Sophie Andresky
© Gabriele Bärtels

Interview mit Sophie Andresky

Sophie Andresky, geboren 1973, lebt als freie Autorin in Berlin. Mit dem Bestseller Vögelfrei und den folgenden Romanen wurde sie zur erfolgreichsten Erotik-Autorin Deutschlands. Ihre Artikel erschienen in zahlreichen Magazinen, derzeit schreibt sie für den Playboy.

Frau Andresky, Sie sind Deutschlands erfolgreichste Autorin erotischer Romane. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Sex. In meinen Romanen sind sehr sehr viele Sexszenen, und die Sprache ist dreckig, so wie ich als Verbalerotikerin das eben heiß finde. Meine Heldinnen sind keine unterworfenen Prinzesschen, die sich danach sehnen, dass es ihnen ein toller Mann mal so richtig besorgt und die wie aufblasbare Gummipuppen auf die nächste Besamung warten, es sind richtige Frauen mit Ecken und Kanten und viel Humor – oft inspiriert durch meine Freundinnen. Ich gebe mir auch viel Mühe mit dem Plot und den Settings. Meine Romane haben eine richtige Handlung, die auch ohne Erotik funktionieren würde, das ist mir wichtig. Und ich versuche immer, Schauplätze zu finden, die man nicht überall liest. Ich mag es üppig, deshalb sind die Geschichten mit Details, Sidekicks und Anspielungen überladen wie ein Wimmelbild. Und dass ich Sex, mich selbst und das Leben insgesamt nicht so sehr ernst nehme, hilft vielleicht auch.


Sie bezeichnen Ihre Romane als feministische Pornoliteratur. Was bedeutet das genau?
Die weibliche Sexualität und Sicht auf die Dinge stehen bei mir im Vordergrund. Die Heldinnen sind berufstätige, aktive und selbstbewusste Frauen, die bestimmen, wo ihr Leben hingehen soll. Sie holen sich, was sie brauchen, auch und gerade im Bett. Da geht es nicht darum, einen Mann möglichst gut zu bedienen, sondern darum, möglichst viel Lust zu erleben. Sie kennen und schätzen ihre Körper und entschuldigen sich nicht für ihre erotischen Wünsche. Und vor allem mache ich bei dieser bescheuerten Unterscheidung zwischen Hure und Heiliger nicht mit. Dumm fickt gut, gibt’s bei mir auch nicht.


Ist das heutzutage noch so besonders, dass man es extra hervorheben muss? Man könnte es ja im Jahr 2018 für selbstverständlich halten…
Schön wär’s. Aber so lange nach einer Vergewaltigung gefragt wird, ob die Frau einen Minirock anhatte, so lange es in vier Vorständen nur eine Frau gibt, so lange Männer in denselben Jobs mehr verdienen, so lange weltmeisterliche Fußballerinnen höchstens mal Werbung für Menstruationsbinden machen dürfen, so lange es okay ist, dass Frauen sich auf lebensbedrohliches Untergewicht runterhungern, an sich herumoperieren lassen und mit vierzig unsichtbar werden, so lange ein Mann, der viel herumvögelt, ein Hengst oder ein cooler Typ ist, eine ähnlich sexuell aktive Frau aber eine Schlampe, so lange ist diese Diskussion leider nicht vom Tisch. Meine Strategie damit umzugehen, ist, in meinen Romanen eine Welt zu zeigen, wie sie sein könnte: Fröhlich vögelnde Frauen, Männer, die die Klitoris nicht für einen griechischen Vorspeisenteller halten, Sex, bei dem jeder auf seine Kosten kommt. Eine Welt, in der Männer und Frauen respektvoll und gleichberechtigt mit einander umgehen, ist für alle schöner.


Heißt dass, das Ihre Romane hauptsächlich von Frauen gelesen werden?
Das glaube ich gar nicht. Viele Männer schreiben mir, dass sie die strikt weibliche Perspektive spannend und die vulgäre Sprache scharf finden. Wann erfährt man als Mann schon mal so detailliert, wie eine Frau Sex erlebt, was sie sich wünscht und wie sich das für uns anfühlt?


Ihr neuer Roman spielt im Zirkus-Milieu. Haben Sie eine besondere Beziehung zum Zirkus?
Ich liebe Zirkus – also diese modernen, schnellen Artistikshows. Gedrillte Tiere, die im Kreis laufen, finde ich schrecklich und mit poetischen Seifenblasenclowns kann man mich auch jagen. Aber diese sehr sportlichen Gesamtkunstwerke finde ich, wenn sie laut und sexy sind, schon sehr faszinierend. Als Teenie bin ich einige Zeit mit einem kleinen Zirkus mitgereist und hab ein bisschen im Büro ausgeholfen, das war eine ganz tolle, besondere Zeit und ich fand, dass ich dazu wirklich mal eine Geschichte schreiben musste. So sexy wie im Buch ging es bei uns aber leider nicht zu, im Gegenteil, auf einem Zirkusplatz gibt es einen hohen Moralkodex und strikte Regeln, damit das sehr enge und multikulturelle Zusammenleben möglichst reibungslos klappt.


