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Die Mutter meiner Mutter

Kundenrezensionen (16)

€ 19,99 [D]
€ 20,60 [A] | CHF 26,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-630-87454-8

Erschienen: 14.09.2015
Dieser Titel ist lieferbar.

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Von der Autorin des SPIEGEL Bestsellers "Eisenkinder"

Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr: seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst.

Sabine Rennefanz bei 3sat auf der Frankfurter Buchmesse 2015 zum Beitrag

"Packend wie ein Roman: Bestsellerautorin Sabine Rennefanz ("Eisenkinder") erzählt die Geschichte eines lange gehüteten Familiengeheimnisses."

Claudia Kirsch / Brigitte EXTRA (30.09.2016)

Sabine Rennefanz (Autorin)

Sabine Rennefanz, 1974 in Beeskow geboren, studierte Politologie in Berlin und Hamburg. Sie arbeitet seit 1993 als Journalistin, seit 2001 als Redakteurin für die Berliner Zeitung, für die sie mehrere Jahre aus London schrieb. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Deutschen Reporterpreis. Ihr erstes Buch, "Eisenkinder", erschien 2013 und stand mehrere Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

"Packend wie ein Roman: Bestsellerautorin Sabine Rennefanz ("Eisenkinder") erzählt die Geschichte eines lange gehüteten Familiengeheimnisses."

Claudia Kirsch / Brigitte EXTRA (30.09.2016)

„In nüchternem Tonfall erzählt Sabine Rennefanz von der großen Brutalität, die manchmal Familie ausmacht, und davon, wie sich Traumata über Generationen hinweg weitervererben.“

Anna Mayrhauser / Missy Magazine (05.08.2015)

"Ein kluges und, bei aller Tragik, spannendes Buch über Scham, Schweigen und das, was man ein "transgenerationales" Trauma nennt."

EMMA (14.12.2015)

23.09.2016 | 19:00 Uhr | Bad Salzungen

Lesung

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Mehr Infos

Stadt- und Kreisbibliothek Bad Salzungen
Kurhausstraße 12
36433 Bad Salzungen

Tel. 0 36 95 / 67 16 71

ORIGINALAUSGABE

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87454-8

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: 14.09.2015

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Ängste ein Generationenproblem?

Von: Fantasie und Träumerei Datum: 24.08.2016

fantasie-und-traeumerei.blogspot.de/

„Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden, flüstert meine Mutter.“ Ein Satz, der viele Fragen beantwortet, vieles erklärt, was zuvor undurchsichtig war, was Anna Stein, ihren Töchtern und ihrer Enkelin – der Protagonistin und Ich Erzählerin des Romans – ein Leben lang Rätsel aufgegeben hat. Etwas, das sie verfolgt und ihnen unbewusste Handlungsmuster auferlegt hat.

Anna Stein ist eine schwierige Frau. Unnahbar für ihre Töchter und Enkel, oftmals entrückt, verbittert und fehl am Platz. Was keinem so richtig klar ist – sie ist ein Kriegsflüchtling. Hat die Heimat in Zeiten der Not verlassen, um überleben zu können. Doch im Krieg war es überall schwierig. Hier, wie da.

Gewalt und Hass haben sich ausgebreitet, haben genommen, was sie kriegen konnten und sind auch Jahre später nicht abgezogen. Belasten die breite Masse, aber auch viele Einzelschicksale. Autorin Sabine Rennefanz verdeutlicht, wie diese untergehen im Schrecken, den die Vernichtung einer Glaubensrichtung, das Abschlachten von Menschen anderer Einstellung, Aussehen und Denkweise, mit sich bringt.

„Erst jetzt verstehe ich, dass es ein Erbstück unserer Familie ist, diese Angst, die von einer Tochter zur nächsten vererbt wird.“

Ängste werden häufig von Generation zu Generation weiter getragen. Vor allem dann, wenn sie so tief sitzen, wie bei Anna Stein, die nicht nur den Krieg, sondern eine Person im besonderen fürchtet. Sie verändern Charakter, Verhalten und den Umgang mit anderen Menschen. Je enger die Verbindung desto stärker sind sie von den Handlungen ihrer Nahestehenden betroffen.

Verlustängste und Bindungsschwierigkeiten gehen Hand in Hand. Verliert eine Generation ihre Wurzeln, hängen auch die folgenden Generationen in der Luft. Wie will man sich verankern, wenn es keinen Anker gibt, der einem die Hand reicht? Wie begegnet man der Scham, die sich seit Generationen manifestiert?

