Über "Wolfsthron"

In Albion zerbricht der jahrhundertealte Frieden, als die Heerscharen des Südens im rauen Reich des Nordens einfallen. Der junge Roper, Sohn des Hauses Silberner Wolf und Thronerbe des Nordens, steht vor seiner ersten Schlacht – und sieht sich schon bald von Feinden umzingelt. Denn nicht nur will die Königin des Südens sein Volk auslöschen, auch mächtige Feinde im Inneren greifen nach dem Thron. Ropers einzige Chance ist eine Allianz mit der schönen Keturah, Tochter des mächtigen Hauses Vidarr. Doch seine Gegner planen bereits den nächsten Schachzug – mit nur einem Ziel: Das Heulen des Silbernen Wolfes soll für immer verklingen ...

Zum Buch

Carew, Leo
© Caitlin Gracie

Über den Autor

Leo Carew

Leo Carew, geboren 1991, studierte in Cambridge Biologische Anthropologie und spezialisiert sich aktuell auf Polarmedizin. Neben dem Schreiben gilt seine Leidenschaft Expeditionen. So verbrachte er ein Jahr in der Arktis, wo er sich zum Polar-Guide ausbilden ließ. »Wolfsthron« ist sein Debüt.

Der Autor im Interview zu seinem Fantasy-Epos

Die Presse feiert Sie als aufregende neue Stimme im Fantasy-Genre, geradezu als literarischen Kometen am Fantasy-Himmel, die Daily Mail bezeichnete Ihr Epos Wolfsthron als »das neue Game of Thrones«. Was denken Sie darüber?

Es ist natürlich sehr schmeichelhaft, mit Game of Thrones verglichen zu werden! Und es macht mich auch ein bisschen nervös – schließlich ist der Roman mein Debüt, und ich hätte nicht erwartet, mit den großen Stimmen des Genres verglichen zu werden. Aber ich versuche, mir nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen. Ich möchte einfach Bücher schreiben, die ich selbst gerne lesen würde, und versuche (nachdem der Prozess des Lektorierens durch ist), nicht zu viel Wert darauf zu legen, was die Leute sagen.

Was ist das Einzigartige, ganz Besondere an Ihrem Roman? Wodurch hebt er sich von anderen Fantasy-Romanen und besonders von Game of Thrones ab?

Es gibt keine Magie (und auch keine Drachen!), was dem Buch meiner Meinung nach eine raue, weltliche Atmosphäre verleiht. Ich glaube auch, dass es unüblich ist, den Kosmos eines Romans aus einer solchen biologischen Perspektive zu konstruieren. Viele Schriftsteller haben verschiedene Kulturen erschaffen, dennoch ist es vermutlich weniger verbreitet, auf die biologischen Unterschiede der Spezies einzugehen und so ihre Stärken und Schwächen aufzuzeigen. Die Anakim, ein Volk in meinem Buch, können zum Beispiel weder lesen noch schreiben, weil sie ein sehr einfaches Verständnis von Symbolen haben. Dies ist auch ein Grund, weshalb sie keine Währung verwenden. Das Fehlen einer Schrift zwingt sie dazu, eine Schwesternschaft von Historikerinnen zu gründen, die sich die Vergangenheit ihres Volkes einprägen und so dessen Sinn für Identität sichern und dessen Fortschritt gewährleisten.

Sie haben in Cambridge Biologische Anthropologie studiert und sich auf die Altsteinzeit (Paläolithikum) spezialisiert. Was fasziniert Sie an archaischen, primitiven Lebensformen?

Alles! Ich finde es großartig, dass sie höchstwahrscheinlich eine komplett andere Art zu denken hatten als wir. Es wäre total faszinierend, ein Gespräch mit jemandem zu führen, der menschliche Intelligenz besitzt, aber eine vollkommen andere Sichtweise auf die Dinge hat, und dessen Gedanken in einer völlig fremdartigen Weise strukturiert sind. Wir würden dabei sehr viel über uns selbst erfahren. Im Moment können wir menschliche Intelligenz mit nichts anderem vergleichen, also ist es schwierig, sich vorzustellen, was es anderes geben könnte. Vielleicht ist unsere Art zu denken ja seltsam, aber wir haben es bislang nicht gemerkt, weil alle anderen auf dieselbe Weise denken.
Mich interessiert auch sehr, wie robust archaische Menschen körperlich waren. Als das Zeitalter des Ackerbaus anbrach, domestizierten sich die Menschen genauso, wie sie es mit Kühen, Schafen und Pflanzen taten. Unsere Vorfahren und ihre Verwandten waren stärker, schneller und hatten größere Gehirne als wir heutzutage. Moderne Menschen mit archaischen Menschen zu vergleichen ist, als würde man einen Hund mit einem Wolf vergleichen. Die Idee, dass ein menschliches Wesen eigentlich auch wie ein wildes Tier sein könnte, finde ich sehr spannend.
Letztendlich fasziniert mich die Vorstellung, wie all diese unterschiedlichen Spezies miteinander umgegangen wären. Wie wäre es wohl gewesen, jemandem zu begegnen, der so war wie man selbst und gleichzeitig doch so absolut fremdartig? Wie hätte man sich dabei gefühlt? Das ist die Frage, die im Zentrum von Wolfsthron steht.

