Nirgendwo prallen urbanes Lebensgefühl und ländliche Wirklichkeit so hart aufeinander wie beim Thema Landwirtschaft. Während Stadtmenschen das Ursprüngliche suchen und erschrocken auf Bilder der »Agrarindustrie« reagieren, erfahren sich Bauern als Getriebene von Verbrauchern und Weltmarkt. Die Folge ist eine zunehmende Entfremdung zwischen Stadt und Land, die weit über die Landwirtschaft hinausgeht.

Dieses Buch überbrückt den kommunikativen Graben zwischen Kritikern und Kritisierten. Einem breiten Publikum erklärt es, wie Landwirte heute arbeiten, welchen Zwängen sie unterliegen und auf welche Zukunft sie zusteuern. Aber auch, wo sie Wünsche und Ängste der Bevölkerung ernster nehmen müssen als bisher. Ein Plädoyer für einen neuen Gesellschaftsvertrag mit dem Land und der Landwirtschaft jenseits von »konventionell« und »bio«

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Andreas Möller
© David Ausserhofer

Der Autor

Andreas Möller befasst sich seit seiner Doktorarbeit zur Naturliebe und Technikkritik der Deutschen mit dem Verhältnis von Gesellschaft und Industrie. Er war Journalist beim Deutschlandfunk Kultur, leitete die Politikberatung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech) und ist heute Kommunikationschef des Maschinenbauers Trumpf. Nach »Traumfang« (2009) und »Das grüne Gewissen« (2013) ist dies sein drittes Buch, das unser Verhältnis zur Natur und dem industriellen Wandel der Landschaften auslotet.

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Julia Klöckner

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner mit dem neuen Buch von Andreas Möller »Zwischen Bullerbü und Tierfabrik«.

Michael Bauchmüller: Erntedank, Süddeutsche Zeitung, 23. August 2017

»Bauer sein ist ein hartes, oft undankbares Geschäft. Kaum eine Arbeit hängt derart von den Launen der Natur ab, kaum irgendwo liegen die Freude über üppige Felder und der Frust über eine vernichtete Ernte so nah beieinander. Ein kräftiges Gewitter, ein heftiger Frost kann Existenzen vernichten. Mit diesem Risiko leben Menschen, die selten nach acht Stunden Feierabend haben und notfalls sonntags auf dem Traktor sitzen, bevor das Wetter umschlägt. Die meisten von ihnen machen das sogar gerne.» Und Bauern kriegen einiges ab. Denn wohin sich die deutsche Landwirtschaft entwickelt, passt nicht recht in das romantische Bild, das viele von ihr haben. Die Höfe werden größer und mit ihnen die Maschinen; die Pflanzenschutzmittel werden raffinierter und mit ihnen das Saatgut. Die Kundschaft schüttelt den Kopf, trägt ihr Geld aber unverdrossen zum Discounter. Bäuerliche regionale Landwirtschaft hat so kaum eine Chance. In der Kritik an einer industriellen, naturabgewandten Landwirtschaft sind sich die meisten Verbraucher trotzdem einig.«

Schöne neue Welt

Die genannten Schlaglichter führen zu einer Zangenbewegung, die vielen Landwirten weit mehr zu schaffen macht, als wir es wahrnehmen. Auf der einen Seite müssen sie sich Forderungen nach einem naturnäheren und tiergerechteren Wirtschaften stellen. Auf der anderen Seite sind sie Getriebene der ökonomischen, technischen und kulturellen Umbrüche unserer Zeit. Denn die globalen Verflechtungen des Geschäfts, das System Landwirtschaft – Mineralphosphate aus Marokko zum Düngen brasilianischer Sojafelder, auf denen das Kraftfutter für Schweine in Niedersachsen wächst, die anschließend in den Export nach Russland und anderswo gehen – zwingen sie zu Opportunismus. Und lassen sie nervös auf kleinste Ausschläge des Marktes reagieren. Hinzu kommen Entwicklungen, den mit Maßnahmen vom grünen Tisch nicht einfach so beizukommen ist. Dazu zählt die Energiewende, die viele Deutsche nach wie vor für eine ökologisch sinnvolle Sache halten. Oder das Thema Digitalisierung, die in der Landwirtschaft ganz neue Geschäftsmodelle möglich macht. Auch Trends in der Biotechnologie wie CRISPR/Cas werden in der Öffentlichkeit nicht als Herausforderung für die Landwirtschaft wahrgenommen. Nach dieser in unaussprechlichen Worten Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats genannten Methode können Gene mit bestimmten Eigenschaften gezielt in DNA-Stränge eingefügt oder andere herausgeschnitten werden. Die sogenannte Genchirurgie könnte eines Tages nicht nur dazu führen, dass es Menschen mit »nachteiligen« körperlichen Dispositionen nicht mehr geben muss, weil man die menschliche DNA entsprechend umbauen kann. Solche Vorstöße in das Innerste der Natur werden auch für die Pflanzenzüchtung entscheidende Bedeutung haben. Gemessen daran nehmen sich Themenfelder wie das Autonome Fahren oder stimmgesteuerte Computer wie Alexa wie ein Experimentierkasten für Schüler zum professionellen Elektronenrastermikroskop aus. Dennoch reden wir öffentlich weit häufiger über sie, wird von Delegationsreisen ins Silicon Valley eine ähnliche Wirkung erhofft wie vom Durchwaten des Jungbrunnens auf dem berühmten Gemälde Lucas Cranachs d. Ä. aus dem Jahr 1546. Denn sie machen das Neue im Alltag erfahrbar, darin liegt ihr großer Vorteil. Die großen Fragen der Zukunft, wenn es um Mensch und Natur geht, werden hier jedoch nicht verhandelt. Der Wissenschaftsjournalist Joachim Müller-Jung fand für diese ungleiche Beachtung technischer Entwicklungen einmal die Überschrift »Schizophrenie der Zukunft«. Im Schatten des öffentlichen Interesses an Künstlicher Intelligenz und smarten Kühlschränken spielen sich in der Biotechnologie Dinge ab, die »sehr viel tiefer als die digitalen Umwälzungen in unser Wertesystem« eingreifen.2 Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ethisch. Und letztlich: anthropologisch. Denn sie berühren unser Bild des Lebens in einem ganz elementaren Sinne.
So müssen wir darüber diskutieren, welche Eigenschaften Nutztiere und Pflanzen in Zukunft haben werden, weil wir sie ihnen geben. Züchtung gibt es schon lange, wir alle kennen den Namen Mendel seit der Schule. Muss man Pflanzen in Zukunft daher zwangsläufig biologisch schützen? Oder darf man sie auch angesichts des Klimawandels genetisch so verändern, dass sie mehr Erträge versprechen, obwohl sie weniger Wasser brauchen und steigende Temperaturen aushalten? Stellt es nicht geradezu eine Verpflichtung dar, dass wir sie auf diese Weise unempfindlich machen für Krankheitserreger, die man heute mit der »Chemie-Keule« bekämpft? Auch wenn es außerhalb der Forschung noch nicht so weit ist: Diese Fragen werden kommen. Wir müssen deshalb Antworten auf sie finden.

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