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89/90 Roman

Kundenrezensionen (9)

€ 19,99 [D]
€ 20,60 [A] | CHF 26,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-630-87462-3

Erschienen: 09.03.2015
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Taschenbuch, eBook (epub)

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Das Lebensgefühl einer rebellischen Generation am Ende der DDR

Sie sind der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen darf – damals in Dresden vom Sommer vor der Wende bis zur Wiedervereinigung: die lauen Freibadnächte und die Ausweiskontrollen durch die »Flics« auf der »Rue«, die Konzerte im FDJ-Jugendklub »X. Weltfestspiele« oder in der Kirche vom Plattenbaugebiet, wo ein Hippie, den sie »Kiste« nennen, weil er so dick ist, mit wachsamem Blick Suppe kocht für die Punks und ihre Pfarrerstöchter.

Sie sind die Letzten, die noch »vormilitärischen Unterricht« haben. Und sie sind die Ersten, die das dort Erlernte dann im Herbst 89 erst gegen die Staatsmacht anwenden. Und schließlich gegeneinander. Denn was bleibt dir denn, wenn du zum Fall der Mauer beiträgst, aber am nächsten Tag trotzdem eine Mathe-Arbeit schreiben musst, wenn deine Freundin eine gläubige Kommunistin ist und die Kumpels aus dem Freibad zu Neonazis werden?

Von der Unschuld des letzten Sommers im »Tal der Ahnungslosen« bis zu den Straßenschlachten rund um die deutsche Einheit: Peter Richter beschreibt in seinem autobiografischen Roman das chaotische Ende der DDR aus der Sicht eines damals Sechzehnjährigen – pointiert, authentisch und sprachlich brillant. Coming of Age im Schatten von Weltgeschichte.

Was könnte das Lebensgefühl einer rebellischen Generation besser einfangen als Musik? zur Playlist zu 89/90

"Ich habe lange keinen Roman mehr gelesen, der mir so viel über die Wirklichkeit mitgeteilt hat, in der ich lebe, wie "89/90" von Peter Richter."

Denis Scheck / ARD-TV-Forum (13.03.2015)

Peter Richter (Autor)

Peter Richter wurde 1973 in Dresden geboren, ist Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York. Als Buchautor wurde er mit Titeln wie „Blühende Landschaften“ und „Deutsches Haus“ bekannt. Sein Roman "89/90" wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert.

"Ich habe lange keinen Roman mehr gelesen, der mir so viel über die Wirklichkeit mitgeteilt hat, in der ich lebe, wie "89/90" von Peter Richter."

Denis Scheck / ARD-TV-Forum (13.03.2015)

„Richter hat phänomenalen Stoff, Stoff seines Lebens.“

Volker Weidermann / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (08.03.2015)

"Eine hoch unterhaltsame Blutauffrischung gegen das Vergessen einer versunkenen Welt."

Christian von Zittwitz / BuchMarkt (01.01.2015)

""89/90" hält das Lebensabschnittsgefühl einer besonderen historischen Situation fest, ganz subjektiv. Wer das authentisch haben möchte, sollte dieses Buch lesen."

Anke Dürr / KULTUR SPIEGEL (28.02.2015)

„Noch ein Wenderoman? Ja, und was für einer!“

Bücher (05.03.2015)

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ORIGINALAUSGABE

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87462-3

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: 09.03.2015

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Mit Peter Richter "89/89" in Dresden

Von: Nele Thiemann Datum: 17.03.2016

www.kulturpunktblog.com

Während sich das halbe Leseland auf der Leipziger Buchmesse gütlich tut, sitze ich krank auf dem Sofa. Es ist frustrierend! Dabei habe ich es nicht weit. Ich wohne ja vor Ort! Doch es nützt alles nichts - vielleicht geht es mir morgen gut genug. Dass ich mir vorerst keine neuen Bücher ins Wohnzimmer schaufeln kann, ist vielleicht auch gar nicht so schlecht. Denn auch ich habe davon nicht eben wenige und etliche warten noch auf ihre Rezension. Dann beginne ich eben damit, meinen Schuldenberg abzutragen.

