Der Koran und die Frauen

Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam

Frauenfeindlichkeit und Islam gehören für viele scheinbar zusammen. Daran gibt es nichts zu beschönigen, aber vieles zu ändern. Dass das möglich ist, zeigt dieses Buch, sogar ganz ohne nichtislamische Besserwisserei. Hier erklärt ein Imam, was er die Männer und Frauen in seiner Gemeinde über das Verhältnis der Geschlechter lehrt. Seine Quelle ist der Koran und sein Ziel ein Islam, der sich seines befreienden Ursprungs wieder bewusst ist. Ein erhellendes Buch für alle, denen an Debatte und nicht nur an Denunziation gelegen ist.

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DIE STELLUNG DER FRAU IN VORISLAMISCHER ZEIT UND WIE DER KORAN DARAUF REAGIERT

Für die Periode vor dem Islam wird in der muslimischen Geschichtsschreibung der arabische Begriff Dschahiliya verwendet. Er bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch den Glauben, die Sitten und den Zustand der Menschen auf der Arabischen Halbinsel in der Zeit vor den Offenbarungen des Propheten Muhammed (570- 632 n. Chr.), Friede sei auf ihm.1 Als kennzeichnend für die Zeit der Dschahiliya gelten negative Gewohnheiten und Bräuche der damaligen Araber, wie Gewalt, Unrecht, Mord, Arroganz, Frauenunterdrückung, Amoralität und Fanatismus. Aus diesem Grund ist der Begriff im Koran2 wie auch in Hadithen3 negativ belegt, und die islamische Lehre gilt als diametral gegen die Dschahiliya gerichtet. Der Islam schafft die Traditionen der Dschahiliya ab. Muslime deuten den Begriff Dschahiliya als eine Zeit des Dunkels und übersetzen ihn häufig mit »Unwissenheit«. Ihm entgegengesetzt steht der Islam für die Zeit des Lichts und der Aufklärung. Tatsächlich bedeutet Dschahiliya aber nicht »Unwissenheit«, sondern Arroganz, Grobheit, Hochmut und Fanatismus.
Wenn muslimische Autoren über die Stellung der Frau schreiben, dann stellen sie in der Regel zunächst deren Position in der Dschahiliya-Zeit dar, um ihr dann die Verbesserungen, die der Islam gebracht hat, entgegenzusetzen. Der Zustand der Menschen im Allgemeinen, der Frauen im Besonderen wird zunächst schwarz und dunkel dargestellt, mit dem Aufkommen des Islam dann weiß und hell. Alles Negative und Schlechte wird der vorislamischen Zeit zugeschrieben. Wenn wir diese Epoche freilich objektiv analysieren, dann wird deutlich, dass durchaus nicht alles falsch und böse war und nicht alles dem Islam widersprach. Das bekannteste positive Ereignis, das noch während dieser Epoche stattfand, war das Hilfu-l-fudul genannte Friedensabkommen zwischen verfeindeten Stämmen, die »Allianz der Güter«. Der Prophet Muhammed war daran beteiligt, jedoch noch vor dem Beginn seines Prophetentums im Alter von 40 Jahren. Später pries der Prophet ausdrücklich dieses Abkommen und erklärte, dass er sich an ähnlichen Bündnissen wieder beteiligen würde, wenn er dazu eingeladen würde.5 Gelehrte und Prediger beziehen sich bis heute gerne darauf. Es gibt darüber hinaus weitere Beispiele für vorislamische Glaubensinhalte und Rituale bis hin zu Ehetraditionen aus jener Zeit, die wir im Islam gleich oder ähnlich wiederfinden. Ich werde darauf zurückkommen, um zu zeigen, dass wir als Muslime die vorislamische Zeit nicht insgesamt nur schwarz und dunkel wahrnehmen können und vor der Realität stehen, dass der Islam durchaus manche Traditionen und Praktiken der Dschahiliya akzeptiert hat. Natürlich bleibt entscheidend, dass der Islam sehr vieles entweder verbessert oder ganz beseitigt hat, wie etwa die Tötung neugeborener Mädchen:
»Und wenn das Mädchen, das lebendig begraben wurde, veranlasst wird zu fragen, für welches Verbrechen es getötet wurde.« (81:8-9)
Doch tun wir gut daran, diese Zeit differenziert zu analysieren. Das ist unverzichtbar, um zu verstehen, in welchem Kontext der Koran offenbart wurde, denn ohne Berücksichtigung dieses Kontextes kann der Text des Korans nicht richtig verstanden werden.

Benjamin Idriz
© Feryat Yilmaz, © privat

Der Autor: Benjamin Idriz

Benjamin Idriz, geboren 1972 in Skopje/Mazedonien, ist Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg und Vorsitzender des „Münchner Forum für Islam“.

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