Spiegelt sich diese Faszination in den Figuren und im Plot Ihres Debüts wider?

Ja, total! Es gibt im Roman sogar eine Figur, die es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat, andere menschliche Spezies zu studieren. Er liebt es, neue Informationen über seine Feinde herauszufinden – und diese verwende ich, um ihre Welten so detailliert wie möglich zu beschreiben. Es macht mir großen Spaß, neue Ideen und Konzepte der Kulturen und Völker, über die ich schreibe, zu entwickeln. Ich glaube, dass jede dieser verfeindeten Gesellschaften sich gegen ihre Nachbarn aufgelehnt hätte, um sich zu schützen und ihre eigene Identität zu bewahren. Bei der Vorstellung, dass zwei so unterschiedliche Völker so nah beieinander leben, scheint mir Krieg unausweichlich zu sein. Aber als Individuen finden die Charaktere beider Völker oft auch zueinander trotz ihrer Unterschiede und trotz der Tatsache, dass sie Feinde sind.

Sie haben ein Jahr auf einer Expedition in der Arktis verbracht, wo Sie sich zum Polar-Guide ausbilden ließen. Dort lebten Sie in einem Zelt mitten im weißen Nichts. Würden Sie sich als einen Abenteurer bezeichnen?

Ich sehe mich eher als einen Entdecker als einen Abenteurer. Ich war gerade auf einer Expedition in Grönland auf einigen noch unbegangenen Berggipfeln. Ich liebe es, an abgelegene Orte zu reisen, und finde es sehr inspirierend, dass es immer noch Orte auf diesem Planeten gibt, auf die noch niemand einen Fuß gesetzt hat. Aber die Erde wurde schon ziemlich gut erforscht, und diese Orte werden immer seltener. Der nächste Schritt der Forschung müsste in den Weltraum sein – ich wäre wahnsinnig gerne Astronaut! Ich weiß, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, aber das ist tatsächlich einer der Gründe, warum ich eine Ausbildung zum Militärarzt mache. Es könnte eine Chance im Auswahlverfahren für Astronauten bedeuten. Ich würde unheimlich gern zum Mars reisen. Und wenn ich es nicht versuche, werde ich auch nie dort hinkommen. DAS wäre wirklich eine Entdeckungsreise…

Ist in der Arktis auch die Idee zum Ihrem Debüt entstanden? Unter welchen Umständen?

Ja, viele Passagen des Buches sind in meinem Kopf entstanden, während ich dort in einem Zelt lebte, und ein Jahr später habe ich sie dann aufgeschrieben. Ein Zelt in der Arktis, wo vier Monate im Jahr Dunkelheit herrscht, ist wirklich ein guter Ort, um seinen Gedanken nachzuhängen. Die Arktis ist eine Ehrfurcht gebietende, beeindruckende Landschaft, aber sie ist irgendwie auch ein Ort, an dem die Erfahrungen eingeschränkt sind. Fast alles ist weiß, alle Gerüche sind eingefroren, und man hat dort keine Ablenkungen wie das Internet, Alkohol oder soziale Netzwerke. Das alles macht es zu einem sehr kreativen Ort – wie eine weiße Leinwand, auf der die eigenen Gedanken plötzlich viel greifbarer und konkreter werden. Die Idee für Wolfsthron hatte ich schon, als ich zwölf Jahre alt war, nur um sie später völlig zu vergessen, als ich älter wurde. Als ich auf Spitzbergen war, fielen mir diese Geschichten wieder ein, und ich begann, sie neu zu formen.

Was reizt Sie daran, Grenzerfahrungen zu machen?