Ich fange mit Peter Richters "89/90" an. Obwohl mich dieser Wenderoman schon kurz nach seiner Veröffentlichung bezaubert hatte, war die Rezension liegengeblieben. Wie es im Leben so ist. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Die Geschichte setzt ein in einem Vorwendesommeridyll in Dresden. Man trifft sich im nachts im Freibad und für den Erzähler und seine Freunde sind echte Kommunisten schon exotischer als Transvestiten. Natürlich ist die ganze Szenerie komplett ostig. Als Übersetzungshilfe für Westler und Nachgeborene mit fehlender Kulturkompetenz gibt Richter ein ganzes Arsenal an Fußnoten, die beispielsweise erklären warum das Wort 'Fete' dem Wort 'Party' vorgezogen wurde, was Abkürzungen wie POS oder EVP bedeuten oder warum man in einem bestimmten Alter unbedingt einen Hirschbeutel brauchte. Wer sich eine zusätzliche Dimension Lebensgefühl einschalten möchte, kann die Playlist zum Buch auf der Seite des Luchterhand-Verlages anklicken. Was für einen fundamentalen Einschnitt in die Lebenswelt die Wende bedeuten würde, war jedenfalls für die Jugendlichen im Schwimmbad nicht zu erahnen:

Hätte man damals schon sagen können, wer dort eines Tages wem einen Baseballschläger über den Kopf hauen würde? Hätte man damals schon herumgehen können und sagen Du, mein Freund, wirst mal den Drogen zum Opfer fallen, und du da wirst sie ihm verkaufen; du daneben wirst mit Immobilien viel Geld verdienen, du hier wirst vorher für ihn auf den Strich gehen, du dort drüben wirst in München eine Karriere machen, während der dahinten in zwanzig Jahren Mülltonnen nach Pfandflaschen durchsucht...? (Seite 19)

Damit zeigt Peter eine ähnliche Situation wie schon Clemens Meyer in Als wir träumten. Tatsächlich denke ich, dass die Lebensgeschichten der Jugendlichen in Leipzig und in Dresden in dieser Zeit viele Parallelen aufweisen. Im luftleeren Raum ohne erwachsene Bezugspersonen entdecken die Kids Gewalt, Drogen und Waffen. Aber eigentlich trifft sie die Wende in einer Situation, in der sie scharf sind auf ihre erste Freundin und eben hganz normale pubertäre Probleme haben.

Das alles wollte erstmal eingeordnet werden, zwischen dem neuen Stundenplan, neunen Bekanntschaften und dem Spielplan der Fußball-Oberliga. (Seite 157)

Dabei musste ich beim Wiederlesen an den Siebtklässler Mirco Watzke aus Mawils Kinderland denken, der nach dem Mauerfall ganz und gar keine Zeit hat, mit seinen Eltern in den Westen zu fahren, weil er VERDAMMTNOCHMAL ein Tischtennisturnier zu organisieren hat.

Später, im Jahr 1990, gerät das Jugendleben völlig aus den Fugen. Der Erzähler und sein Freund S. werden mit einer Übermacht an Neo-Nazis konfrontiert, sie man sich im Westen, aber auch im heimischen Elternhaus kaum vorstellen kann. Der Techno vereint später die verschiedenen Subkulturen.
Den Krieg der Nazis gegen die Zecken kenne ich selbst noch aus Leipzig Mitte der 90er Jahre. Das Thema ist ja auch dieses Jahr wieder akutell gewesen.

Peter Richters Roman kann ich jedem empfehlen: sowohl denen, die dabei waren, als auch denen, die noch die davon gehört haben. Er bringt alles zusammen.

Rezension: 89/90 (Peter Richter)

Von: Aufziehvogel (Marcel) Datum: 04.10.2015

misteraufziehvogel.blogspot.de/

Deutschland 2015

89/90
Autor: Peter Richter
Veröffentlichung: 09.03.2015 bei Luchterhand
Genre: [Fingierter] Zeitzeugenbericht, Slice of Lfe, Tragikomödie



