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SPECIAL zu Jürgen Domian

Jürgen Domian im Video zu »Der Gedankenleser«

Arne hat eine liebevolle Frau, ein schönes Haus, einen guten Job – sein Leben scheint perfekt. Doch ein Moment verändert alles. Arne wird vom Blitz getroffen. Als er aus der Bewusstlosigkeit erwacht, kann er die Gedanken anderer Menschen hören. Seine Frau hat ihn nie geliebt, seine Freunde machen sich über ihn lustig, sein Chef verachtet ihn. Arnes Existenz stürzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Kurzerhand lässt er alles hinter sich und begibt sich auf die Suche nach dem richtigen Leben.

Jürgen Domian liest seinen neuen Roman

»Der Mensch ist, wie er ist«

Jürgen Domian über sein Buch »Der Gedankenleser«

Jürgen  Domian
© Annika Fußwinkel

Jürgen Domian blickt in seinem neuen Roman tief in die Abgründe der menschlichen Seele, denn sein Protagonist kann Gedanken lesen ...

Wie kamen Sie auf die Grundidee des Buches, Gedanken lesen zu können?
Jürgen Domian: Die Idee hatte ich schon länger im Kopf. Gestalt nahm sie während einer Gebirgswanderung in Nord-Norwegen an. In der Einsamkeit. Sicher hat das Buch auch mit meiner Moderatoren-Tätigkeit zu tun. Ich habe über 18.000 Interviews geführt, also in die Köpfe der Menschen hineingelauscht. Dabei wurden mir so viele geheime Gedanken offenbart.

Inwieweit haben die Offenbarungen Ihrer Anrufer in der nach Ihnen benannten Sendung Ihr Menschenbild beeinflusst?
Jürgen Domian: Sehr! Ich sehe die Menschen kritischer als früher. Die Abgründe, in die ich geschaut habe, sind erschütternd. Ich glaube zwar immer noch an das Gute im Menschen, aber ich bin davon überzeugt, dass das Böse überwiegt. Man muss ja nur einen Blick in die Geschichte werfen.

Warum sind Menschen unehrlich und falsch?
Jürgen Domian: Weil sie egoistisch und feige sind. Aber es gibt auch immer wieder Ausnahmen. Ich meine die Selbstlosen und Mutigen. Die eine klare Moral haben und für Ideale einstehen. Auch von diesen großen Menschen ist die Geschichte voll. Schindler, Nelson Mandela, Martin Luther King, Solschenizyn und tausende Unbekannte.

Ist Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit immer das höchste Gut?
Jürgen Domian: Grundsätzlich finde ich das schon. Sicher gibt es Ausnahmen. Manchmal ist es humaner, die Wahrheit zu verschweigen. Einen Schwerstkranken oder Sterbenden zum Beispiel darf ich nicht mit meinen Alltagssorgen belasten.

Der Protagonist Ihres Romans, Arne, wird durch das Gedankenlesen von den meisten Menschen bitter enttäuscht. Ist er zu naiv? Hat er sich mit den falschen Leuten eingelassen?
Jürgen Domian: Arne lebt ein völlig normales Leben. So wie Millionen andere auch. Ich glaube, es ist eine große Gnade, dass die Natur uns nicht mit der Fähigkeit des Gedankenlesens ausgestattet hat. Wir würden alle an den Menschen verzweifeln. So geht es Arne zunächst ja auch. Allerdings nimmt die Geschichte dann doch noch eine ganz andere Wendung.

Die Anrufer in Ihrer Sendung sind ja oftmals sehr ehrlich. Wie schaffen Sie es, mit so viel Ehrlichkeit umzugehen?
Jürgen Domian: Indem ich grundsätzlich alles für möglich halte. Dies schützt vor allzu großer Erschütterung und Verzweiflung. Ich habe gelernt, dass der Mensch ist, wie er ist. Dazu brauchte ich allerdings viele Jahre.

Die Gespräche in Ihrer Sendung sind aber auch der Beweis dafür, dass die Menschen das Bedürfnis haben, ehrlich zu sein. Warum gelingt das Vielen nur in der Anonymität Ihrer Sendung?
Jürgen Domian: Weil sie keine direkten Konsequenzen fürchten müssen. Es verhält sich wie in einem Beichtstuhl. Einige erwarten Absolution. Viele sind froh, ihre Seele etwas erleichtert zu haben. Andere erhoffen sich die klare Stellungnahme einer unbeteiligten Person, also meine Meinung, um mit sich selbst danach besser klarkommen zu können.

Arne ist ja eigentlich auch unehrlich, in dem er seine Fähigkeit, Gedanken lesen zu können, verschweigt. Die Ideale, die er an andere stellt, hält er selbst ja nicht ein. Ist das nicht feige?
Jürgen Domian: Warum sollte er Menschen, die mit ihm nichts zu tun haben wollen, die ihn enttäuscht und abgestoßen haben, sein großes Geheimnis anvertrauen? Im Übrigen würde sich ein jeder von einem Gedankenleser abkehren, da man seine Nähe fürchten würde. Arne steckt in einem Dilemma. Denn diese grundsätzliche Frage der Ehrlichkeit stellt er sich schon. Und am Ende entscheidet er sich ja für eine eindeutige Antwort.

Ein anderes Thema, das in Ihren Romanen eine Rolle spielt, ist die Isolation. Warum?
Jürgen Domian: Ich glaube, dass man nur in der Stille den richtigen Weg finden kann. Alle Pilger wissen das. Alle Weltreligionen erzählen davon. Alle Weisen haben immer wieder die Stille gesucht.

Was findet Arne letztlich?
Jürgen Domian: Das, womit er überhaupt nicht gerechnet hatte.

Der Gedankenleser Blick ins Buch

Jürgen Domian

Der Gedankenleser

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