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Maike Maja Nowak im Gespräch über ihr neues Buch

»Abenteuer Vertrauen. Vollkommen, aber nicht perfekt. Was Menschen von Hunden lernen können«

Ich konnte über den Spiegel, den Hunde einem vor das Gesicht halten, herausfinden, wo ich selbst authentisch und wo ich künstlich bin. Ich habe ihre Kritik angenommen und konnte dadurch mein Inneres stärken. So weiß ich jetzt, was ich wirklich kann und was ich nicht. Mein Vorbild, mein Leithund Raida, der stets er selbst bleiben wollte, bestärkte mich darin, echt zu sein, selbst wenn sich das gerade nicht mit dem deckt, was bei uns Anerkennung findet. – Maike Maja Nowak

Warum ist Vertrauen das alles Entscheidende?
Wenn einem das Vertrauen in sich selbst genommen wurde, weil das Potential, welches schon immer in einem gesteckt hat, keine echte Wertschätzung gefunden hat bzw. sogar unerwünscht war, kann auch kein hinreichendes Selbstvertrauen entstehen. Man sucht dann oft Bestätigung von außen, um sich richtig zu fühlen, bleibt jedoch weiter verunsichert, weil selbst positive Rückmeldungen auf keine innere Resonanz treffen. Kein Vertrauen haben zu können, ist, wie heimatlos in sich selbst zu sein und erzeugt ein Gefühl des Verloren-Seins.

Hundebesitzer erwarten von Hunden oft, dass diese sich anpassen. Doch Sie holen sich Raida aus dem Tierheim. Er passte sich zwar nicht an, half ihnen aber auf diese Weise, sich ihrer eigenen Geschichte von erzwungener Anpassung zu stellen. Wie kam das?
Raida hat mir diese äußere Bestätigung versagt und mir damit den Weg zur Selbsttäuschung abgeschnitten. Nach meiner Arbeit mit über 6000 Hunden kommt da plötzlich einer an und nichts von dem funktioniert, was bei allen anderen Hunden geklappt hat und woran ich meine Kompetenz und damit auch meinen Selbstwert festmachte. Das hat mich tief in mich selbst zurückgeworfen. Aber dann habe ich Ressourcen in mir wiedergefunden, die ich bereits als kleines Mädchen besaß, aber aufgeben musste.

Warum hat Raida Sie in vielen Punkten an Sie selbst erinnert?
Zum Beispiel lehnt er es ab, Vorschriften, Anweisungen – überhaupt Dinge einfach nur auszuführen. Er möchte sich stets selbst noch eine Meinung bilden und aus seiner Sicht Zusammenhänge beurteilen. Solange ich das nicht verstanden hatte, verweigerte er sich mir. Erst als ich ihm diesen Freiraum zur Beurteilung ließ, wurde er kooperativ und steuerte nun freiwillig bei, was ich vorher ohne Erfolg verlangt hatte. Darin erkannte ich mich selbst wieder und konnte von meinem schlechten Gewissen, oft „nicht kompatibel“ mit bestimmten gesellschaftlichen Ansichten zu sein, in eine entspannte, friedvolle innere Haltung wechseln.

Warum unterliegen Hunde keinem Perfektionszwang wie die Menschen?
Hunde sind mit ihren natürlichen Ressourcen zufrieden. Haben sie ihre Fähigkeiten irgendwann voll ausgebildet, leben sie diese einfach aus und sehen keinen Sinn darin, sich immer weiter verbessern zu wollen. Sie sind wie Kinder. Auch Kinder genießen sich zuerst einfach so, wie sie sind, bis ihnen suggeriert wird, dass sie nur in einer gewünschten Form Anerkennung finden. Dann passen sie sich an, um wertgeschätzt zu werden.

Verfügen Hunde über Ressourcen, die wir auch haben?
Ja. Wir teilen uns mit ihnen die Temperamente wie intro- oder extrovertiert. Leider ist bisher vollkommen ignoriert worden, wie wichtig das auch für die Entwicklung unserer Kinder ist. Schon allein aus diesem Grund können nie alle Menschen in derselben Zeit dasselbe schaffen. Aber in der Schule ist genau das gefragt. Alle müssen in der gleichen Zeit einen identischen Lehrplan erreichen, obwohl die Natur sich etwas dabei gedacht hat, uns so ganz unterschiedlich auszustatten. Schließlich braucht es in vielen Prozessen schnelle Akteure und ruhige Bewahrer.

Gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten?
Wir teilen uns mit den Hunden den Grad an Autonomie. So haben wir wie sie autonome Wesen (Leiter), halbautonome Wesen (Abteilungsleiter) und nichtautonome Wesen (Mitarbeiter). Unsere Wertschätzung gilt aber leider vorwiegend den Führungskräften. Wenn man Hunde beobachtet, lernt man, dass auch Nichtautonomie eine wichtige Ressource ist. Wen sollten Leithunde denn sonst leiten und wer sollte Entscheidungen umsetzen? Wenn man den Grad an Autonomie bei einem Kind kennt, weiß man, ob es initiativ sein kann und will. Oder ob es einen sehr genauen Fahrplan für neue Aufgaben benötigt. Ist es introvertiert, werden es zu viele tägliche Veränderungen überfordern. Ist es extrovertiert, wird es durch sich wiederholende Abläufe schnell ermüden.

Was ist für Sie die schönste Fertigkeit, die man von Hunden lernen kann?
Wir können von ihnen lernen, dass unsere vielfältigen natürlichen Facetten nur im Zusammenhang an wahrer Kraft gewinnen. Wir müssen die Vereinzelung aufgeben. Hunde streben in einer selbstgewählten Gruppe immer ein „Wir“ an, kein „Ich“. Hunde verhelfen uns zu dem Gefühl, wertvoll und liebenswert zu sein, und haben keine Bewertungskultur. Vielleicht beziehen sich Hunde einfach auf unseren inneren Kern, der ja wie bei ihnen selbst vollkommen ist. Die schönste Fertigkeit wäre, wie sie zu erkennen, was die eigene Vollkommenheit behindert, und aufzuhören, sich ständig optimieren zu wollen – also wertzuschätzen, was man selbst ist und was andere für Potentiale haben.

Verändern sich Menschen durch das Zusammenleben mit einem Hund?
Viele Menschen wachsen mit ihrem Hund über sich hinaus und tun für ihn Dinge, die sie für sich selbst nicht tun würden. Ich habe oft erlebt, dass ängstliche, verunsicherte Menschen in eine Souveränität fanden, nur um ihrem Hund zu helfen, und auf diesem Weg auch ihre eigenen Ressourcen entdeckten, die nur beschädigt oder überdeckt waren. Genügend Geschichten dazu kann man in meinen Büchern „Die mit dem Hund tanzt“ und „Wieviel Mensch braucht ein Hund“ finden.

Was machen Sie anders als andere Hundetrainer?
Ich versuche Wahrnehmungen zu stärken und Ressourcen zu erschließen. Um mich persönlich geht es dabei nicht. Meine Leidenschaft ist die Natur in all ihren Zusammenhängen.

© Mosaik Verlag
Abdruck des Interviews nur nach Rücksprache mit dem Mosaik Verlag.

Abenteuer Vertrauen Blick ins Buch

Maike Maja Nowak

Abenteuer Vertrauen

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