„Dahinter steckt auch ein Abwehrmechanismus: Im Vergleich zum Holocaust erscheint die Brutalität in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen nach dem Krieg harmlos.“

Sabine Rennefanz verdeutlicht auf anschauliche, sowie eindringliche Art, über wie viele Generationen hinweg der zweite Weltkrieg nachhallt. Das Schicksal von Anna Stein ist kein Einzelfall. Wie viele andere Frauen auch, ist sie Opfer von Gewalt geworden, hat versucht diese zu verharmlosen und die Schuld bei sich selbst gesucht. Hat versucht bei ihrer Tochter etwas gut zu machen, woran diese überhaupt keinen Anteil hat, und sie somit nur tiefer hineingezogen. Hat ihr Trauma zu dem der nachfolgenden Generationen gemacht.

„Die Mutter meiner Mutter“ hat mich sehr bewegt, denn es zeigt, wie lange Gewalt nachwirkt. Wie viele noch heute an den Gräueltaten des zweiten Weltkriegs leiden, egal ob direkt oder indirekt betroffen. Aus meiner Arbeit weiß ich wie langwierig Traumata und Ängste bestehen, werde dort immer wieder damit konfrontiert, dass sich negative Erlebnisse wie Gewalt, Missbrauch, Alkoholkonsum über Generationen durchziehen, dass Verhaltensmuster von einer Generation zur Nächsten weiter gegeben werden. Sabine Rennefanz stellt diese Problematik in ihrem Roman so dar, dass sie auch für Psychologie Laien leicht verständlich ist. Verpackt sie zudem in einer Geschichte, die sich gut und gern lesen lässt, auch wenn sie teilweise bedrückend ist. Interessant geschrieben, ohne zu sehr in einen Sachbuchcharakter zu fallen. Lesenswert!

Der Verrat an der Liebe

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart Datum: 02.06.2016

Rezension
Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter. Luchterhand Verlag 2015. 252 Seiten

Von Tanja Jeschke

Der Verrat an der Liebe

„Die Mutter meiner Mutter“, das neue Buch von Sabine Rennefanz, ist kein Roman, liest sich aber wie einer. Spannend erzählt, sehr gut beobachtet, sprachlich schnörkellos, klar und dicht. Die Figuren gleichen hervorragend ausgedachten Romanfiguren, sie haben die brisanten Charaktere derjenigen, die eine Handlung tragen, sie weisen über sich selbst hinaus zum Großen, Ganzen des Lebens, sie tragen etwas bei zu einem Bild, das der Roman malt. Aber es ist ja keiner. Es ist ein literarisches Protokoll über die eigene Herkunft, aufgezeichnet anhand einzelner Fakten und Erlebnisse, die Sabine Rennefanz nach und nach herausfindet. Dabei geht es um die Mutter ihrer Mutter, Anna, die als Flüchtlingsmädchen im 2. Weltkrieg nach Kosakenberg kommt und mit dem Mann verheiratet wird, von dem sie ein Kind erwartet. Wie Anna zu diesem Kind kommt, verschlägt einem den Atem. Es ist die Beschreibung des Verlusts von Unschuld anhand einer Vergewaltigung, aber gleichzeitig geht Anna, das Opfer, selbst hinein in die Gefahr, sie sucht die Bedrohung, denn es ist in ihr selbst, was ihr von außen zustößt. Das Meiden des eigenen Willens, das ihr Lebenskonzept ist, spiegelt sich in ihrem Leben vor und nach dem Geschehen wider. In der starken Bildhaftigkeit der dörflichen Rituale und Gebräuche beim Schlachtfest und in der Schilderung des Blutvergießens zeigt Rennefanz eindrücklich den naturhaft sich gebärdenden Organismus aus Dorfbeziehungen und Nachkriegszeit, in den das junge Mädchenleben unwillkürlich hineingerät. Und immer geht es dabei um den Verrat an der Liebe. Liebe ist nicht möglich. Es gibt sie nirgends in den Beziehungen, schon gar nicht, wenn ein Kind entsteht. Ein grober Klotz aus tiefer Schuld scheint davorgerammt zu sein. Das Hochinteressante dabei ist, dass diese Schuld mit dem gerade vergangenen Krieg nichts zu tun hat, sondern unabhängig davon wirkt. Friedrich, der Klotz, der Anna schwängert, kommt aus dem Krieg unverändert und wohlauf zurück. Er hat kräftig rote Wangen, hat alles gut überstanden, während Anna das blutleere Opfer bleibt, dem alles Blut geraubt wurde. Dem Krieg kann man nicht die Schuld geben – so sagt das Buch, es ist der Mensch.
Und doch bleibt Friedrich immer auch der vertraute Großvater, von allen ringsum geachtet und verehrt. Die Tat, die er einst begangen hat, erscheint wie etwas Brutal-Bedrohliches, das im Verfremdeten belassen bleibt, zum Schutz auch für all die, die mit Friedrich lebten. Die Enkelin Rennefanz deckt auf und deckt auch wieder zu. Ausgezeichnet gemacht!

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