Sie bekommen wahnsinnig viele Zuschriften von Ihren Lesern. Gibt es darunter Fragen, die besonders häufig gestellt werden?

Bei Männern sind die drei häufigsten Fragen: Wie bekomme ich mehr Sex? Wie bekomme ich überhaupt mal Sex? Und: Kann ich dir ein Dic-Pic (Penisfoto) schicken. Letzteres: Bitte nicht. Es turnt mich wirklich gar nicht an, so ein Grottenolm-Foto in Frotteewäsche zu sehen, und ich bezweifle, dass es jemals eine Frau gut fand, sowas zu kriegen. Bei Frage eins und zwei kann ich oft nur sagen: Freundlich sein, aktiv sein, und vor allem nicht aggressiv werden. Im Internet geht es ja häufig von „Hi du süße Maus“ über „schreib doch mal“ zu „dumme Schlampe“ innerhalb von wenigen Minuten. So wird das nichts, und ich hoffe, dass solche Typen irgendwann aussterben. Realistisch sein, ist auch so eine Sache. Viele wollen Gisele Bündchen und wundern sich, dass die im Supermarkt um die Ecke nicht rumläuft. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, dass es bei einer Masturbationsvorlage und einer Partnerin, mit der man sein Leben verbringt, womöglich unterschiedliche Anforderungen gibt. Vielleicht ist es wichtiger, dass eine Frau Hirn, Herz und Humor hat als Modelmaße.


Das klingt ja so, als wären Sie im Nebenberuf auch noch Sexual-Beraterin. Warum wenden sich die Leute an Sie, anstatt über die Themen mit ihrem Partner/ihrer Partnerin zu sprechen?
Es ist sicher einfacher, sich mit sexuellen Problemen anonym an jemanden zu wenden, der nicht neben einem liegt. Nur bringt das leider nichts. Ich kann gern meinen Senf dazu geben, aber ich werde die erotischen Wünsche nicht erfüllen, das kann nur die Partnerin/der Partner, also wäre es sinnvoll, mit genau dieser Person zu sprechen. Es gibt offenbar eine große Verunsicherung, weil Sex in den Medien als Leistungssport (Männer) oder Dienstleistung (Frauen) verkauft wird. Dass es dabei um Intimität, Lust und Spaß geht, wird gerne unterschlagen, weil man damit keine Produkte verkaufen kann. Sex ist kein Lifestyleartikel, es geht nicht um die perfekte Performance oder die beste Porno-Imitation. Es geht darum, was mir Lust macht und -im Fall einer Beziehung- die Nähe zu meinem Partner intensiviert.



Was sind Ihre 5 Tipps für ein aktives und erfülltes Sexleben?

  1. Sich selbst, seinen Körper, seine Wünsche und seine Grenzen gut kennen.
  2. Lernen, zu kommunizieren. Der Partner ist kein Hellseher, der weiß nicht, wie meine Klitoris gern gerubbelt werden möchte. Eindeutig sein und es dem Partner mitteilen, wenn mir etwas nicht gefällt.
  3. Auf sich aufpassen. Toxische Personen, die einen nicht gut und respektvoll behandeln, konsequent meiden. Aus gefährlichen Situationen schnellstens rausgehen. Immer safe vögeln.
  4. Sich für Sex interessieren. Sex ist ein so tolles Thema, das immer spannender wird, je mehr ich darüber erfahre. Es gibt so viele Spielarten und Merkwürdigkeiten, damit kann man sich ein ganzes Leben amüsieren.
  5. Das Ganze mit Humor nehmen. Erotik ist keine heilige Handlung, bei der man sich geißeln muss, wenn mal etwas schiefläuft.


Was sind Ihre 5 Tipps für ein lustvolles Wochenende?
  1. Alles wegorganisieren, was stören könnte. Die Kinder zur Oma bringen, den Hausputz liegen lassen. Das Telefon abschalten.
  2. Alle anderen Bedürfnisse, die die Lust hemmen könnten, zuerst befriedigen. Übernächtigt, gestresst und hungrig hat niemand Lust auf Sex.
  3. Gemeinsam etwas Neues erleben. Damit meine ich keine Riesensache wie einen Besuch im Swingerclub, sondern Kleinigkeiten. Nackt zusammen frühstücken. Ein neues Spielzeug ausprobieren. Das Licht anlassen, wenn man es sonst nur im Dunkeln treibt. Beim Sex reden, wenn man sonst schweigt. Rollen tauschen. Sich an Stellen berühren, die man beim routinierten Langzeitbeziehung-Sex ausspart.
  4. Einfach mal fragen. Wie ist das für dich? Wie fühlt sich das an? Was würdest du dir wünschen? Was macht dich unsicher? Sich gegenseitig „ausbilden“.
  5. Eine Phantasie gemeinsam ausleben. Sich „zufällig“ kennen lernen an der Hotelbar, ein dirty talk Telefonat oder fummeln im Kino. Man kann es wirklich tun oder nur darüber reden, beides ist heiß.

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