"Auf der Straße roch es nach Gärten, die einen Tag voller Sonne hinter sich hatten, es war zwar erst Ende April, aber schon so warm, wie manchmal im Juli nicht, und auf den Serpentinen zur Grundstraße hinunter, wo S. schon stand und eine rauchte, eine Alte Juwel, die er mit dem Daumen und dem Zeigefinger hielt und mit dem Mittelfinger wegschnipsen würde, bevor er mir auf die Schultern haute, da wusste ich: Wenn jetzt das Leben enden müsste, dann von mir aus; besser konnte es gar nicht mehr werden.
Wir würden sechszehn werden in diesem Sommer, erst S. und dann ich, und dann wäre der Spaß vorbei, da waren wir uns sicher. Dann entfiele der Kitzel, glaubten wir, die Furcht, einem Lada der Volkspolizei vor die Scheinwerfer zu geraten, wenn wir mit Wein und Whisky und Wermut aus dem Keller vom Vater auf dem Weg waren zu irgendwelchen Mädchen, in deren Zimmer wir einstiegen, weil die auch noch nicht schlafen wollten. Denn wir waren viel zu jung zum Schlafen damals, wir kamen gar nicht dazu, jedenfalls nicht in den Nächten. Dafür drückte uns dann tagsüber die Müdigkeit den Kopf auf die Schulbank."
- 89/90, Peter Richter, Luchterhand


Es kommt nicht häufig vor, dass ich das Titel-Zitat für meine Besprechung bereits auf Seite 1 finde.
Das Buch, welches, hört man den Titel zum ersten mal, eher an eine Konfektionsgröße oder ein Preisschild denken muss. Die Bedeutung des Titels von Peter Richters Roman, einem gebürtigem Dresdner, ist aber wesentlich tiefsinniger und doch so simpel zu erklären. Mit 89/90 sind zwei entscheidende Jahre in der deutschen Geschichte gemeint, der Mauerfall und die Wiedervereinigung. Am heutigem Tage, den 03. Oktober 2015, jährt sich das Ereignis bereits zum 25. mal. Und theoretisch müsste man meinen, es gibt so viele noch immer junge Zeitzeugen, Dokumentationen, Filme und Musik über diese entscheidenden Jahre, da müsste doch mittlerweile jeder über den Fall der DDR bescheid wissen. Zurecht habe ich jedoch nicht die Literatur in meine Aufzählung mit einbezogen. Ich will nicht bestreiten, dass es keine Literatur über die letzten Jahre der DDR gibt, genau so bin ich mir sicher, es gibt umso mehr bierernste Zeitzeugenberichte aus diesen Jahren, aber gibt es auch ein vergleichbares Werk wie 89/90? 89/90 ist nicht die Geschichte von den großen Namen, die mit dem Mauerfall in Verbindung gebracht werden. Es ist auch kein langwieriger historischer Roman der noch einmal die alten Geschichten aufwärmt. Stattdessen ist 89/90 die Geschichte eines fünfzehnjährigen Teenagers, der diese Ereignisse aus seiner Sichtweise noch einmal erzählt. Und Peter Richter, der es mit seinem Roman auf die Longlist des diesjährigen deutschen Buchpreises geschafft hat, tut dies auf eine charmante weise, wie man sie in der Literatur vermutlich all die Jahre vermisst hat, was diese Thematik angeht.

Autobiografisches scheint 89/90 nicht zu sein, zumindest nicht komplett. Das Alter des namenlosen Protagonisten deckt sich zwar mit dem des Autors (Peter Richter war 1988 genau fünfzehn Jahre alt), und dennoch wird man viele Inhalte in dem Buch auch mit einem Augenzwinkern sehen müssen. Da ich zur damaligen Zeit aber selber erst zwischen 2-3 Jahre alt war, werde ich gar nicht damit anfangen, irgendetwas anzuzweifeln.
Aufgeteilt ist der Roman in zwei Parts. Part 1 kümmert sich um das Jahr 89, Part 2 logischerweise um das Jahr 90. Erzählt wird die Geschichte von einem namenlosen Ich-Erzähler. Und namenlos ist bereits ein gutes Stichwort, denn in bester Franz Kafka Manier bekommt jeder wichtige Charakter, der in der Geschichte vorkommt, lediglich einen Buchstaben als Name spendiert.
Aufgebaut ist 89/90 als klassischer Zeitzeugenbericht inklusive Fußnoten des Ich-Erzählers. Dieser macht bereits auf den ersten Seiten klar, zukunftsorientiert waren die Gedanken von ihm und seiner Clique nicht. Man lebte für das Jetzt, für den Moment. Man ahnte zwar etwas, aber im Augenblick waren nächtliche (illegale) Besuche im Freibad wichtiger, Musik war wichtiger, und, am allerwichtigsten, und es gab nichts, was mehr Priorität verdient hatte, waren Mädchen. Da ist sich der Erzähler gemeinsam mit seinem besten Kumpel S. sehr schnell einig. Eines Abends, als mal wieder Nacktbaden im nächtlichen Freibad ansteht, lernt der Protagonist die gleichaltrige L. kennen, die überzeugte Kommunistin ist und vor hat, sobald sie das 18. Lebensjahr gefeiert hat, in die SED eintreten will. In diesem Sommer beginnt für die Clique eine Zeit des Umbruchs, und Peter Richters Protagonist erzählt in seiner Chronik, wie die Wende ein ostdeutscher Teenager erlebt hat.

