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Der Biograf von Brooklyn

Kundenrezensionen (4)

€ 19,99 [D]
€ 20,60 [A] | CHF 26,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-89667-551-4

Erschienen: 02.11.2015
Dieser Titel ist lieferbar.

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Eine herrliche Schelmengeschichte: Ein junger Journalist erfindet die Vergangenheit seiner jüdischen Familie neu

Den Journalisten Slava Gelman aus Manhattan und seine aus der Sowjetunion nach Brooklyn emigrierte, schrullige Familie trennen nur ein paar U-Bahn-Stationen – und doch Welten. Nun ist Slavas geliebte Großmutter Sofia gestorben, gleichzeitig trifft ein Brief der „Konferenz für jüdische Schadensersatzansprüche gegen Deutschland“ ein. Ob Sofia eine Vergangenheit zu erzählen hat, die eine Entschädigung rechtfertigt? Slavas Großvater wittert eine Gelegenheit. Auch wenn Sofias Schicksal nicht den strengen Anforderungen für eine solche Zahlung entspricht: Ist sein Enkel nicht Schriftsteller? Schriftsteller schreiben doch Geschichten. So wird Slava unfreiwillig und zögerlich zum Biografen seiner Familie. Wenig später kann er sich vor Aufträgen aus der Nachbarschaft kaum retten – bis die ganze Sache aufzufliegen droht ...

Der Biograf von Brooklyn ist ein berührender und komischer Debütroman, der auf Fragen nach Gerechtigkeit, Familie und Gedenken überraschende und nachhallende Antworten findet.

"… ein lustiger, smarter, erschütternder Roman über russische Juden, die ihre Vergangenheit umschreiben."

Verena Lugert, Neon (01.01.2016)

Boris Fishman (Autor)

Boris Fishman wurde 1979 in Minsk geboren und kam mit neun Jahren nach Amerika. Er lebt in New York und ist Redaktionsmitglied des New Yorker. Seine journalistische Arbeit erschien unter anderem in The New York Times Book Review, London Review of Books, The Wall Street Journal, The Guardian und The New Republic. Mit Wodka Kalaschnikow gab er bereits eine Kurzgeschichtensammlung heraus, Der Biograf von Brooklyn ist sein erster Roman, für den er mit dem VCU Cabell First Novelist Award und der American Library Association's Sophie Brody Medal ausgezeichnet wurde.

"… ein lustiger, smarter, erschütternder Roman über russische Juden, die ihre Vergangenheit umschreiben."

Verena Lugert, Neon (01.01.2015)

"Der Biograf von Brooklyn von Boris Fishman ist eine höchst vergnügliche und selbstironische Lektüre, ein Debütroman, der auf mehr hoffen lässt."

Roana Brogsitter, B 5 aktuell, Neues vom Buchmarkt (25.11.2015)

"Seine Figuren – prall, facettenreich und eigenwillig – fügen sich perfekt ein in die genial-schräge Geschichte um ein ganz und gar nicht koscheres Geschäftsmodell."

Roswitha Glawe, Münchner Merkur (21.11.2015)

"Slavas widerstrebende Reise in die Vergangenheit erinnert an Jonathan Safran Foers Alles ist erleuchtet."

Doris Kraus, Die Presse am Sonntag (13.12.2015)

"Wie Fishman schreibt, das ist bezaubernd: Der Biograf von Brooklyn ist ein toll komponiertes, stilsicheres, gewitztes Debüt ..."

