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SPECIAL zu Tania Blixen

EIN ABENTEUERLICHES LEBEN

Tania Blixen, die weltberühmte Autorin des bewegenden Erinnerungsbuches Jenseits von Afrika, unsterblich gemacht durch den Hollywoodfilm, in dem sie von Meryl Streep verkörpert wurde: Am 17. April 1885 kam sie als Karen Christence Dinesen in der Nähe von Kopenhagen zur Welt.

Jugend in Dänemark

Sie war das zweite von fünf Kindern des Offiziers, Gutsbesitzers, Schriftstellers und Politikers Wilhelm Dinesen und seiner aus großbürgerlich-wohlhabender Kaufmannsfamilie stammenden Frau Ingeborg. Sechs Jahre vor Karens Geburt hatte der Vater weitläufigen Landbesitz an der noblen Öresundküste nördlich von Kopenhagen erworben: Rungstedlund, das Zuhause der Kindheits- und Jugendjahre und der Sitz der alternden Schriftstellerin nach ihrer Rückkehr aus Afrika. Rungstedlund erhielt in Karen Blixens eigener Symbolwelt immer mehr die Bedeutung des Bürgerlich-Mittelmäßigen, jener wohlwollenden, gutgemeinten, starren bourgeoisen Langeweile, welche sie als Neunundzwanzigjährige in die Flucht nach Ostafrika trieb.

Nach dem Selbstmord des vergötterten Vaters im Jahr 1895 gewann der beschützende und einengende Einfluss der Mutter die Oberhand über die Erziehung der Kinder. Das hieß unter anderem, dass die künstlerisch hochbegabte Karen nur in den Genuss einer mangelhaften und völlig unsystematischen Bildung kam und dass sie nie einen ordentlichen Beruf erlernte. Sie studierte Malerei in Kopenhagen, Paris und Rom, bevor sie beschloss, nach Afrika zu gehen.

Eine Farm in Afrika

1913 floh sie aus der bürgerlichen Enge ihrer Heimat, heiratete ihren schwedischen Halbvetter Baron Bror Blixen-Finecke und ging mit ihm nach Afrika. Größtenteils mit Mitteln ihrer Familie kaufte das Ehepaar in Kenia die einige Kilometer außerhalb Nairobis gelegene Farm Ngong. Doch der Besitz, rund zweitausend Meter über dem Meer, war nicht geeignet für die Kaffeesorte, die die Blixens anbauten. Die siebzehn Jahre, die Karen Blixen mit Unterbrechungen in Afrika verbrachte, standen denn auch bald im Zeichen des Kampfes um das wirtschaftliche Überleben. Nachdem ihr Mann auf Druck ihrer geldgebenden Verwandten in Dänemark 1921 die Farm verlassen musste und gleichzeitig die Scheidung eingereicht hatte, führte sie das Unternehmen zehn Jahre lang bis zum Bankrott und Verkauf allein.

«Am höchsten von allem, was ich besitze, setze ich meine Freiheit…»

Aus ihren vielen Briefen aus Afrika, die sie zwischen 1914 und 1931 an ihre Familie schickte, geht hervor, dass Karen Blixen nichts so sehr fürchtete als die Armut, die sie gezwungen hätte, in Dänemark ein Leben unter den Bedingungen der verabscheuten Mittelklasse zu fristen und damit ihre teuer erkaufte Selbstständigkeit preiszugeben. Nicht einmal die Syphilis, welche sie sich ein Jahr nach der Hochzeit zuzog – von den vielen Geheimnissen, die Karen Blixens Leben umgeben, das mysteriöseste –, war nach ihrer Darstellung so schlimm. Blixens großartiges Auftreten, die Extravaganz in Kleidung und Gebaren gehörten eigener Einschätzung zufolge zu ihrem Wesen, das sie nur mit reichlichen finanziellen Mitteln zum Ausdruck bringen konnte. Ihr größter Fehler war, so meinte sie, dass sie die Abhängigkeit vom Elternhaus gegen die neue Abhängigkeit von einem unvermögenden Mann eingetauscht hatte.

Karen, Tania oder Isak?

