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Special zu Sophie Bonnet

Wussten Sie, dass Sophie Bonnet schon als Kind Detektivgeschichten à la Fünf Freunde geschrieben hat?

Interview mit Sophie Bonnet

Sophie Bonnet
© Heike Siegert

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbies, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich lebe mit meiner wunderbaren Familie in einem Haus mit Garten und zwei süßen Kaninchen. Im Sommer arbeite ich auf der Terrasse mit Blick auf eine herrliche Blumenpracht. Im Winter und bei schlechtem Wetter schreibe ich in meinem Büro in der Nähe des Eppendorfer Isemarktes. Das ist manchmal ein wenig ablenkend, denn dort gibt es zweimal in der Woche die köstlichsten Leckereien zu kaufen.

Wenn mich die Kochlust packt, stelle ich mich in die Küche und zaubere mehrgängige Menüs. Dabei lasse ich meiner Fantasie gerne freien Lauf. Kochen und Essen sind meine große Leidenschaft. Ebenso Dinge, die meine Sinne ansprechen, mich inspirieren: Reisen nach Frankreich oder Italien, geschmackvoller Wein, Mode, Architektur und gute Bücher.

Mein größtes Glück? Das habe ich schon. Ich schreibe, kann dabei Träume verwirklichen und Dinge erleben, die mich schon immer gereizt haben; darf in die Seele meiner Protagonisten hineingucken und zusehen, wie sie sich innerhalb des Schreibprozesses verselbstständigen. Dabei hilft mir meine psychotherapeutische Ausbildung. Ich liebe meinen Beruf als Autorin, und ich habe Leser, die meine Bücher mögen. Was kann es schöneres geben?

Ach ja, einen Traum habe ich noch: Ein kleines Häuschen mitten in der Provence ...

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer, als Kind spannende Detektivgeschichten à la Fünf Freunde von Enid Blyton. Die bekam dann mein Deutschlehrer zur Korrektur, und seine aufmunternden Worte sind mir noch heute in Erinnerung: „Das liegt dir, mach weiter so, dann kann was aus dir werden.“

Aber irgendwann holte mich die Realität ein, und ich begann, mir Gedanken darüber zu machen, womit ich künftig mein Geld verdienen soll. Autor als Beruf? Darauf bin ich seltsamerweise nicht gekommen, vielleicht aber hatte ich es mir einfach nicht zugetraut. Immerhin begann ich ein Studium in Germanistik, dazu Sinologie - mit der Idee, Auslandkorrespondentin in China zu werden. Und das, obwohl ich doch Europa so sehr mag! Erst Jahre später, als ich bereits als Therapeutin arbeitete und ein Fachbuch veröffentlichte, kam dieser tief in mir verwurzelte Wunsch wieder zum Vorschein: Schreiben, und zwar am liebsten den ganzen Tag lang! Und so verfasste ich meinen ersten Krimi, der dann auch von einem renommierten Verlag veröffentlicht wurde

Was inspiriert Sie zu ihren Büchern?
Ich lasse mich von allen möglichen Dingen inspirieren: Von außergewöhnlichen Menschen, die mir in ihrer Vielschichtigkeit auffallen, von Orten und Landschaften, von Gebäuden mit Charakter und Geschichte. Manchmal braucht es nur ein Stichwort, und in meinem Kopf beginnt ein Kinofilm, den ich sofort niederschreiben muss. So entwickelt sich aus einer einfachen Idee in kürzester Zeit eine ganze Geschichte, die dann mit dem ursprünglichen Gedanken manchmal gar nicht mehr viel zu tun hat.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Zurzeit arbeite ich an der Reihe um Pierre Durand. Nach seinem dritten Fall, der ihn quer durch Südfrankreich in Seifenfabriken und Destillerien führt, wird es auch einen vierten geben. Das Thema ist noch streng geheim. Nur so viel: Es wird sehr heiß.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Mir gefällt vor allem die Szene, in der Pierre voller Wut im Bauch zurück auf seinen Hof kommt und dort den Ziegenbock Caruso vorfindet, der seinem Besitzer ausgerissen ist, um die Ziegendame Cosima zu besuchen. Das daraufhin folgende verbale und körperliche Gerangel von Pierre und Monsieur Joffroy hat bereits beim Schreiben viel Spaß gemacht.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Mein Protagonist Pierre. Er hat viele Anteile von mir, die ich gerne mal rauslassen würde, denn ich neige zu beschwichtigender Freundlichkeit. Er aber kann knurrig sein, gerät rasch in Rage und ist dabei vielleicht auch ein wenig unausstehlich.

