachsen sein als ich, beispielsweise in einer Familie, wo Ärger und Wut direkt ausgedrückt wurden, vielleicht auch im Übermaß oder bedrohlich eskalierend. Möglicherweise haben Sie damals beschlossen, dass Sie selbst auf keinen Fall ein so lauter, streitbarer Erwachsener werden wollen. Dann haben Sie eventuell eine andere Art von Problem mit Wut als ich. Vielleicht gehören Sie ja auch zu den Glücklicheren, die in ihrer Familie lernen durften, dass Ärger und Wut einen angemessenen Platz im Leben haben und dass sie wichtig für die Lösung von Konflikten sind.

Ich möchte Sie einladen, die verschiedenen Varianten von Wut bei sich zu erkunden, ihren Sinn zu erkennen und sie für Ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen.

Diese oft ungeliebten Gefühle können uns helfen, nicht nur uns selbst besser zu verstehen, sondern mehr mit der Tiefe unseres Wesenskerns und seinen Werten und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen, denn:

Hinter jedem Ärger steckt ein unerfülltes Bedürfnis!

Nachdem ich dies erkannt und verstanden hatte, begann ich alle meine Gefühle von Ärger wirklich zu schätzen und anzunehmen. Ich lernte, sie zu nutzen – für mich, für das Zusammenleben mit den Menschen, die mir wichtig sind, und für die Welt um mich herum, in der ich gerne leben will. Ich möchte Sie einladen, gemeinsam mit mir auf eine Entdeckungsreise zu Ihren offenen und verborgenen Ärgergefühlen und deren Verwandten zu gehen.

Das Ziel dieses Weges ist allerdings nicht die Wut selbst.


Die Wut ist nur ein markanter Wegweiser, der Ihnen helfen kann, Ihre wahren Werte, Ziele und Bedürfnisse aufzuspüren. Wut ist also quasi ein Kompass, der Sie zu Ihrer Identität, Ihrer unverwechselbaren Persönlichkeit führen kann. Sie kann Ihnen das Tor zu einem erfüllenden Leben mit sich selbst, Ihren Mitmenschen und unserer so unvollkommenen Welt öffnen. Keine Angst: Wenn ich auf diese Weise für einen guten Zugang zur Wut plädiere, geht es mir nicht darum, Sie gegen dies und jenes aufzuhetzen. Vielmehr möchte ich Sie zu mehr Engagement für ein gutes Miteinander-Leben ermutigen.

Dieses Buch liefert keine Statistiken dazu, wie viel Prozent der Frauen ihre Wut nicht wahrnehmen oder sie indirekt oder unangemessen äußern. Es erzählt vielmehr von verschiedenen subjektiven Erlebniswelten von Frauen im Hinblick auf Wut.

In den prototypischen Erzählungen über Wut – oder Nicht-Wut – können Frauen sich wiederfinden, neu entdecken oder auch abgrenzen. Aus zahlreichen themenzentrierten narrativen Interviews habe ich typische Geschichten und Erfahrungen ausgewählt, die mir im Laufe vieler Berufsjahre immer wieder begegnet sind. Ein themenzentriertes narratives Interview ist ein offenes Gespräch, in dem der Interviewer Fragen zu einem bestimmten Thema stellt, über das die Befragten dann frei erzählen können.

Meine Gesprächspartnerinnen berichteten mir von ihren Erfahrungen und Gedanken zum Thema Wut. Im Erzählen vertiefte sich ihr emotionaler Zugang zu diesem Thema. Die Auswertung von ergänzenden Fragebogenaktionen zum Thema Wut bestätigte die typischen Muster. Zur Anonymisierung wurden alle Namen in den Geschichten dieses Buches geändert, ebenso wie andere Daten. Das Wesentliche der Erlebnisse wurde dadurch nicht verändert. Wenn sich manche von Ihnen in einigen Geschichten wiederfinden, zeigt das nur, dass es typische Erfahrungen von Frauen mit Wut sind. Interessant finde ich auch, wie Männer wütende Frauen erleben, beziehungsweise wie es ihnen damit geht, wenn Frauen ihre Wut unterdrücken und immer nur lieb sein wollen. Darum möchte ich auch gerne die Männer zur Lektüre einladen, speziell im Kapitel »Ein Abschnitt für Männer«. Sie können dabei für sich reflektieren, wie es Ihnen mit der Wut von Frauen geht und wie das auch für Ihre eigene Entwicklung und Ihre Beziehung fruchtbare Impulse bringen kann.
Wut lohnt sich!

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