Interview mit Alex North über seinen Roman »Der Schattenmörder«

Alex North im Interview zu seinem Roman »Der Schattenmörder«

Unheimlich, beklemmend und nervenzerreißend spannend – der neue Thriller von Bestsellerautor Alex North.

Wie sind Sie auf die Idee zu Ihrem Roman Der Schattenmörder gekommen?
Wie wahrscheinlich einige Schriftsteller war ich fasziniert, als ich über einen versuchten Mord in Wisconsin 2014 las. Zwei Mädchen hatten eine ihrer Freundinnen töten wollen, als Opfergabe gewissermaßen an ein fiktives Wesen der Internetkultur, den Slender Man. Mich interessierte die Frage, wie die zwei Mädchen so stark an eine doch ganz offensichtlich erfundene Person hatten glauben können, dass sie in deren Namen ein grausames Verbrechen begingen. Das war der Dreh- und Angelpunkt meines Romans. Und es lag nahe, als Vehikel luzides Träumen zu benutzen, das mich schon immer fasziniert hat. Außerdem mochte ich die Herausforderung, Teile des Buchs in der Vergangenheit spielen zu lassen und sie von der Gegenwart aus umzudeuten.

Würden Sie kurz zusammenfassen, worum es in Der Schattenmörder geht?
Vor fünfundzwanzig Jahren entwickelten zwei Jugendliche eine Theorie über luzides Träumen, der sie so leidenschaftlich anhingen, dass sie einen Teenager ermordeten. Sie glaubten, ein Menschenopfer an ein Wesen aus der Schattenwelt, das sie in ihren Träumen sahen, würde es ihnen ermöglichen, der realen Welt für immer zu entkommen. Einer der Jungen verschwand nach der Tat und wurde nie mehr gesehen. In der Gegenwart kehrt Paul Adams, der beide Täter und ihr Opfer kannte, nach vielen Jahren das erste Mal in sein Elternhaus zurück. Zu gern möchte er glauben, dass die Schrecken von damals der Vergangenheit angehören, aber die Albträume, die ihn als Jugendlichen gequält haben, sind längst zurückgekehrt und haben von ihm Besitz ergriffen.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Dieser Roman war insgesamt kein Spaziergang für mich. Es brauchte mehrere Versionen, und ich musste Ton und Inhalt mehrmals ändern, ehe ich zum Kern der Geschichte vorstieß. Deshalb fällt es mir schwer, eine einzelne Szene zu nennen, die mir Probleme bereitet hat. Vielleicht kann man es so sagen: Mir ist nicht eine bestimmte Szene besonders schwergefallen, sondern es ist mir schwergefallen, Szenen zu streichen, die in frühere Fassungen des Romans perfekt gepasst haben, für die jedoch in der endgültigen Version kein Platz war. Aber ganz vergeblich war die Mühe doch nicht, ich habe vor, diese Szenen für ein anderes Buch zu verwenden, deshalb darf ich hier auch nicht über ihren Inhalt reden.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Der Prolog zum Roman ist mir sehr spät eingefallen und funktionierte dann wie ein Schlüssel für das ganze Buch. Bis dahin war Pauls Mutter nur eine Nebenfigur gewesen, aber als ich den Prolog schrieb, wurde sie vor meinen Augen lebendig, und ich begriff ihre Bedeutung für den Roman. Als ich die Szene zu schreiben begann, sollte sie Paul einfach nur zur Polizeiwache fahren. Und was sie unterwegs tat, hat mich genauso überrascht, wie es ihren Sohn Paul im Rahmen der Geschichte überrascht hat. Es war, als würde sie zu mir sagen: »Du weißt aber schon, dass das auch ein Buch über mich ist, ja?«

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie und Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Nein, nicht wirklich, aber sowohl der Steinbruch in Featherbank als auch der Wald in Gritten sind angelehnt an Orte, an denen ich als Jugendlicher mit meinen Freunden abgehangen habe. Und die Schule sieht im Großen und Ganzen so aus wie meine Schule damals; einen Raum wie jenen, in dem die Jungs sich heimlich treffen, gab es dort auch, allerdings war er nicht so komplett abgelegen und vergessen. Aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten – meine Schule war ein angenehmer Ort, und ich habe hauptsächlich gute Erinnerungen an die Zeit dort.