"Hätte man damals schon sagen können, wer dort eines Tages wem einen Baseballschläger über den Kopf hauen würde? Hätte man damals schon herumgehen könne und sagen: Du, mein Freund, wirst mal den Drogen zum Opfer fallen, und du da wirst sie ihm verkaufen; du daneben wirst mit Immobilien viel Geld verdienen, du hier wirst vorher für ihn auf den Strich gehen, du dort drüben wirst in München eine Karriere machen, während der dahinten in zwanzig Jahren Mülltonnen nach Pfandflaschen durchsucht - und du, kleiner D., wirst bald gar nicht mehr unter uns sein?
Noch wussten wir nicht, wie alles kommen und was alles verschwinden würde. Noch galten bewaldete Achseln als begehrenswert, Noch wusste keiner, wie schnell sich selbst das ändern würde." - 89/90, Peter Richter, Luchterhand

89/90 haftet ein großes Stück Mono no aware an. Die Vergänglichkeit der Dinge. Das Ende der Jugendjahre, das Ende von Freundschaften, Angst vor einer ungewissen Zukunft (auch wenn man diese ständig abstreitet), Angst, dass die Mädchen aus der Nachbarschaft ihren ersten Sex mit Wessis haben werden. Das Ende einer Ära steht bevor, und während der Protagonist und S. mit dem nostalgischen M. durch ostdeutsche Lande spazieren, die mindestens genau so nostalgisch sind wie dieser ältere Herr selbst, ist den Jugendlichen dieses Ende dieser unbesorgten Zeit bewusst. Auf sehr unterhaltsame, aber auch nachdenkliche weise erzählt Peter Richter die Schicksale dieser Teenager.


Resümee

Um an 89/90 Gefallen zu finden, wird nicht einmal Vorausgesetzt, in dieser Zeit geboren zu sein oder sie Live miterlebt zu haben. Grundvoraussetzung ist, einmal 15 oder 16 Jahre alt gewesen zu sein. Denn diese Figuren, die man in Peter Richters Buch findet, mit denen haben wir es bestimmt selbst schon einmal zu tun gehabt. Oder, noch besser, bestimmt finden wir uns in einen von ihnen wieder. Auf eine sehr sympathische und kurzweilige art werden wir an zwei entscheidende Jahre erinnert, die uns auch in den kommenden Jahrzehnten weiter begleiten werden. Ohne in Selbstmitleid oder Patriotismus zu versinken, werden wir auf eine kleine Zeitreise mitgenommen, die endlich auch mal auf literarischer Ebene zündet.
89/90 ist ein Titel, der einen Platz auf der Shortlist des deutschen Buchpreises 2015 mehr als verdient gehabt hätte.

Diese Rezensionen beziehen sich auf “Gebundenes Buch”

Großartiger Wenderoman

Von: Gerrit Schooff aus Berlin Datum: 07.01.2015

Buchhandlung: Der Zauberberg

Mit großer Begeisterung habe ich diesen stark autobiographisch geprägten Wenderoman gelesen. Der Autor beschreibt die Zeit vom Sommer 1989 bis zum Herbst 1990, die er als 16/17-jähriger Jugendlicher miterlebt hat, mit einer sprachlichen Kraft, dass einem immer wieder Hören und Sehen vergeht.
Ort des Geschehens ist Dresden und als interessanter Nebeneffekt wird einem auch klarer, warum PEGIDA gerade in dieser Stadt so erfolgreich ist.
Ein Roman, der wie ein spannendes Geschichtsbuch zu lesen ist. So spannend, dass ich die letzten 150 Seiten bis tief in die Nacht zu Ende lesen musste.

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