Seine bindungsscheue, machohafte Art würde mich sicher des Öfteren auf die Palme bringen, und an der häuslichen Unordnung wäre ich längst verzweifelt. Aber ansonsten mag ich ihn sehr gerne. Denn er ist tolerant, feinfühlig, hat einen großen Gerechtigkeitssinn. Und er hat keine Scheu, sich für seine Prinzipien einzusetzen.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Dazu möchte ich meinen Protagonisten Pierre zitieren: "Die Provence ... Hier hatte er schon immer leben wollen. Weinberge, Olivenbäume und Obsthaine, ein unvergleichbares milchiges Licht, der Wechsel zwischen üppiger Vegetation und kargen, steinigen Hochflächen. Wenn man in einem der beiden Cafés auf dem Marktplatz saß, konnte man bei gutem Wetter bis zum Mont Ventoux sehen, dessen ausgeblichener Kalkstein wie eine Schneekuppe wirkte. Den schönsten Blick auf den fernen Riesen hatte man im Juli, zur Zeit der Lavendelblüte. Weiter oben in den Hochebenen erstrahlte dann das ganze Land in Malve, Blau und Violett. Jeder Atemzug war durchtränkt von den herrlichsten Gerüchen, und das Summen der Bienen erfüllte die Luft."

Was lesen Sie selber gerne?
Vor allem intelligent geschriebene, bildgewaltige Geschichten mit einer guten Dosis Humor. Dabei ist mir das Genre eigentlich nicht so wichtig.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Lieblingsautoren? Da bin ich nicht festgelegt. Zur Zeit sind es Carlos Ruiz Zafón, Alex Capus und Nina George. Ansonsten lese ich gerne Querbeet – von Ian McEwan über Dörte Hansen bis hin zu Marcel Pagnol. Momentan bleibe ich allerdings oft bei Sachbüchern hängen, die mir einen Einblick in Themen geben, die meinen Ermittler beschäftigen.

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Das ändert sich von Buch zu Buch. Früher waren es Kommissar Wallander und die geheimnisvolle Vianne aus Chocolat, heute sind es Daniel Sempere, die eigenwillige, aber humorvolle Louise aus Leon & Louise. Dabei fällt mir auf, dass ich vor lauter Schreiben kaum noch zum Lesen komme. Vielleicht verjüngt sich diese Liste ja nach den Sommerferien?

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes
• Nina George, Das Lavendelzimmer
Alex Capus, Leon & Louise

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Kuchen in allen Variationen, vornehmlich Tartes. Wären diese nicht so gehaltvoll, ich würde mich jeden Nachmittag mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Tarte an die Sonne setzen und schlemmen.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Mein absolutes Lieblingsrezept ist die Tarte de quetsches aux noix (zu Deutsch: Zwetschgen-Walnuss-Kuchen). Dabei wird ein Mürbeteig mit dem Obst belegt und mit einer Mischung aus Zucker, Eiern, Mehl, Milch, Vanille und Crème fraîche übergossen. Das Highlight ist die oberste Schicht aus Zimtstreusel, vermengt mit gehackten Walnüssen. Fünfzig Minuten bei mittlerer Temperatur backen – und fertig. Ein unglaublicher Genuss!

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
In der Hängemattenschaukel bei Sonnenuntergang mit einem guten Buch und einem Glas Wein in Reichweite.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Alles ist möglich, dem der da glaubt. (Markus 9,23)

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Ja, es gibt gleich zwei. Meine Kinder, die das Leben mit einer Leichtigkeit angehen, um die ich sie manchmal beneide.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Im vergangenen Jahrhundert gab es eine Menge Errungenschaften, die unsere heutige Welt beeinflussen. Vorne weg die technischen und medizinischen Entwicklungen. Hinter all dem steckten kluge Köpfe, Tüftler, Enthusiasten und scheinbare Phantasten, die – einem Jules Vernes gleich – im Kopf vorwegnahmen, was später Realität wurde. Die größte menschliche Leistung jener Zeit hat für mich daher weder etwas mit Politik, Sport oder der Bewältigung von Ausnahmesituationen zu tun. Sondern mit dem Mut, die unglaublichsten Dinge zu visualisieren, und sie dann zu verwirklichen.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Mein Lieblingsrestaurant liegt ganz in der Nähe meines Schreibbüros und ist nicht französisch. Denn neben provenzalischer Landhausküche liebe ich vor allem Sushi.
2. Wäre ich keine Schriftstellerin geworden, hätte ich vielleicht einen kleinen Laden eröffnet, in dem man neben hausgemachten Köstlichkeiten auch Wohnaccessoires und gute Musik kaufen kann.
3. Meine Liebe zur Provence verdanke ich Peter Mayle. Seine Bücher haben mich derart fasziniert, dass ich vor knapp zwanzig Jahren meinen ersten Urlaub im Luberon verbrachte.
4. Da ich in jeder freien Minute (oft auch im Urlaub) an meinen Büchern arbeite, habe ich nur wenig Zeit zum Lesen. Dies hole ich auf längeren Autofahrten nach – in Form von Hörbüchern.
5. Ich träume davon, einen Flugschein zu machen.

Wollen Sie Ihren Leserinnen und Leser eine kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Liebe Leserinnen und Leser,

über den großen Erfolg meiner provenzalischen Krimis um den Ermittler Pierre Durand habe ich mich wahnsinnig gefreut. Das wäre ohne Sie nicht möglich gewesen, und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!

Diese Bücher zu schreiben und dabei in die wunderbare provenzalische Welt zu tauchen, ist für mich immer etwas ganz Besonderes. Und ich hoffe, dass ich Ihnen beim Lesen ein kleines Stück südfranzösischer Sonne in den Alltag zaubern kann.

Herzlich,
Ihre Sophie Bonnet