Beth O´Leary: »Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe«

Zwei Monate Sabbatical: Nach einer katastrophalen Präsentation im Job wird Leena eine Auszeit verordnet. Ausgerechnet Leena, die Tag und Nacht arbeitet, um ihre verstorbene Schwester nicht zu vermissen. Zuflucht findet sie bei ihrer Großmutter Eileen in Yorkshire. Eileen wünscht sich mit Ende 70 eine neue Liebe, nur leider ist die Auswahl an interessanten Kandidaten in ihrem kleinen Dorf begrenzt. Die Lösung: Leena kommt auf dem Land zur Ruhe, und Eileen stürzt sich in die Londoner Dating-Szene … doch ist es wirklich so einfach, die Leben zu tauschen?

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Autorin Beth O´Leary

Beth O’Leary über ihren Roman »Time to love«

Liebe Beth, wie bist du auf die Idee zu diesem Roman gekommen?

Zum ersten Mal an diese Geschichte gedacht habe ich in den so wertvollen letzten Tagen vor dem Tod meiner Großmutter mütterlicherseits, die ich mit ihr verbringen durfte. Ich habe sie in ihrem kleinen, malerischen Dorf besucht. Immer wieder kamen Nachbarn vorbei, um nach ihr zu sehen, und ich fragte mich plötzlich, wie es wohl für eine junge Frau wäre, in solch einer Gemeinde in die Rolle ihrer Großmutter zu schlüpfen.
Zuerst stellte ich mir die Geschichte dieser jungen Frau vor, die für ihre kranke Großmutter einspringt. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir auf, dass ältere Leute in Romanen oft als schwach und kränklich dargestellt werden. Wenn ich mich dagegen an meine beiden Großmütter erinnere, wie die waren: mutig, mit losem Mundwerk und absolut lebendig! Und da habe ich mich gefragt, ob ich statt über eine ältere Dame am Ende ihres Lebens vielleicht eher über eine schreiben sollte, die gerade am Anfang ihres größten Abenteuers steht. Was dabei herauskam, war die Idee, die beiden Frauen – jung und alt – ihre Leben vollständig tauschen zu lassen.


Stellst du uns Leena und Eileen vor?

Die 29-jährige Leena ist ehrgeizig, kreativ und eine absolute Perfektionistin. Sie macht eine steile Karriere, hat einen tollen Freund und ist eine Freundin, auf die man sich immer verlassen kann. In letzter Zeit ist sie jedoch nicht mehr richtig sie selbst. Vor einem Jahr ist ihre Schwester gestorben und seitdem funktionieren ihre bewährten Bewältigungsmechanismen nicht mehr – es fällt ihr schon schwer, irgendwie den Kopf über Wasser zu halten.

Die 79-jährige Eileen ist mutig, lebhaft und die Art Großmutter – und Mutter und Freundin –, die immer zu einem hält. Sie ist seit kurzem alleinstehend und auf der Suche nach der Liebe, aber es ist nicht leicht, in ihrem winzigen Dorf in Yorkshire einen passenden alleinstehenden Mann zu finden. Und der Tod der Enkeltochter hat ihr genauso wie Leena schwer zugesetzt – ihre positive Lebenseinstellung wurde arg erschüttert.


Es geht um Trauer, und dennoch ist dieses Buch total charmant und oft sehr lustig. Warum hast du dich dafür entschieden, die Geschichte auf diese Weise zu erzählen?

Genau wie bei meinem ersten Roman Love to share – Liebe ist die halbe Miete, ergab sich die genaue Handlung von Time to love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe erst beim Schreiben. Die Idee, dass eine Oma und ihre Enkelin die Leben tauschen, stand am Anfang. Die traurige Geschichte von Leenas Schwester fiel mir erst ein, als ich die Figuren kennenlernte und mir klar wurde, welche Päckchen sie zu tragen haben. Ich glaube, wir alle haben Probleme, die uns beschäftigen, und obwohl ich immer witzige Liebesgeschichten schreiben will, möchte ich auch, dass sie realistisch sind. Und dazu gehören eben diese Probleme.


