Leserstimmen zu
Die Pusterer Buben

Verena Duregger

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In der Nacht des Herz-Jesu-Festes 1961 steht Südtirol in Flammen: 42 Strommasten werden in der Region um Bozen gesprengt, Elektrizitätswerke werden lahmgelegt. Der Kampf um die Unabhängigkeit von Italien erreicht einen Höhepunkt. Ich war von 1972 bis 1984 mit meinen Eltern jeden Sommer in Südtirol - völlig unwissend. Obwohl bis Mitte der 1980er Jahren die Sprengstoffanschläge weitergingen, habe ich damals von diesem Stück dortiger Heimatgeschichte nichts mitbekommen. Weil ich nun mit meiner Familie in diesem Sommer erneut nach Südtirol fahre möchte, habe ich jetzt „Die Pusterer Buben“ von Verena Duregger gelesen. Ein Nachbar steht im September 2010 vor der Tür der südtiroler Journalistin Verena Duregger. Sein Anliegen: Es muss endlich etwas passieren, "in der Sache um die Puschtra Buibn". Niemand hat bis jetzt ihre gemeinsame Geschichte aufgeschrieben. Und einige würden sie auch lieber vergessen - sind sie Freiheitskämpfer oder Terroristen? Als Jugendlicher hatte ich bei Gesprächen meiner Eltern mit unseren Privatvermietern auf dem Apfelhochplateau von Natz mitbekommen, dass es zwischen den deutschsprachigen Südtirolern und den Italienern an Eisack und Rienz immer wieder zu Spannungen kam – doch dass es einen bewaffneten Untergrundkampf um die Abspaltung Südtirols von Italien gab, hatte ich nicht gewusst. Die vier Puschtra Buibn gehörten in den 1960er Jahren zu den "Südtirol-Attentätern", die mit Sprengstoffanschlägen und anderen Aktionen gegen die Diskriminierung der deutschsprachigen Bevölkerung ankämpften – letztlich das Resultat der politischen Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg. Bis heute gilt in Italien der Haftbefehl gegen die "Pusterer", die nach wie vor im Exil leben müssen. Hiervon berichtet ihr ausgezeichnetes Buch, das zeitlich zwischen Dureggers Recherche und der romanhaften Erzählung rund um die vier Pustertaler springt. Wer sich an die Schreibwiese des gesprochenen Dialekts gewöhnt, findet sich schnell in der Welt der Bauernbuben und Freiheitskämpfer, der Sprengstoffattentäter und Terroristen ein. Verena Duregger (33) recherchierte über mehrere Jahre und führte immer wieder lange Gespräche mit Josef Forer, Siegfried Steger und Heinrich Oberleiter, den drei noch lebenden »Pusterern«. Ihr Buch erzählt von Heimatliebe, kultureller Identität und Zugehörigkeit und von vier Männern, die die Geschichte ihres Landes verändert und ihre persönliche Zukunft verspielt hatten. Laut Internet wurden in den 32 Jahren der Unruhe von September 1956 bis Oktober 1988 361 Attentate verübt. 21 Tote und 57 Verletzte sind zu beklagen. Die Anschläge der 1980er Jahre sind auf die Gruppe Ein Tirol zurückzuführen. Ob ich am Ende mit den Pusterern sympathisiere? Ja, im Bereich des Widerstandes schon, im Kontext der Bewaffnung nicht. Aber diese vier Männer haben Position bezogen und Haltung bewiesen, haben sich für ihre Heimat eingesetzt, ohne als Nationale rechts außen zu stehen. Ich bin mir sicher, im Sommer dieses Südtirol noch einmal mit anderen Augen zu sehen – heute ist dort vieles gleich, wird Autonomie gelebt und Staatszugehörigkeit betont. Aber ich schaue genau hin und frage auch nach, wo es im Kleinen wie im Großen doch noch nicht „gleich“ ist. Verena Duregger Die Pusterer Buben - Eine Südtiroler Heimatgeschichte Verlag: Knaus ISBN: 978-3-8135-0523-8 € 19,99 [D] € 20,60 [A] | CHF 26,90 Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

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