Leserstimme zu
Die Welt ist kein Ozean

Nicht wie erwartet

Von: Meggie
03.10.2015

Ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche will die 16-jährige Franzi ihr Schulpraktikum machen. Sie stellt sich das abenteuerlich und besonders vor – muss aber schnell erkennen, dass sie eine Welt betritt, in der die Normalität außer Kraft gesetzt ist. Hier trifft sie auf den 18-jährigen Tucker – und Tucker trifft sie voll ins Herz. Nach einem traumatischen Erlebnis spricht er nicht mehr. Tief in sich zurückgezogen, dreht er im Schwimmbad seine Runden, am liebsten unter Wasser, wo ihn keiner erreichen kann. Behutsam versucht Franzi, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Als ihr das gelingt, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie wie geplant für eine Zeit ins Ausland gehen? Oder dem Herzen folgen, das gerade erst wieder zu sprechen begonnen hat? Ich möchte mich vorab beim Randomhouse Bloggerportal, bei cbt und beim zuständigen Pressereferenten Sebastian Menacher bedanken, dass mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Angesprochen hat mich das Buch vor allem aufgrund seines Covers. Die hellen, leuchtenden Farben springen gleich ins Auge und die Haare des Mädchens bilden einen so schönen Kontrast zum Meer. Auch den Schriftzug mit dem Schriftband darunter finde ich sehr schön und es wirkt insgesamt einfach stimmig und passt auch noch super zum Buch selbst. Die Idee des Buches klang für mich nach dem Klappentext einfach super spannend. Es ist für Teenager ohnehin schwer mit ihren Gefühlen zu Recht zu kommen und das dann auch noch tun zu müssen, wenn man eigentlich eine professionelle Distanz zu den Patienten wahren sollte, klang für mich spannend und lesenswert. Leider mangelte es dann doch sehr an der Umsetzung. Anstatt einer tiefgründigen Geschichte über das erwachsen werden und das treffen eigener Entscheidungen, gab es eher ein lauwarmes Teen-Drama mit flachen Sprüchen. Immer wieder waren einige Stellen schön, das streite ich nicht ab. Zum Beispiel gab es in dem Gespräch mit dem Straßenmusiker durchaus Ansätze von tiefgründigem Erzählen, doch ansonsten war es wirklich schwer die doch eigentlich sehr schöne Message, die dahinter steht, auch zu erkennen. Die Autorin versucht in ihrem Schreibstil sehr deutlich auf der Ebene von jungen Mädchen zu bleiben. Besonders auffällig wird dies bei der wörtlichen Rede. Allerdings wirkt es so leider auch wie gewollt und nicht gekonnt. Einfach flach und aufgesetzt und absolut unpassend. Vielleicht ist mein Blickwinkel als Erwachsene nicht der beste, aber selbst wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, hätte ich diese gezwungen jugendliche Sprachweise albern gefunden. Außerdem gab es einfach auffallend viele Fehler im Buch. Ob nun logisch oder rechtschreibtechnisch, sollte so etwas bei einem gedruckten Buch, das an Kinder gegeben wird, nicht passieren. Immerhin nehmen Kinder und Jugendliche ja auch viel davon auf, was sie lesen und merken sich dieses. Das Buch bedient obendrein jedes Klischee, wobei ich die Gangsterstory des zukünftigen Schwagers noch mit am spannendsten im ganzen Buch war, ist es doch eine sehr abgegriffene Geschichte, dass der Staranwalt von einem ehemaligen Bandenmitglied gerettet wird und seine Tochter sich dann unsterblich in diesen Jungen verliebt. Die wirklich wichtigen Themen, nämlich Tuckers Erkrankung und seine Schuldgefühle, wirken daneben dann wirklich oberflächlich. Sie bieten so viel Potential für eine tiefgründige Geschichte, das leider so gar nicht ausgeschöpft wird. Die Entwicklungen im Buch passieren obendrein viel zu schnell. Der Junge ist psychisch krank, aber das Erscheinen der Protagonistin heilt ihn innerhalb von gerade einmal zwei Wochen. In dieser Zeit krempelt Franziska auch ihr Leben um und rückt plötzlich von ihren Kindheitsträumen ab. Das ging mir persönlich einfach zu schnell. So wirkt auch die Recherchearbeit hinter dem Buch. Schnell und oberflächlich. Da wäre sicher mehr rauszuholen gewesen, um alles etwas authentischer zu gestalten. Genauso auch die Charaktere, die oberflächlich blieben und zum Teil sogar sehr unrealistisch gehandelt haben. Ihr Verhalten wurde gar nicht richtig erklärt. Die Geschichte wirkte durch diese ganzen Punkte letztlich reichlich konstruiert und unrealistisch, mit wenig Herz geschrieben und am Ende auch noch schlecht lektoriert. Insgesamt ein Buch mit viel Potential, das leider unausgeschöpft blieb und deshalb die Geschichte oberflächlich und laienhaft wirken lässt. Vielleicht mögen jüngere Mädchen es anders sehen, aber ich konnte mich mit dem Buch nicht anfreunden und würde es auch weniger empfehlen. Aussehen: ♥♥♥♥ Charaktere: ♥ Spannung: ♥ Schlüssigkeit: ♥♥ Emotionale Tiefe: ♥ Schreibstil: ♥♥