Leserstimme zu
Faunblut

Mehr Tiefe hätte sein dürfen

Von: Erika on Tour
06.09.2015

Du sagst, es gibt nichts Schlimmeres als den Tod, Laurin, aber das ist nicht wahr. Die Liebe ist das schlimmste Gift von allen. (S. 336) Jade lebt mit ihrem Vater seit der Machtübernahme der Lady im Larimar, einem ehemaligen Hotel. Die Stadt wurde vor mehr als einem Jahrzehnt durch die gewaltsame Machtübernahme verwüstet und nur bruchstückhaft wieder aufgebaut. Jade und ihr Vater stehen in der Gunst der Lady, dennoch beginnt Jade immer mehr an dem totalitären Regime zu zweifeln und sucht nach Alternativen zur bedingungslosen Regierungstreue. Als sie Zeugin der Erschießung eines „Echos“ wird, verändert sich für die junge Frau alles. Denn anders als ihr von kleinauf eingebläut, trägt das „Echo“ menschenähnliche Züge anstatt der von todbringenden Monster. Nina Blazon zeichnet eine düstere und dennoch faszinierende Fantasywelt in ihrem Jugendroman. Eine halb verfallene Stadt, düstere Geheimnisse, fremde Wesen, das alles zieht schnell in den Bann. Umso trauriger ist es, dass sie den Charakteren wenig an Tiefe verleiht und auch Hintergründe für die Übernahme der Stadt unbeleuchtet lässt. Die aktuellen Herrscher werden als böse per se dargestellt, über ihre Beweggründe erfahren die LeserInnen kaum etwas. Ebenso bleiben die Geschichten der Menschen in der Stadt oder die Vergangenheit der „Echos“ unbesprochen. Die Liebesgeschichte rund um Jade dagegen gelingt leicht und liest sich schön ohne dabei verkitscht zu wirken. Ein unterhaltsames Jugendfantasybuch, dem etwas mehr Tiefe und Hintergründe gut getan hätten.