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SPECIAL zu James Briggs »Beckenbodenturnen«

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Schwangerschaft aus der Sicht des Mannes

Beckenbodenturnen ist ein lustiger und streckenweise ziemlich schwarzhumoriger Roman über einen Mann, eine Frau und eine Schwangerschaft, die ihr Leben und ihre Beziehung völlig verändert. Man hat mich oft gefragt, wie ich darauf gekommen bin, gerade so ein Buch zu schreiben. Die Antwort ist ganz einfach – aus Angst!

Als meine Freundin schwanger wurde, musste ich ziemlich bald feststellen, dass Männer in Frauenarztpraxen nicht erwünscht sind. Mehr als einmal wurde ich von einer wahren Heerschar übereifriger Arzthelferinnen zurück ins Wartezimmer geschickt. Außerdem war es amüsant zu beobachten, wie schnell meine Partnerin von ihren Freundinnen in Beschlag genommen wurde. Sie tauschten wertvolle Tipps aus, sahen immer wieder wissend in meine Richtung und nickten dabei. Der Zugang zu diesem Zirkel war verwehrt. Ich hatte fast den Eindruck, dass ich in dem Moment, in dem ich die Zigarette danach ausgedrückt hatte, meinen Beitrag geleistet und nun nicht mehr benötigt wurde.

Im Krankenhaus bemerkte ich viele andere Männer, die müßig auf den Gängen standen. Sie sahen aus, als hätte man sie zu einer Party eingeladen, auf der sie eigentlich nichts verloren hatten und auch niemanden kannten. Es gibt unzählige Seminare und Kurse, in denen Frauen lernen können, mit ihrer Angst fertig zu werden und die Revolution zu akzeptieren, die sich in ihrem Körper vollzieht. Doch was ist mit den Männern? Natürlich haben wir diese Seminare ebenfalls pflichtbewusst besucht – aber mit welchem Ergebnis? Der gründlichste Unterricht und alle anatomischen Kenntnisse der Welt können uns nicht auf ein Erlebnis vorbereiten, das wir letzten Endes noch nicht einmal am eigenen Leib erfahren werden!

Ich sah mir die anderen werdenden Väter im Krankenhaus genau an und versuchte, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Kein einziger von ihnen war bereit, seine Gefühle und Gedanken in Bezug auf das, was uns erwartete, mit mir zu teilen. Fühlten sie sich ebenso alleingelassen und überfordert wie ich? Woher kam dieser Widerwille, diese tief sitzenden Ängste zu artikulieren? Waren diese Männer bereits traumatisiert, oder wollten sie diese Sache möglichst schnell hinter sich bringen, um endlich wieder ins Büro zurückkehren zu können?

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass solche Neandertaler wie wir Zeugen der Geburt werden sollen? Wäre es nicht besser, man würde die Türen zum Kreißsaal vor uns verbarrikadieren und uns weiterhin im Wartezimmer friedlich und in gesegneter Unkenntnis Kreuzworträtsel lösen lassen? Beckenbodenturnen ist eine Antwort auf diese Verschwörung des Schweigens. Wenn sich schon kein anderer Mann bereit erklärte, seine Zweifel bezüglich Schwangerschaft und Vaterfreuden offen einzugestehen, musste ich es eben selbst in die Hand nehmen. Ich sah einfach keinen anderen Ausweg, um mit meiner wachsenden Besorgnis fertig zu werden.

Seien wir ehrlich: Der moderne Mann hat ja erst seit wenigen Generationen die Möglichkeit, an der Erfahrung der Schwangerschaft teilzuhaben. Daher hat er auch keine Ahnung, was er im intimsten, persönlichsten Bereich der Frau überhaupt zu suchen hat. Macht er hier einfach nur gute Miene zum bösen Spiel, weil er glaubt, dass dies von ihm erwartet wird? Schließlich handelt es sich um eine Lebensaufgabe, bei dem seine Frau oder Freundin vollen Einsatz von ihm erwartet. Als werdender Vater kann er ja schlecht mit einem Bier in der Hand den ganzen Tag über auf dem Sofa fläzen.

Natürlich haben Frauen ebenfalls ihre ureigenen Ängste, wenn es um die Konsequenzen der fleischlichen Begierde geht. Doch mir scheint, dass sie für die Herausforderungen der Schwangerschaft emotional besser gerüstet sind. Außerdem gelten so gut wie alle Hilfsangebote von Freunden und Verwandten allein der werdenden Mutter. Der postmoderne
Mann dagegen schmort im eigenen Saft.

Obwohl das große Thema meines Buches die generelle Angst vor der Geburt und der Erziehung eines Kindes ist, spreche ich auch viele andere Probleme an, die eine Beziehung heutzutage belasten können. Beckenbodenturnen ist durchgehend aus der Perspektive eines namenlosen Engländers erzählt, der nach Paris gezogen ist, um mit seiner französischen Freundin glücklich zu werden – und der dafür sogar einen sehr lukrativen Job im Marketing aufgegeben hat.

Dieser namenlose Engländer artikuliert Gedanken, die viele Männer niemals offen aussprechen würden. Doch es geht auch um die Beziehung des jungen Paares. Das Buch bezieht seine Komik aus der Tatsache, dass die beiden oft aneinander vorbeireden oder auf kulturelle Barrieren stoßen.

Obwohl Beckenbodenturnen viele grundsätzliche Fragen über Männer, Frauen und Schwangerschaft aufwirft, tut es das in einem sehr humorvollen, unterhaltenden Ton. Ich wollte, dass der Leser die aufregenden Ereignisse und die Wechselbäder der Gefühle, denen die zwei stressgeplagten Menschen ausgesetzt sind, so direkt und unvermittelt wie möglich miterleben kann. Genau wie alle zukünftigen Eltern erfährt auch der Leser, wie es in der »Babybranche« zugeht, von der atemlosen Hetze von Arzttermin zu Arzttermin über beunruhigende Illustrationen in einschlägigen Fachbüchern bis hin zu begonnenen und nie zu
Ende geführten Gesprächen mit Familienmitgliedern, Freunden und Halbgöttern in Weiß, von denen besonders Letztere seltsamerweise starke Vorbehalte haben, jemanden in die
Geheimnisse eines so bahnbrechenden Ereignisses einzuweihen.

Als ich Beckenbodenturnen schrieb, wählte ich einen zögerlichen Antihelden, um vorsichtig einige Fragen über die Welt aufwerfen zu können, in der unsere Kinder aufwachsen werden. Der trockene, manchmal zynische Humor soll nicht über einige der ernsteren Themen des Buches hinwegtäuschen – zum Beispiel, wie die Werbe- und Marketingindustrie in
zunehmendem Maße unser Denken und Handeln beeinflusst.

Wenn Sie das Buch gelesen haben und der Meinung sind, gerade die Evolution in Aktion gesehen zu haben – der primitive Mann erhebt sich aus der Ursuppe, um sich mit der Babyindustrie, seiner Familie, den Franzosen, den Engländern und den vielen Ängsten herumzuschlagen, die in ihm lauern – dann bin ich mehr als zufrieden. Ich hatte die Ehre, Sie ein Stück weit auf dem unbekannten Terrain der Vaterschaft begleiten zu dürfen.

Beckenbodenturnen Blick ins Buch

James Briggs

Beckenbodenturnen

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