Leserstimme zu
Dann bin ich eben weg

Zu harmlos für dieses Thema

Von: Dunkelbunt
31.01.2016

Sina hat eigentlich eine normale Figur, findet sich aber selbst zu dick weil sie in ihre Lieblingsjeans nicht mehr reinpasst, ihr Schwarm Fabio sie nicht so sehr beachtet wie sie sich das wünscht und weil auf einem Familientreffen die Tanten tuscheln, Sina sei stemmig geworden. Kurzentschlossen beginnt Sina eine Diät und fängt ebenfalls mit dem Schwimmen an. Ziemlich bald merkt sie, dass sie auf die fettigen Gerichte ihrer Mutter gut verzichten kann und dass sie es mit viel Selbstdisziplin jeden Tag ins Schwimmbad schafft. Sina nimmt schnell ab, doch bis ihr Umfeld bemerkt wie tief Sina schon in der Magersucht steckt, ist es schon zu spät und sie hat sich von 68 Kilo auf knappe 40 Kilo runtergehungert. Eine selbstzerstörerische Spirale, aus der Sina ohne Hilfe nicht mehr hinausfinden kann, beginnt. Das Thema Magersucht finde ich sehr erschreckend aber auch sehr interessant und ich habe schon mehrere Romane gelesen, die diese Krankheit eindrucksvoll beschrieben haben. "Dann bin ich eben weg" von Christine Fehér ist das erste Jugendbuch ab 12 Jahren, das ich zu diesem Thema lese und das musste ich mir während des lesens auch öfter vor Augen halten. Die Sprache ist passend für 12 Jährige sehr einfach gehalten, es gibt klare kurze Sätze. Die Spannung bleibt mehr oder weniger aus denn es passiert nichts was ich nicht vorhergesehen hätte, das Schema nach dem die Ereignisse sich aufbauen ist von Anfang an klar. Zudem ist die Erzählweise auch in Sinas schlimmsten Tiefpunkten keineswegs schockierend oder extrem. Wenn ich mir vorstelle, dass junge Mädchen dieses Buch lesen und vielleicht auch vorher noch kein Hintergrundwissen über die Krankheit Magersucht haben, dann kann ich mir schon denken, dass "Dann bin ich eben weg" ein solches Mädchen schockiert und vielleicht auch den ein oder anderen zu einem Umdenken veranlassen kann. Um diese Wirkung aber auch noch bei einem vielleicht 16-jährigen Mädchen zu erzielen, verharmlost dieses Buch aber einfach zu sehr. Christine Fehér zeigt hier ein Bild auf von einem Mädchen, das durch eine normale harmlose Diät in die Zwänge der Magersucht rutscht. Aber Sina kommt viel zu einfach und viel zu schnell wieder aus der Magersucht hinaus, sie erlebt kaum Rückfälle und es geht ihr im Gesamten mit ihrem fast tödlichen Gewichtsverlust einfach viel zu gut. Meiner Meinung nach entsteht hier zu sehr der Eindruck, es wäre nicht allzu schwieirg aus der Magersucht wieder herauszufinden. Auch die Eltern haben in dem Roman eine viel zu passive Rolle, wobei man bei der Mutter schon eine kleine Entwicklung feststellen kann. Sinas Motive für das Abrutschen in die Magersucht erscheinen mir viel zu oberflächlich und unbedeutend, um wirklich der Realität zu entsprechen. Ich mag mich da täuschen weil ich nicht betroffen bin aber mich beschlich beim lesen der Gedanke dass ein junges Mädchen hier nicht die Ernsthaftigkeit dieser Krankheit nachvollziehen kann. Das Buch war mir leider einfach zu oberflächlich und zu harmlos um eine aufrüttelnde Wirkung zu erzielen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es in der Schule zum Einstieg in das Thema gut geeignet wäre und vergebe deswegen noch 3 von 5 Sternen.