Susan Abulhawa, »Nahrs letzter Tanz«

Interview mit Susan Abulhawa zu »Nahrs letzter Tanz«

Susan Abulhawa
© Uffe Renneus
Ihre Protagonistin Nahr ist eine faszinierende Frau, die eine bemerkenswerte Wandlung vollzieht. Wie würden Sie Ihre Protagonistin Nahr charakterisieren?

Nahr ist respektlos, liebevoll, frech, neugierig, smart, unsicher, sexy, impulsiv, feurig, leidenschaftlich, kompliziert, sarkastisch, unerschrocken, charismatisch und einnehmend. Sie lebt sehr intensiv und nimmt überall, wo sie ist, viel Raum ein. Sie hat ein extrem ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus und Musik. Sie beschützt ihre Familie und ist loyal zu denen, die sie liebt. Sie ist eine Denkerin und eine Intellektuelle auf eine Weise, die sogar die überrascht, die sie gut kennen.

Wie wurde aus Nahr eine unbeugsame Frau?

Wie die meisten Revolutionäre hatte Nahr schon immer eine Art Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten und eine Ablehnung gegenüber sozialen Konventionen. Trotz Unsicherheiten und Schmerz war sie nie verzweifelt oder verbittert. Ihre Freundschaft zu Um Buraq, einer durchtriebenen und zeitweise schonungslosen Frau, die Männern misstraute und alles daran setze, sie zu manipulieren und ihre Stärken zu ihrem eigenen Vorteil zu untergraben, verstärkte das noch.

Haben Sie in den palästinensischen Gebieten viele Frauen wie Nahr kennengelernt?

Ich möchte nicht in die „Orient-Falle“ tappen, starke Charaktere bei palästinensischen oder generell arabischen Frauen für ungewöhnlich zu halten. Meiner Erfahrung nach ist das westliche Standard-Bild einer passiven, unterwürfigen, demütigen arabischen Frau eine absolute Seltenheit. Ich kann mich tatsächlich an keine einzige Frau erinnern, die diesem Bild entspricht. Es ist zudem eine Tatsache, dass Frauen das Rückgrat der palästinensischen Kultur, Kunst und des Kampfes sind und immer waren. Aber wie bei ihrem westlichen Gegenüber genießen nur wenige Ansehen für ihre Arbeit und Brillanz.

Wie Nahr sind auch Sie im Exil aufgewachsen, u.a. auch in Kuweit. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Exil ist eine Art Heimatlosigkeit. Die Welt ist immer in Bewegung. Du bist immer Gast, manchmal willkommen, manchmal nicht, aber immer bist du physisch, sozial und emotional an einem Ort unsicher.

Mit Ihrer Nicht-Regierungsorganisation „Playgrounds for Palestine“ engagieren Sie sich seit vielen Jahren für Kinder in Palästina. Was konnten Sie bewegen?

„Playgrounds for Palestine“ wurde im Jahr 2000 gegründet, als ich nach langer Zeit wieder nach Palästina kam. Meine Tochter war damals noch ziemlich jung und Spielplätze gehörten zu unserem Alltag; so war es für mich unübersehbar, dass es hier keine Räume für Kinder gab. Wir sind immer noch ein kleines Team von Freiwilligen, alles Frauen, die in den USA leben und das ganze Jahr über Geld sammeln, um damit Spielplätze zu bauen und Projekte unterstützen, die die natürliche Kreativität von Kindern fördern. Unter www.playgroundsforpalestine.org können Sie mehr über uns erfahren. Eine der alarmierendsten Entwicklungen/Veränderungen ist die Ghettoisierung von palästinensischen Gebieten. Israel hat mehr und mehr Land konfisziert und die Palästinenser dabei immer weiter in überfüllte städtische Gebiete gedrängt, weg von Natur, Bäumen und offenem Raum.

Im Mai kommen Sie wieder für einige Lesungen nach Deutschland. Wie empfinden Sie das deutsche
Publikum? Ist es anders als z.B. in den USA?


Meine Erfahrung ist, dass das deutsche Publikum politisch und kulturell sehr interessiert ist. Mein Eindruck, der mit ein paar Statistiken unterfüttert ist, ist, dass Deutsche mehr lesen als Amerikaner. Generell kann ich sagen, dass Fragen von deutschen Lesern facettenreicher sind als von amerikanischen Lesern.

Nahrs letzter Tanz

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