Auch die Liebe ist wichtig in diesem Roman. Glaubst du, dass Verliebtheit sich in jedem Alter gleich anfühlt?

Ich habe einigen Menschen unterschiedlichen Alters diese Frage gestellt und überall dasselbe gehört: Ja, es fühlt sich in jedem Alter genau gleich an. Jeder hat mir erzählt, dass man – obwohl man sich nach Jahrzehnten mit immer wieder gebrochenem Herzen geschworen hat, beim Verlieben vorsichtig zu sein – Schmetterlinge im Bauch hat und von Vernunft nicht mehr viel übrig ist: Jemand meinte sogar, man fühle sich immer wie ein Teenager, wenn man verliebt sei, was ich total faszinierend fand. Die Liebe scheint sich also gar nicht so sehr zu verändern, egal, in welchem Alter wir sind.


Wer ist deine liebste Nebenfigur in dem Buch und warum?

Ich glaube, ich mag Eileens Nachbarn Arnold am liebsten. Ich finde es einfach toll, dass er so mürrisch und schroff ist, hinter dieser harten Schale aber ein liebevoller, aufmerksamer Mann steckt. Das Thema gibt es oft in Liebesgeschichten, meistens aber in der Gestalt eines viel jüngeren Mannes!


Wie war es, ein Buch aus der Perspektive von jemandem Ende siebzig zu schreiben?

Das war auf jeden Fall eine Herausforderung. Ich wollte sichergehen, dass ich die Lebenswirklichkeit eines Menschen in diesem Alter widerspiegele, gleichzeitig wollte ich eine einzigartige und ungewöhnliche Figur schaffen. Dabei hat es mir sehr geholfen, Zeit mit älteren Leuten zu verbringen. Einen Tag in der Woche arbeite ich ehrenamtlich in einem Verein für einsame Senioren in meiner Nähe und dadurch habe ich wirklich viele wunderbare Freunde im Alter von 75 bis 104 gefunden. (Ja, 104!) Pat, die wundervolle Großmutter meines Verlobten, hat mich auch sehr unterstützt – sie hat eine frühe Fassung des Buches gelesen. Außerdem inspirierte sie mich sehr: Eileen hat sich viel von Pats frechem Mundwerk und ihrer Lebhaftigkeit abgeschaut!


Mit wem würdest du gern für zwei Monate dein Leben tauschen?

Oh, was für eine interessante Frage! Ich würde gern … mit einer Forscherin oder Entdeckerin tauschen, die an entlegene und unbewohnte Orte reist. Ich war immer ein wenig zu ängstlich zum Reisen, aber ich würde gern mehr von der Welt sehen und vielleicht wäre so ein Tausch eine gute Gelegenheit für mich, über meinen Schatten zu springen …


Pulsierendes Stadtleben oder ländliche Idylle – was sagt dir mehr zu?

Ganz klar: Die ländliche Idylle. Ich habe kurz in London gewohnt, aber dort ging es mir nicht gut – ich kann mich einfach nicht entspannen, ich habe in der Stadt das Gefühl, niemals abschalten zu können. Ich habe erkannt, dass ich mich regelmäßig in der Natur bewegen, in die Ferne schauen und Landluft atmen muss, um ausgeglichen zu sein. Wir sind gerade in Hampshire weit raus aufs Land gezogen und ich bin dort überglücklich.


Warum schreibst du?

Ich schreibe, weil ich sonst nicht ich selbst bin. Wenn ich eine Zeit lang nicht schreibe, verspüre ich fast schon ein körperliches Unwohlsein, so ein Kribbeln, als müsste ich mir die Haare waschen oder mich dringend bewegen. Das Schreiben gehört einfach zu mir – es ist ein Teil von mir.


© 2020 Diana Verlag

Ein Gruß von Beth O´Leary

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