Enthält Der Schattenmörder autobiografische Elemente?
Es ist nicht so, dass ich bewusst Details aus meinem Leben eingebaut hätte. Aber wenn man einen Plot entwirft, ist es unausweichlich, dass man auf eigene Erfahrungen oder Ereignisse zurückgreift, und diese die Geschichte dann infiltrieren. In der Schule habe ich den Sportunterricht gehasst, und definitiv war ich kein Freund vom Rugby. Das spielt für den Roman keine große Rolle, aber es kommt darin vor, als Hintergrundfarbe gewissermaßen. Ähnlich ist es vielleicht mit dieser Verlorenheit von Teenagern – dass man seinen Platz in der Welt nicht kennt und das Gefühl hat, nicht dazuzugehören. Aber da das wohl allen Teenagern so geht und nicht nur mir damals, zählt das kaum. Also nein, autobiografisch ist der Roman nicht wirklich. Im Gegensatz zu meinen Figuren hatte ich eine sehr glückliche Kindheit. Und ich bin froh, sagen zu können, dass sie bedeutend weniger Geister, dunkle Geheimnisse und Morde mit sich brachte als die meiner Figuren.

Wie sieht Ihre Recherche für Ihre Bücher aus?
Bei jedem meiner Buchprojekte versuche ich, die Recherche auf ein Minimum zu begrenzen, einfach weil ich so gerne Sachen erfinde. Natürlich habe ich mich über den realen Fall informiert, der dem Roman zugrunde liegt, aber eigentlich mehr aus Interesse als mit dem Vorsatz, den Fakten gerecht zu werden. Zum Beispiel findet der Mord bei mir vor einem Vierteljahrhundert statt, also vor der Allgegenwärtigkeit des Internets. Außerdem sind die Täter im Buch älter und männlich. Auch zu Schlafstörungen und luzidem Träumen habe ich viel gelesen, doch nichts davon hat Eingang ins Buch gefunden. Aber was sicher auch als Recherche zählt: Ich habe im Vorfeld und während des Schreibens viel nachgedacht, habe meine Erinnerungen durchgesiebt und versucht, mich zu erinnern, wie es war, im Alter der Jungs zu sein, über die ich schreibe.

Möchten Sie Ihren Lesern mit Ihrem aktuellen Buch eine bestimmte Botschaft mitgeben?
Ein Buch kann vieles bewirken, aber ich finde am wichtigsten, dass es die Zeit wert ist, die man damit verbringt. Insofern hoffe ich, dass meine Leserinnen und Leser gern Zeit mit meinen Charakteren verbringen, während des Lesens Spannung, Entspannung, große Gefühle und die eine oder andere Überraschung erleben und am Ende sagen, dass sie eine gute Zeit mit dem Schattenmörder hatten. Ich hoffe, ihnen bleiben keine schlimmen Träume …

Möchten Sie Ihren LeserInnen noch etwas mitteilen?
Ich bin unendlich dankbar für die Unterstützung, die ich weltweit, und ganz besonders in Deutschland, erfahren durfte. Als Schriftsteller wünscht man sich nichts sehnlicher, als etwas zu erschaffen, an dem die Menschen Freude haben, und es ist immer ein großes Glück, wenn das gelingt. Die Resonanz auf Der Kinderflüsterer war so überwältigend, dass ich es kaum glauben konnte. Ein großes Dankeschön an Sie alle – von ganzem Herzen – und ich hoffe sehr, dass Sie Der Schattenmörder mögen werden.
Träumen Sie was Schönes …

Ihr
Alex North

Der Schattenmörder

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