1931 kehrte Karen Blixen zu ihrer Mutter nach Rungstedlund zurück. Die Farm war bankrott, sie hatte sie an einen Geschäftsmann aus Nairobi verkaufen müssen. Die Freiheit, die sie mit der Heimkehr in der Wirklichkeit aufgab, sollten im Rahmen der künstlerischen Fiktion die englische Sprache und die Pseudonyme ersetzen: Auf Englisch begann sie zu schreiben, und als Autorin nannte sie sich in den USA und in England Isak Dinesen, in Deutschland Tania Blixen. 1934, zwei Jahre nachdem sie Ngong verlassen hatte, kam in New York und London die erste Sammlung von Geschichten heraus, Seven Gothic Tales, die der bereits fünfzigjährigen Debütantin vor allem in den USA einen großen Erfolg bescherte. 1937 folgte Out of Africa: Nachdem sie ihr Erinnerungsbuch über ihre Zeit in Kenia zunächst auf Englisch verfasst hatte, übersetzte sie es gleich im Anschluss selbst in ihre Muttersprache. Der dänischen Version, die in Stil und Wortwahl einige Unterscheide zur englischen Fassung aufweist, gab Blixen den Titel Den afrikanske Farm.


Das Blixen-Museum in Nairobi

«Ich hatte in meinem Leben eine wirklich wilde, verzehrende Leidenschaft, nämlich meine Liebe für die Eingeborenen von Ostafrika»

Der Verlust Afrikas schmerzte Karen Blixen sehr; sie sagte einmal, mit Afrika habe sie ihre Identität verloren. In Jenseits von Afrika bewahrte sie ihre Erlebnisse auf: Sie erzählt darin von ihrer Begegnung mit der afrikanischen Wildnis, von Menschen und Tieren, fängt Stimmungen und Bilder ein. Ihr gastfreundliches Haus in Kenia beherbergte viele Freunde aus der europäischen Aristokratie und Bohème, die auch im Buch eine große Rolle spielen. Einer von ihnen wurde ihre große Liebe: der freiheitsliebende Großwildjäger Denys Finch-Hatton, den sie 1918 kennengelernt hatte und der 1931 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Die literarische Darstellung stilisiert den Unfalltod von Denys Finch-Hatton auf eine solche Weise, dass der Eindruck entsteht, der Verlust des Geliebten habe ein harmonisches Verhältnis beendet und wesentlich zu Karen Blixens Entschluss beigetragen, die Farm zu verlassen. In Blixens persönlichen Briefen hingegen ist zu erkennen, dass die Beziehung zwischen Karen Blixen und dem englischen Aristokraten zum Zeitpunkt des Unglücks längst zerbrochen war.

Als Sidney Pollack den Roman 1985 verfilmte, rückte die Liebesgeschichte in den Mittelpunkt: Verkörpert von Meryl Streep und Robert Redford, wurden Karen und Denys zu einem der unsterblichen Liebespaare der Filmgeschichte. Jenseits von Afrika wurde als bester Film des Jahres mit dem Oscar ausgezeichnet und machte das Buch zu einem Weltbestseller.

Der Ort, an dem die Ngong-Farm stand, ist heute ein mondäner Vorort von Nairobi und trägt Blixens Namen: Karen. Ihr Farmhaus ist ein Museum.

Der Beinahe-Nobelpreis

Nach ihren großen Erfolgen vor allem mit Jenseits von Afrika und Babettes Fest (1952) – die dänische Verfilmung dieser Erzählung gewann 1988 den Oscar als bester fremdsprachiger Film – wurde Karen Blixen jahrelang für den Nobelpreis gehandelt. In den 1950er Jahren galt sie immer wieder als sichere Kandidatin. Ernest Hemingway, der 1954 ausgezeichnet wurde, sagte in seiner Dankesrede, Karen Blixen habe den Preis mehr verdient als er. Es kam jedoch nie dazu: Blixen starb 1962 in Rungstedlund, ohne den Nobelpreis.

Nordische Nächte Blick ins Buch

Tania Blixen, Horst Maria Lauinger

Nordische Nächte

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