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Louis Lewitan & Markus Böhler: »Stressless«, Ariston Verlag

Louis Lewitan & Markus Böhler im Interview

»Wir sehen das Thema Stress auch durch die psychologische Brille«

Louis Lewitan und Markus Böhler über Stress, Lebensenergie und den richtigen Sinn für Geschwindigkeit


Louis Lewitan © Stefan Nimmesgern

Herr Lewitan, Sie sind Psychologe, seit vielen Jahren als Manager-Berater tätig und einer der bekanntesten Stress-Experten. Können Sie uns erklären, was Stress eigentlich ist: eine Krankheit, eine Epidemie oder eine Modeerscheinung? Wo kommt Stress her, und vor allem: wie geht er wieder weg?

Louis Lewitan: Stress ist Lebensenergie. Er geht nicht weg. Mal verleiht er uns Flügel, mal nervt er uns. Er nistet sich ein, ist extrem anpassungsfähig und kümmert sich herzlich wenig um Mode und Trends. Ähnlich einem Hund, bleibt er uns treu, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Jeder Versuch, ihn ein für alle Mal loszuwerden, bereitet nur Stress.

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Herr Böhler, als Personalberater vermitteln Sie Führungskräfte im Bereich Medien, Marketing und E-Business. Wie erleben Sie Führungskräfte: Haben diese genauso viel und denselben Stress wie ihre Mitarbeiter? Gehen sie anders und vor allem besser damit um? Was können Führungskräfte tun, um den Stresslevel niedrig zu halten?


Markus Böhler © Anja Duchold

Markus Böhler: Die meisten Führungskräfte, die ich kenne, leiden nicht unter Langeweile, sondern unter Stress. Stress im Job, Stress zuhause und schließlich Stress mit der Gesundheit. Professioneller Umgang mit Stress ist ein echtes Beurteilungskriterium guter Manager. Ich erlebe aber oft keinen anderen Umgang mit Stress als auf Mitarbeiterebene. Das hat viel mit der Persönlichkeit eines Menschen und seiner Haltung und seinem Umgang mit viel Arbeit zu tun. Und genau da muss angesetzt werden.

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Herr Lewitan, in Ihrem neuen Buch STRESSLESS, das Sie gemeinsam mit Markus Böhler entwickelt haben, greifen Sie Kernthemen aus Alltag und Berufsleben auf, die mit Stress verbunden sind: von A wie Angst und B wie Burn-out über Fehler, Frust, Flow, Selbstdisziplin, Mobbing, Multitasking, Perfektionismus bis zu Z wie Zeit und Zeitmanagement. Gibt es denn Situationen, in denen Sie selbst in Stress geraten? Und wenn ja: Was machen Sie dann?

Louis Lewitan: Abgesehen von unzähligen Alltagsbanalitäten wie roten Ampeln, verspäteten Zügen und leeren Handy-Batterien, ist das Leben ganz gnädig zu mir. Menschen bereiten mir selten Stress. Wenn mich nörgelnde Nachbarn, beschränkte Bürokraten, einfältige Erbsenzähler, penible Pedanten und alle anderen Nervensägen auf dem Planeten in Ruhe lassen, bin ich die Gelassenheit in Person.

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Herr Böhler, wir leben in Zeiten des Wandels, Change Management ist das Wort der Stunde. Noch nie zuvor haben sich die Veränderungsprozesse in Gesellschaft und Wirtschaft so beschleunigt, noch nie zuvor mussten die Menschen in einem solchen Tempo und permanent ihr Wissen und ihre Erfahrung erneuern und verbessern, um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Wie sehen Sie diese Entwicklung unter dem Aspekt der Stressbelastung?

Markus Böhler: Natürlich ändert sich heute alles rasend schnell oder es kommt uns zumindest so vor, wenn wir nicht mithalten können. Aber alles an sich immer nur ändern zu wollen, macht nur schwindelig. Das ist genauso Quatsch, wie alles nach dem ewig selben Stiefel durchzuziehen. Es reicht, einen Riecher zu entwickeln, woher und wohin der Wind weht, und auf die wichtigen Dinge zu setzen. Man muss nicht jeden Quatsch mitmachen, echte Trends sind keine Moden, sie entwickeln sich über eine Weile, meist werden ihre kurzfristigen Wirkungen überschätzt und die langfristigen unterschätzt. Der richtige Sinn für Geschwindigkeit hilft im Change Management wie im Stressmanagement.

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Herr Lewitan, Sie sind vielen Zeitungslesern bekannt durch Ihre Kolumne im ZEIT-Magazin »Das war meine Rettung«, für die Sie prominente Persönlichkeiten zu einem besonderen Moment ihres Lebens befragen. Was war Ihre Rettung? Und hat das Thema Stress etwas damit zu tun?

Louis Lewitan: Ich habe in meiner Kolumne so viele Interviews mit lebensklugen Persönlichkeiten führen dürfen, dass ich mich gut gewappnet fühle, Stolpersteine zu umgehen, Hürden voraus zu sehen, Blockaden aufzulösen und stressigen Menschen aus dem Weg zu gehen. Als Experte kann ich es mir nicht leisten, etwas anderes zu sagen.

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Herr Lewitan, Herr Böhler, der Eintrag unter »Ratgeber und Ratnehmer« beginnt mit dem schönen Satz: »Ratgeber und Kaugummis haben vieles gemeinsam. Schon nach kurzem Gebrauch verlieren sie an Frische, ziehen sich in die Länge und hinterlassen einen faden Nachgeschmack.« Ihr Buch STRESSLESS ist natürlich anders. Wie haben Sie das Buch angelegt, wer soll es lesen und was soll er oder sie darin finden?

Louis Lewitan/Markus Böhler: Wir sehen das Thema Stress auch durch die psychologische Brille. Unsere Leser/innen wollen über Stress mehr erfahren als die üblichen Allgemeinplätze wie »Atmen Sie durch«, »Yoga hilft« und »Lassen Sie los«. Wir sprechen gewichtige Themen wie Angst und Arbeitslosigkeit ebenso an wie Perfektionismus und Zeitnot. Statt billiger Tipps wollen wir anregen und den Leser bei guter Laune halten.

Stressless Blick ins Buch

Louis Lewitan, Markus Böhler

Stressless

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