Ulrich Noller, Funkhaus Europa (16.12.2015)

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Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader
Originaltitel: A Replacement Life
Originalverlag: Harper Collins

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-89667-551-4

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Blessing

Erschienen: 02.11.2015

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Geschichenerzähler und Sammler

Von: Bri Datum: 31.05.2016

www.feinerbuchstoff.wordpress.com

Slava kam als Kind mit seiner Familie über Umwege aus Weißrussland nach Amerika. Eine Genehmigung für eine problemlose Ausreise gab es ausnahmslos für Israel. Amerika war nur über mehrere europäische Stationen erreichbar. Im Gegensatz zu seiner Familie versucht Slava seine Herkunft aus dem Gedächtnis und damit aus seinem Leben so weit wie möglich herauszuhalten.Zwar wohnen alle Familienmitglieder in New York, doch trennen Slava und seine Eltern und Großeltern mittlerweile Welten.

Während seine Familie ihr weißrussich-jüdischen Wurzeln eher pflegt, führt Slava ein amerikanisches Leben. Er arbeitet als Jungredakteur, im Grunde möchte er aber mehr als die "zum Piepen" benannte Kolumne füttern, die Stilblüten anderer Zeitungen kommentiert. Eigentlich fühlt er sich als Schriftsteller. Kurz nach dem Tod seiner Großmutter, die als junge Frau im Minsker Ghetto lebte, trifft ein Brief der „Konferenz für jüdische Schadensersatzansprüche gegen Deutschland“ ein. Da die eigentlich zu entschädigende Person keine Ansprüche mehr geltend machen kann, hat der erfinderische und clevere Großvater eine Idee: Auch wenn Großmutter Sofias Schicksal nicht ganz den Voraussetzungen entspricht, die gegeben sein müssen, um eine Entschädigung zu erlangen, so hätte sie doch nach humanen Maßstäben jedes Recht auf eine Zahlung. Slava will sich Geschichten ausdenken? Hier bekommt er die Gelegenheit. Zunächst soll er nur für den Großvater einen Antrag "aufhübschen", doch dabei bleibt es nicht ...

Boris Fishmans Geschichte um den leicht betrügerisch veranlagten Großvater, der seinen Enkel zur Fälschung anstiftet, liest sich zunächst witzig, locker und unterhaltsam. Doch nach einem rasanten Einstieg gerät die Lektüre - analog zu den Lebensumständen des Hauptprotagonisten - ein wenig ins Schlingern. Slava wird zwischen den unterschiedlichen Personenkreisen, zwischen den verschiedenen Lebenswelten hin und her geworfen - seinem Innenleben ist das nicht eben zuträglich und der Leser sieht sich mit einer Reihe von Personen konfrontiert, die teilweise kurz auf der Bühne des Geschehens erscheinen, um rasch wieder zu entschwinden. Die Darstellung einer bestimmten Lebensweise scheint dieses Vorgehen zu erfordern, verwirrt aber leider ein wenig. Wohin die Reise gehen mag, die so zügig in eine Richtung zeigte, ist zunächst fraglich. Auch das kann spannend sein, gewisse Bezüge aber muss man sich erarbeiten. Glücklicherweise enthält der Roman einen kurzen Anhang, der Anspielungen erklärt, die man als nicht aus dem russischen Kulturkreis stammender Mensch, nicht eben parat haben muss. Die Struktur des Roman, die sich Fishman gewählt hat, steht ganz offensichtlich in der Tradition der großen russischen Erzähler.

Dennoch gelingt es sowohl Slava als aus dem Leser aus der Verwirrung wieder aufzutauchen. Das Spiel mit Lüge und Wahrheit bringt ihn seiner Familie wieder näher. Dabei entdeckt er etwas ganz wesentliches für sein weiteres Leben: die Vergangenheit gehört zum Leben. Wie Fishman seinen Hauptprotagonisten diese Erkenntnis finden lässt ist durchaus beachtenswert. Denn obwohl Slava seine Großmutter geliebt hat, hat er sie nie nach ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges befragt. Wie in vielen Familien wurden diese prägenden Erlebnisse verschwiegen, um ein neues Leben beginnen zu können. Doch letztendlich ist dieses Schweigen ein Fehler - auch wenn die Erinnerung schmerzhaft ist - beraubt es die Nachkommen doch einer Facette von Identifikation von Verständnis, die wichtig ist, um einen eigenen Platz zu finden. Glücklicherweise stellt Fishman Slava aber einen äußerst pragmatischen und gewieften Großvater an die Seite, der den Enkel nur allzu gerne in die eigene kulturelle Enklave in Brooklyn zurück holen möchte. Ob es ihm gelingt? Das sollte sich jeder selbst erlesen. Eine besondere Beziehung zwischen Enkel und Großmutter, die das Versäumte nicht ungeschehen machen kann, aber dennoch versöhnlich stimmt, bildet ein denkbar gutes Ende, das nicht unbedingt ein glückliches sein muss. Aber lest selbst.