Sie sind so belebend. Ich liebe das Gefühl, Grenzen zu überschreiten und neue Welten zu entdecken. Es rückt das Alltagsleben in ein völlig anderes Licht, man sieht plötzlich die Dinge, die man wirklich braucht, aber auch die, die man nicht braucht und die einen nicht erfüllen. Ich habe gerade die Fortsetzung von Wolfsthron auf einer verlassenen Insel geschrieben, wo ich sechs Wochen lang in der Einsamkeit gelebt habe. Das war eine wahrhaftig transzendentale Erfahrung, die mir so vieles gezeigt hat, was mich glücklich macht. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass ich folgende Dinge hasse: Probleme, die ich nicht lösen kann, und durch Kameras und soziale Netzwerke abgelenkt zu werden. Ich habe auch gelernt, dass ich nicht unbedingt Gesellschaft brauche, um Spaß zu haben. Diese Erkenntnisse habe ich mit nach Hause genommen, und ich glaube, dass sie einen wesentlichen Unterschied in meinem Leben ausmachen werden.

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Es regnete, als ginge die Welt unter. Eine dichte Wolkenschicht verbarg Mond und Sterne und verdunkelte die gepflasterte Straße, auf der sich eine menschliche Gestalt, in einen Kapuzenmantel gehüllt, vorankämpfte. Ihr Ziel war die Tür eines Steinhauses. Immer wieder wurde die Gestalt von dem heftigen Wind zurückgeworfen. Sie stemmte sich gegen die stürmische Dunkelheit und hielt den Saum ihrer Kapuze fest, um zu verhindern, dass der Wind sie ihr vom Kopf blies und ihr Gesicht enthüllte. Die Rieddächer der Häuser in der Straße lösten sich allmählich auf, und Halme des Schilfrohrs flogen durch die Luft. Als sie die Tür des Steinhauses erreichte und den Riegel zurückschob, flog diese nach innen auf und krachte gegen die seitliche Steinmauer, so gewaltig war die Kraft, mit der der Wind auf das Haus einstürmte. Im Inneren herrschte tiefste Dunkelheit. Weder Kerzen noch Lampen waren entzündet worden, und auch die stürmische Nacht bot keinerlei natürliches Licht. Einen Moment lang blieb die Gestalt auf der Schwelle stehen und spähte nach drinnen. Dann tastete sie sich weiter und drückte die Tür hinter sich zu. Das Brausen des Sturmes verklang zu einem Wehklagen, als es aus dem Raum ausgeschlossen wurde, und aus der pechschwarzen Dunkelheit drang das leise Geräusch plätschernden Wassers. Die Gestalt streifte die Kapuze zurück.
Schritte ertönten in der Finsternis.Regungslos blieb die Gestalt stehen, als in einer Ecke ein Lichtschein aufglomm und langsam größer wurde. Dann tauchte ein großer dunkelhaariger Mann in dem Lichtkreis auf. Die Kerze in dem Zinnhalter, den er mit einer Hand umfasste, erhellte seine edlen Gesichtszüge und die silbernen Strähnen an seinen Schläfen. Beim Anblick des Eindringlings an der Tür blieb er abrupt stehen. Seine Hand schnellte zum Griff eines langen Dolchs an seinem Gürtel. »Wer seid Ihr?« Die Gestalt trat in den Kerzenschein, und es wurde klar, dass es sich um eine Frau handelte. Ihr goldblondes Haar war zurückgebunden und schimmerte feucht vom Regen. Sie lächelte, und der Mann starrte sie einen Augenblick verblüfft an. »Seid Ihr allein hierhergelaufen?« »Bei so einem Wetter sind die Straßen menschenleer«, entgegnete die Frau. Der Mann trat ein paar Schritte auf sie zu, um ihr Gesicht im Kerzenschein genauer zu betrachten. Ihre Kleidung war durchweicht, aber offensichtlich teuer und verriet ihre hohe Herkunft. Doch damit endete auch schon ihre Ähnlichkeit mit den anderen adligen Frauen des Landes. Sie war ganz und gar nicht wie sie – blass, geschminkt, mit Schmuck behangen, zart und zierlich. Ihre Schönheit war herber, zeigte sich in ihren ausgeprägten Wangenknochen, den Fältchen an ihren Augenwinkeln und ihrer selbstsicheren Haltung. Sie trug weder Gold- noch Silberschmuck, und ihre Haut war nicht weiß wie Kreide, sondern von der Sonne gebräunt. »Wo ist Seine Majestät?«, erkundigte sich der Mann. »Schläft. Sein Leibarzt hat ihm einen Trank verabreicht, er wird nicht aufwachen. Er fürchtet die Blitze.« Die Frau mit den schimmernden goldblonden Haaren verdrehte die Augen. Er betrachtete sie einen Moment, während der Wind durch die Ritzen und Spalten in der Tür pfiff und die Kerzenflamme flackern ließ. »Ihr seid verrückt.«

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