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Special zu Wiebke Lorenz und ihren Büchern

»Man muss da hingehen, wo es am meisten schmerzt«

Wiebke Lorenz im Interview zu ihrem Thriller »Bald ruhest du auch«

In Ihrem neuen Thriller »Bald ruhest du auch« wird ein vier Wochen altes Baby entführt. Sie sind selbst Mutter einer zweijährigen Tochter – gruselt es Sie nicht, so etwas zu schreiben?
Wiebke Lorenz: Doch, natürlich! Aber eine spannende Geschichte kann ja nur dann entstehen, wenn für die Hauptfigur etwas auf dem Spiel steht, wenn ich sie massiven Ängsten und Gefahren aussetze. Ein abgebrochener Fingernagel taugt nun man nicht zum Thrillerstoff. Man muss da hingehen, wo es am meisten schmerzt. Und was könnte schlimmer sein, als sein eigenes Kind zu verlieren?

Kinder sind in allen Ihren Büchern ein Thema ...
Wiebke Lorenz: Ja, das stimmt. Vermutlich, weil sie auch in meinem Leben eine so große Rolle spielen. Ich war viele Jahre ungewollt kinderlos, das hat mich mit Sicherheit geprägt. Und ich kann nun einmal am besten über das schreiben, was mich bewegt. Wie soll ich eine emotionale Geschichte erzählen, die die Leser fesselt, wenn sie mich in Wahrheit kalt lässt?

Auch Ihre Hauptfigur Lena und deren Mann Daniel wünschen sich sehnlichst ein Kind, aber es klappt jahrelang nicht. Kommt man als Paar mit so etwas überhaupt ohne schwere Krisen zurecht?
Wiebke Lorenz: Das weiß ich nicht, denn schließlich geht jeder Mensch mit so einer Situation anders um. Mir sagte einmal eine Therapeutin, dass ein unerfüllter Kinderwunsch Paare entweder entzweit – oder sie noch stärker zusammenschweißt, dazwischen gäbe es eigentlich nichts. Kinder stehen ja auch für ein Lebenskonzept oder sogar für den Lebenssinn, und wenn der große Wunsch nach einer Familie nicht Wirklichkeit wird, kann das meiner Meinung nach zu ganz extremen Krisen führen. In »Bald ruhest du auch« ist es ja so, dass Lena ausgerechnet als Hebamme arbeitet, sie holt also Tag für Tag Babys auf die Welt – umso schrecklicher für sie, dass sie selbst einfach nicht schwanger wird.

Im Gegensatz zu vielen anderen Thriller-Autoren gibt es bei Ihnen nie einen Ermittler. Warum nicht?
Wiebke Lorenz: Eine Freundin sagte mal im Spaß zu mir, auf meine Bücher könne man »garantiert ermittlerfrei« drucken. Das liegt vermutlich daran, dass ich selbst kein großer Fan von Krimis bin, in denen ein Polizist X ein Rätsel Y löst. Mich langweilt das schnell, ich möchte von Menschen erzählen, die emotional unmittelbar betroffen sind. Das ist bei einem Ermittler nicht der Fall, er bleibt bis zu einem gewissen Grad immer außerhalb der Geschichte (es sei denn, er ist persönlich in den Fall involviert). Natürlich gibt es ganz hervorragende Thriller mit einem oder auch mehreren Ermittlern – aber mir liegt das einfach nicht.

Zusammen mit Ihrer Schwester Frauke Scheunemann schreiben Sie als »Anne Hertz« ja auch Komödien – ist es nicht schwierig, so zwischen den Genres zu wechseln?
Wiebke Lorenz: Gerade, weil diese beiden Genres gegensätzlicher nicht sein könnten, finde ich den Wechsel so reizvoll. Die Arbeit an einem Thriller ist für mich etwas vollkommen anderes, als das Schreiben einer Komödie. Zum einen brauche ich für einen Krimi wesentlich länger, weil allein das Entwickeln des Plots deutlich komplizierter ist – zum anderen benutze ich im Thriller eine ganz andere Sprache, da formuliere ich viel reduzierter. Bei meinem ersten Psychodrama »Allerliebste Schwester« habe ich auch sehr gezittert, ob den Lesern diese »dunkle Seite« von mir überhaupt gefällt. Aber glücklicherweise scheint es ja so zu sein.

Haben Sie denn bestimmte Rituale, mit denen Sie sich in das bedrohliche Szenario eines Thrillers versetzen?
Wiebke Lorenz: Früher habe ich oft die Nächte durchgeschrieben, dabei entstand automatisch eine besondere, fast düstere Stimmung. Das könnte ich heute rein altersmäßig gar nicht mehr durchhalten, außerdem habe ich ja meine Tochter Luzie, die mich beansprucht. Also schreibe ich tagsüber zwischen 9 und 15 Uhr, wenn sie in der Kita ist. Für die Stimmung höre ich die dazu passende Musik, jedes meiner Bücher hat einen eigenen »Soundtrack«. Bei »Bald ruhest du auch« war das »Lost Love«, die Titelmelodie des Films »Das Parfüm«. Das läuft dann hier in der Endlosschleife – bis mein Mann mich anfleht, doch bitte, bitte mal diese furchtbar traurige Musik auszumachen ...

Lesen Sie denn selbst gern Thriller?
Wiebke Lorenz: Ja, sehr gern sogar! Am liebsten solche, die nah an der Realität bleiben, die also eine Geschichte erzählen, wie sie jedem von uns tatsächlich passieren könnte. Die finde ich einfach fesselnder als Bücher über bizarre Ritualmorde. Der wahnsinnige Serienkiller mit gezackter Klinge lässt mich eher kalt, denn wann trifft man den schon mal im echten Leben? Bücher wie »Fünf« von Ursula Poznanski oder »Gone Girl« von Gillian Flynn hingegen habe ich regelrecht verschlungen!

Bald ruhest du auch Blick ins Buch

Wiebke Lorenz

Bald ruhest du auch

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