Stories

Von: Constanze Matthes Datum: 08.02.2016

zeichenundzeiten.com

Er hat seine jüdische und osteuropäische Herkunft in die entlegensten Bereiche seines Bewusstseins verbannt. Die Familie, die ihn an diese erinnern könnte, besucht er nur noch selten. New York bietet bekanntlich reichlich Platz, um die Distanz zwischen zwei Menschen zu vergrößern. Der Journalist Slava Gelman will leben wie ein Amerikaner, schreiben wie ein Amerikaner. Doch dann stirbt seine geliebte Großmutter Sofia und ein Brief der Konferenz für jüdische Schadenersatzansprüche gegen Deutschland bringt Turbulenzen in sein eher beschauliches Dasein, das Boris Fishman in seinem Debütroman “Der Biograf von Brooklyn” erzählt.

Der Großvater bittet seinen Enkel, seine Biografie in einem Brief an die Konferenz “aufzuhübschen”. Schließlich ist Slava ein Schreiber. Doch keiner aus der Familie weiß, dass er noch auf seinen Durchbruch als Journalist bei der Zeitschrift “Century” wartet. Seine kreative Arbeit besteht nur aus dem Füllen der Humor-Spalte und der Suche nach witzigen Schlagzeilen aus der lokalen Presse. Doch der junge Mann stellt sich seiner Aufgabe, ahnt jedoch nicht, dass damit die Probleme vorprogrammiert sind und er eine Lawine losgetreten hat. Denn nach und nach melden sich Familien, die ebenfalls seine Hilfe als “Biograf” und Ghostwriter in Anspruch nehmen, um Schadenersatz einzufordern. Sein nebenberufliches Schreiben hält er vor seiner neuen Freundin Arianna, mit der er in der Redaktion arbeitet, verborgen. Auch die Wiederbegegnungen mit der ansehnlichen Vera Rudinsky, mit der er als Kind gespielt hat und deren Familie zur selben Zeit ausgewandert war, verheimlicht er.

Dieses Geschehen trägt auf den ersten Blick recht komische Züge. Doch der Roman des Amerikaners beinhaltet eine sehr melancholische Komponente. Beide Besonderheiten bringt Fishman auf eindrucksvolle, warmherzig-menschliche und damit berührende Weise zusammen. Denn der Autor weiß, wovon er erzählt. Er selbst stammt aus der Sowjetunion und war wie sein Held Slava als Kind in die USA gekommen. New York ist seine Heimatstadt, das Schreiben – unter anderem für renommierte Titel wie “The Guardian”, “The Wall Street Journal” und “The New York Times Book Review”- sein Beruf. Zwei gewichtige Themen verarbeitet Fishman in seinem Erstling. In den Lebensgeschichten von Slavas Großeltern schildert er das Grauen des Holocaust und dessen Grundlage: der Antisemitismus, der mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches noch längst nicht Geschichte war. Vielmehr bekommen Sofia, die ihre Eltern im Minsker Ghetto verloren hat, sowie ihr späterer Mann Zhenya Gelman die schrecklichen Auswüchse der Judenfeindlichkeit in ihrer Heimat zu spüren, so dass sie sich schließlich entscheiden, gemeinsam mit der Familie ihrer Tochter Tanya Minsk zu verlassen.

