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SPECIAL zu Celine Kiernan »Schattenpfade«

Interview mit Celine Kiernan

Wann haben Sie angefangen zu schreiben?
Celine Kiernan: Ich denke, sobald ich Worte formulieren konnte. Ich habe immer das eine oder andere vor mich hingekritzelt. Meinen ersten »Roman« habe ich mit elf fertig gestellt – er war grauenhaft.

Und was hat Sie zum Schreiben inspiriert?
Celine Kiernan: Hm, zu dieser Frage fällt mir nie eine befriedigende Antwort ein. Das ist so, wie wenn die Leute fragen: »Wie bist du auf die Idee zu diesem Bild gekommen?« Die Idee ist einfach da. Es ist, als wären die Charaktere und Situationen schon da, als wäre das alles bereits geschehen und ich würde nur darüber berichten. Manchmal nimmt eine Geschichte so viel Raum in meinen Gedanken ein, dass es sich anfühlt, als würde ich explodieren, wenn ich sie nicht aufschreibe.

Gibt es frühere Werke?
Celine Kiernan: Nun, vor »Schattenpfade« habe ich zwei Jugendromane geschrieben, einen Science-Fiction-Roman und zwei Bilderbücher. Außerdem habe ich die Texte zu einer vierbändigen Graphic Novel verfasst – jener Kunstform, der ich mich hoffentlich bald wieder zuwenden werde.

Und gab es Absagen?
Celine Kiernan: Tonnenweise. Unfassbar viele. Meistens begleitet von liebenswerten Briefen – und in einem Fall einem liebenswerten Anruf –, in denen mein Stil gelobt und mir mitgeteilt wurde, wie sehr dem Lektor oder Agenten oder Gutachter das Buch gefallen hätte. Aber nichtsdestotrotz Absagen. So ist das Leben.

Wie kamen Sie auf die Idee zu »Schattenpfade«?
Celine Kiernan: Wissen Sie, ich habe da dieses Bild in meinem Kopf. Von einem dunklen Zimmer, in dem viele Kartons stehen. In jedem Karton ist eine Geschichte, und sie warten dort auf mich, bis ich bereit bin, an ihnen zu arbeiten ... Jedenfalls, »Schattenpfade« nahm seinen Anfang, als ich in Südfrankreich im Urlaub war. Es war eine kleine Geschichte über die Tochter eines Zimmermanns, einen verschwundenen Prinzen, einen Geist und eine sprechende Katze – doch sie wuchs und wuchs und nahm schließlich fast wie von selbst Gestalt an.

Woher nahmen Sie – neben Ihrer Arbeit in der Filmbranche – die Zeit, um den Roman zu schreiben?
Celine Kiernan: Das war manchmal gar nicht so einfach. Während der letzten zwei Jahre war ich meistens bis zwei oder drei Uhr morgens auf den Beinen und bin dann am nächsten Tag pünktlich zur Arbeit aufgestanden. Das hätte mich fast umgebracht. Im kommenden Jahr werde ich zumindest tagsüber schreiben können – das wird eine wahre Wohltat sein. Ich habe eine sehr strikte Arbeitsmoral: Ich schreibe jeden Tag vier Seiten, egal, wie gut sie werden, und wenn ich dieses Pensum nicht einhalte, werde ich extrem nervös. Momentan befinde ich mich in einem Zustand der Dauernervosität, denn ich arbeite gerade an dem Promotion-Material für »Schattenpfade« und habe seit fast vier Wochen keine einzige Seite mehr geschrieben. Ich bin kurz davor, vor Stress umzukippen. Vielleicht sollte ich anfangen an meinen Nägeln zu kauen, um ein wenig Druck abzubauen.

Wie haben Sie für das Buch recherchiert?
Celine Kiernan: Gott sei Dank gibt es das Internet! Ich weiß nicht, wie die Leute vor dieser wundervollen Erfindung überhaupt irgendetwas recherchieren konnten. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie lange es dauern würde und wie begrenzt meine Quellen wären, wenn ich das nicht hätte.

Wie nahe ist die Welt von »Schattenpfade« an der historischen Wirklichkeit?
Celine Kiernan: Nun, ich habe das Alltagsleben eng an die Zeit gegen Ende des Fünfzehnten Jahrhunderts angelehnt. Sogar die Tatsache, dass Wynter der Handwerkergilde angehört, ist nicht zu weit hergeholt, da Aufzeichnungen belegen, dass es nur wenige Jahrzehnte später in London zwei weibliche Hufschmiede gab. Auch wenn das Buch Fantasy-Elemente enthält – Geister, sprechende Katzen und so weiter –, habe ich die technischen Aspekte so authentisch wie möglich gestaltet. Die europäische und afrikanische Geographie und Geschichte dagegen habe ich größtenteils neu erfunden. Es gab niemals eine Invasion oder Kreuzzüge der Mohren, und auch die politischen Verhältnisse unterscheiden sich stark von der Realität: Es ist ein zerstückeltes, zerstrittenes Europa mit vielen kleinen Staaten anstelle von drei oder vier Großmächten, und religiöse Verfolgung und rassistische Intoleranz drohen in Form von verschiedenen »Inquisitionen«.

Wo spielt der Roman in Ihrer Vorstellung?
Celine Kiernan: In einem kleinen Königreich, das sich über den Großteil von Südfrankreich erstreckt, etwa von nördlich von Lyon bis Marseilles. Dazu gehören auch die Gebirgszüge, die in dieser Region das Land und die Küste umschließen.

Wie sehen Ihre aktuellen Projekte aus?
Celine Kiernan: Ich arbeite an der Fortsetzung von »Schattenpfade«. Außerdem gibt es da noch einen Roman, der langsam mal aus seinem Karton geholt werden will. Er spielt im viktorianischen Dublin, und hat Bram Stoker und einen sehr jungen Harry Houdini als Hauptfiguren. Zusätzlich würde ich gerne mit der Graphic Novel anfangen. Und dann habe ich da noch das, was mein Sohn das »Buch der Kreaturen« nennt. Eine Jugendabenteuergeschichte, in der zwei Cousins durch ein Gewinnspiel die Chance bekommen, das Set einer berühmten Fernsehshow zu besuchen, bei der es um Geisterjäger geht, und sich plötzlich von Monstern umzingelt sehen, während die Crew einer nach dem anderen aufgefressen wird ... Aber wer weiß, was wirklich rauskommt, wenn ich den Deckel von diesem Karton nehme.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?
Celine Kiernan: Vollzeit zu schreiben und zu zeichnen – und trotzdem noch meine Kinder ernähren zu können.

Schattenpfade Blick ins Buch

Celine Kiernan

Schattenpfade

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