Charlie ist sechzehn, er ist in seinem ersten Jahr in der Highschool und hat die Probleme, die man in diesem Alter so hat: mit Mädchen, mit der Schule, mit sich selbst. Zumindest scheint es so zu sein. Doch in den Briefen, die er an einen unbekannten »Freund« schreibt, wird deutlich, dass Charlie eine ganz besondere Sicht auf die Welt hat: Er beobachtet die Menschen um sich herum, fragt sich, ob sie ihr Leben so leben, wie sie es möchten, und versucht verzweifelt, seine eigene Rolle in all dem, was wir Leben nennen, zu begreifen.



Stephen Chbosky wuchs in Pittsburgh auf und studierte Filmwissenschaft an der University of Southern California. Sein erster Film The Four Corners of Nowhere wurde 1995 auf dem Sundance Film Festival gezeigt, für das Drehbuch zu Everything Divided gewann er zahlreiche Preise. Chbosky lebt in New York. Das also ist mein Leben ist sein erster Roman.

Für alle, die über die Jahre mit Charlie mitgelitten und mitgefiebert haben und die sich seither immer gefragt haben, was aus ihm geworden ist, hat Stephen Chbosky nun die Antwort: ein letzter Brief, der sich direkt an die Leserinnen und Leser richtet und ihnen noch einmal versichert, dass sie nicht allein sind dort draußen, mit all ihren großen und kleinen Problemen, und dass sie am Ende ihren Weg schon finden werden …

Später

18. September 2012


Lieber Freund,
zwanzig Jahre habe ich Dir keinen Brief mehr geschrieben. Ich weiß nicht mal, ob die alte Adresse noch stimmt. Ich schicke ihn aber trotzdem los und hoffe, dass er Dich erreicht. Es würde mir alles bedeuten, wenn Du ihn bekommst.

Weil ich Dir nämlich danken möchte.

Vor vielen Jahren gab es einen sehr traurigen Jungen, der eine Unmenge an Hilfe brauchte. Und der erste Schritt in Richtung Hilfe war, Dir zu schreiben. Egal, was ich als Erwachsener gelernt habe – ich habe nie vergessen, wie es war, dieser Junge zu sein. Zu glauben, dass niemand meine Gefühle verstehen würde, weil ich sie selbst nicht verstehen konnte. Ich habe nie vergessen, wie traurig oder verrückt oder deprimiert oder neben mir stehend ich mich fühlte. Und ich habe nie vergessen, wie es an den perfekten Tagen war, mit all den Songs und den wunderbaren Menschen, die heute noch meine Freunde sind, einfach loszufahren. Dieser Junge schrieb ein paar Briefe und schickte sie in die Welt hinaus, an einen Fremden, den er nur vom Hörensagen kannte – und dann ist etwas Unglaubliches passiert.

Ich habe Antwort bekommen.

Ich weiß, ich habe nie meinen echten Namen oder meine Anschrift angegeben, aber irgendwie wurden meine Briefe weitergereicht, so wie mein Gedicht für Patrick. Kopiert und getauscht. Geflüstert wie ein geheimes Erkennungswort. Wie auch immer es geschah, es geschah. Du hast meine Briefe gelesen. Und dann haben mir ein paar von Euch geantwortet.

Diese Briefe wurden an alle möglichen Adressen geschrieben. Manche wurden an mich weitergeleitet. Andere vielleicht auch nicht. Ich weiß nicht, ob ich sie alle erhalten habe. Aber ich habe genug Briefe bekommen, um etwas Außergewöhnliches zu begreifen. Und wenn Du die vielen, vielen Kisten mit Briefen sehen könntest, die ich die letzten zwanzig Jahre bekommen habe, dann wüsstest auch Du, was ich nun weiß – ein für alle Mal, jetzt und für immer:

Du bist nicht allein.

Mach Dir klar, es gibt Millionen wie uns. Millionen Menschen, die alle möglichen Probleme haben (und sie überwinden). Du würdest es nicht glauben, wie viele Menschen GENAU verstehen, was Du durchmachst. Das soll nicht heißen, dass Deine Probleme dadurch irgendwie kleiner wären. Bedeutungslos, gewöhnlich, nichts Besonderes. Ganz im Gegenteil: Es heißt, dass das, was Du durchmachst, umso größer ist. Es ist wichtig. Es ist es wert, dass man es wahrnimmt, darüber redet, es versteht.

Zwanzig Jahre sind es nun. Zwanzig Jahre, in denen ich Briefe bekam. Und ich kann gar nicht aufzählen, wie häufig sie mich über den Tag gerettet haben, mich weinen oder lachen oder glauben oder hoffen ließen, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Ich kann kaum in Worte fassen, wie es sich anfühlt, den Brief einer jungen Frau zu lesen, die drauf und dran war, sich umzubringen, aber sich, nachdem sie meine Briefe gelesen hatte, dagegen entschied. Sie ist jetzt über dreißig, glücklich verheiratet und hat Kinder. Für sie ist die dunkle Zeit vorbei. Genau wie sie auch für Dich vorübergehen wird.

Wenn diese Worte also Sinn ergeben; wenn Du ebenfalls solche Geschichten kennst; wenn Du Opfer oder Zeuge von Missbrauch geworden bist, ob körperlicher, sexueller oder emotionaler Natur; wenn Du mit irgendeiner Form von psychischer Erkrankung zu kämpfen hattest oder einen geliebten Menschen hast, der darunter leidet; wenn Du von Leuten umgeben bist, die Dich bloß seltsam finden, statt Deine Schönheit zu erkennen; wenn Du Dich nach Ruhe, Anerkennung und Verständnis sehnst:

Dann sollst Du wissen, dass Du Teil einer unendlich großen Familie bist. Einer Familie von Menschen, die Schreckliches durchgestanden und überlebt haben. Wenn Du diese Worte liest, dann hast Du heute GEWONNEN. Du bist hier. Du bist am Leben. Du hast alle Möglichkeiten. Du kannst abwarten, bis der Sturm sich legt. Weitermachen, Dich zur Wehr setzen. Ausbrechen. Schluss machen. Anrufen. Sie (oder ihn) auf ein Date einladen. Schreib das Buch, schreib den Song. Hör Musik. Fahr einfach los. Ergreif Deine Chance – und lebe. Egal, für welche Strategie Du Dich entscheidest, Du GEWINNST.

Es gibt so viel mehr von uns, als es jemals von den anderen geben wird. Und wir können einander finden. Wir können einander helfen. Und wir können miteinander reden. Wir können uns ein tolles Leben aufbauen. Glück ist nicht dieses Ding für andere Leute. Es steht dir zu. Und mir. Es steht uns allen zu. Wir alle bekommen ein Ende – ob es ein glückliches sein wird oder nicht, das liegt an uns.

Das ist meine lange Art, Dir zu danken, lieber Freund.

Vor zwanzig Jahren schrieb ein junger Mann einige Briefe. Du hast ihm geantwortet. Und das hat einen erwachsenen Mann inspiriert, erneut zu schreiben. Also, nur für den Fall, dass dies mein letzter Brief sein sollte, möchte ich noch eine Frage beantworten. Die Frage, die in den Briefen, die ihren Weg zu mir gefunden haben, am häufigsten gestellt wurde: "Was wurde aus Charlie?" Das kann ich Dir in vier Worten erzählen:

Er hat es geschafft.

Und Du wirst das auch.

Alles Liebe,
Charlie

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