Drei Generationen wandern über Österreich und Italien in die USA aus. Amerika als Land der Hoffnungen, Brooklyn, der von Osteuropäern geprägte Bezirk, die Frage nach der Identität bilden das zweite große ernste Thema des Romans, das sich in der Person Slavas auch widerspiegelt. Er scheint zerrissen – seine osteuropäische Herkunft auf der einen Seite, seine neue Heimat auf der anderen Seite. Brooklyn hat er den Rücken gekehrt. Erst mit dem Schreiben der Briefe beginnt eine Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln. Und nicht nur diese. Nach und nach erfährt er die Geschichten seiner Großeltern, das Leid, das sie beide erfahren haben. Denn in all den vergangenen Jahren weigerte sich Sofia, über die schrecklichen Erlebnisse zu erzählen, fragte der Enkel auch nicht danach. Als Stummheit zwischen den Generationen könnte man dieses fehlende Puzzle einer doch engen Beziehung zwischen Slava und Sofia bezeichnen. Eine Erscheinung, die sicherlich weit verbreitet war und noch immer ist. Dabei gibt es keine Sprachbarrieren: Obwohl die Großeltern noch immer das Russische pflegen, das Englische trotz all der Jahre kaum beherrschen, spricht Slava beide Sprachen.

Wie Fishman schließlich die Verbindung zwischen den verschiedenen Briefen und erdachten Lebensgeschichten gelingt, lässt staunen. In den Anträgen an die Konferenz für jüdische Schadenersatzansprüche, die in das erzählte Geschehen eingebettet und in der Ich-Perspektive verfasst sind, schreibt Slava die Geschichte seiner Großmutter weiter. Das Schreiben wird zu einer Form der Erinnerung, zum Ausdruck der Zuneigung. Ein Klient hat es den Journalisten besonders angetan: Israel, ein Bekannter seines Großvaters, der ihm wertvolle Hinweise für das Schreiben gibt und ein einsames Leben führt. All das nimmt ein Ende, als ein Vertreter der Konferenz plötzlich auftaucht und Slava es mit der Angst zu tun bekommt, er Gewissensbisse hat und ihn Fragen nach der Moral seines Tuns quälen. Dabei muss er erkennen, dass er nicht der einzige Trickser ist. Sein Großvater hat als junger Mann keinen guten Ruf gehabt. Um sein Leben während des Krieges zu retten, hat er sich vor dem Dienst in der Armee gedrückt, später war er nach Usbekistan geflohen und heuerte als Funker ohne Funk-Kenntnisse auf einem Schiff an.

Einige Stellen von “Der Biograf von Brooklyn” liest man mit einem Dauerschmunzeln. Gerade die schrulligen Charaktere und die Szenen in der Redaktion mit ihrem Nachwuchs-Gehege aus Jungredakteuren erheitern ungemein. Beklemmung und Nachdenklichkeit entstehen indes, wenn über die entsetzlichen Erlebnisse der Großeltern berichtet wird und die Heimatlosigkeit der russischen Einwanderer thematisiert wird. Auch sie haben Unmenschlichkeit erfahren, das sich allerdings nicht nach den Grundsätzen der Konferenz der jüdischen Schadenersatzansprüche in Geld “ummünzen” lässt. Welches Leid ist das größere – jenes im Ghetto oder das an der Front. Eine Frage, die im Roman gestellt wird. Gefühlsmäßig fährt der Leser mit diesen Kontrasten zwischen komischen und sehr stillen Momenten Achterbahn. Eine Leseerfahrung, die den Stempel “eindrucksvoll” tragen kann. Im März erscheint der zweite Roman des Amerikaners mit dem Titel “Don’t let my baby do rodeo” bei HarperCollins. Erneut haben seine Helden osteuropäische Wurzeln. Und darüber gibt es eine Menge zu erzählen.

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