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SPECIAL zu Blaine Harden »Flucht aus Lager 14«

Pressemitteilung von Blaine Harden zu seinem Buch „Flucht aus Lager 14“

Shin verändert wichtige Teile seiner Geschichte

Am Freitag, den 16. Januar erfuhr ich, dass Shin Dong-hyuk, der Überlebende eines nordkoreanischen Gefangenenlagers, dessen Schicksal ich in Flucht aus Lager 14 schildere, Freunden seine Lebensgeschichte in einer Form erzählt hatte, die deutlich von den Darstellungen des Buchs abweicht.
Am Freitag führte ich ein langes Telefongespräch mit ihm, um ihn zu bitten, mir die Abweichungen zu im Detail zu beschreiben und mir zu erklären, warum er mich getäuscht hatte. Diese Information gab ich an die Washington Post weiter, für die ich 2008 über Shin berichtet hatte. [Am Samstag, den 17. Januar, veröffentlichte die Washington Post einen eigenen Artikel in ihrer Online-Ausgabe, und am 18. Januar folgte die New York Times mit einem Artikel.]
Shin, 32, der heute in Seoul lebt und dessen Aussage ein wichtiger Faktor bei der Verurteilung der Menschenrechtsverletzungen in Nord Korea durch die Vereinten Nationen war, erklärt heute, er sei zweimal aus unterschiedlichen nordkoreanischen Gefangenenlagern nach China geflohen. Als er 2001 zum ersten Mal bis nach China gekommen sei, sei er nach vier Monaten von der chinesischen Polizei festgenommen und nach Nordkorea deportiert worden.
Heute sagt Shin aus, er sei im Jahr 2002 als 20-Jähriger als Strafe für seine Flucht im Lager 14 gefoltert worden. Im Buch hatte er dagegen erklärt, er sei als 13-Jähriger in Lager 14 gefoltert worden. Diese Version erzählt Shin seit fast neun Jahren, seit er 2006 aus China nach Südkorea kam und von Mitarbeitern südkoreanischer und amerikanischer Geheimdienste befragt wurde.
„Als ich mich einverstanden erklärte, meine Erfahrungen für dieses Buch zu beschreiben, war die Erinnerung an einige Ereignisse zu schmerzhaft“, sagte er am Telefon. „Daher habe ich einen Kompromiss mit mir gemacht. Ich habe Einzelheiten geändert, die meiner Ansicht nach unbedeutend waren. Ich wollte die Ereignisse nicht genau beschreiben, um diese schmerzhaften Erfahrungen nicht noch einmal erleben zu müssen.“
Flucht aus Lager 14 wurde 2012 von Viking [New York] veröffentlicht und erschien 2013 als Taschenbuch bei Penguin [New York]. Es wurde in 27 Sprachen übersetzt.
Allem Anschein nach stimmt Shins revidierte Darstellung weitgehend mit den Schilderungen in dem Buch und den Aussagen vor einem UN-Untersuchungsausschuss zu Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea überein. Shin sagt aus, er sei in Lager 14, einem weitläufigen Lager in den Bergen Nordkoreas gefoltert worden. Er sagt außerdem aus, er sei im Jahr 2005 aus dem Gefängnis geflüchtet, indem er über den Leichnam eines am Elektrozaun des Lagers getöteten Mithäftlings hinweg gestiegen sei.
Erheblich verändert hat er jedoch Einzelheiten aus früheren Jahren sowie die Daten und Orte wichtiger Ereignisse. Heute sagt er, er sei in Lager 14 zur Welt gekommen, doch im Alter von 8 Jahren sei er mit seiner Mutter in ein nahes Gefangenenlager gebracht worden, das Lager 18 am anderen Ufer des Taedong-Flusses.
Im Lager 18 habe er seine Mutter und seinen Bruder verraten, nachdem er ein Gespräch über ihre Fluchtpläne mitangehört habe. In diesem Lager sei er auch Zeuge der Hinrichtung seiner Mutter und seines Bruders geworden. (Im Buch behauptet Shin, beides habe sich in Lager 14 ereignet.)
Heute erklärt Shin dagegen, er sei als Jugendlicher zweimal aus Lager 18 geflohen, zuerst im Jahr 1999 und ein weiteres Mal im Jahr 2001. Nach der ersten Flucht sei er innerhalb weniger Tage wieder aufgegriffen worden. Nach der zweiten Flucht sei er bis nach China gekommen. Dort sei er von der Polizei festgenommen und nach Nordkorea deportiert worden. Die Wachen hätten ihn zunächst ins Lager 18 gebracht, und dann zur Bestrafung und Folter ins Lager 14, erklärte mir Shin am Telefon.
In Flucht aus Lager 14 schildert Shin, wie ihn die Wachen als 13-Jährigen mit Feuer folterten, weil sie ihn verdächtigten, mit seiner Familie die Flucht zu planen. Im Lendenbereich sind die Narben der Folter bis heute zu sehen.
In unserem Telefongespräch erklärte Shin jedoch, in Wirklichkeit sei er erst später, im Alter von 20 Jahren, gefoltert worden, und zwar nach seiner Flucht nach China. Im Jahr 2002 sei er sechs Monate lang in Lager 14 in einer unterirdischer Zelle festgehalten und dort wiederholt mit Feuer misshandelt und gefoltert worden.
Bei dieser Gelegenheit sei auch sein Finger verstümmelt worden, als Wachen ihm die Fingernägel ausrissen. In Flucht aus Lager 14 beschreibt Shin dagegen, ein zorniger Wachmann habe ihm den Finger abgeschnitten, weil er eine wertvolle Nähmaschine habe fallen lassen.
Auf die Frage, warum er diese Einzelheiten verändert habe, obwohl diese keinen Einfluss auf den Schrecken seiner Geschichte hatten, erwiderte Shin, er sei der Ansicht gewesen, die Daten, Orte und Umstände seien unwesentlich.
„Ich dachte, dass eine Veränderung dieser Einzelheiten keine Rolle spielen würde“, sagte er. „Es tut mir sehr leid, dass ich nicht gleich die ganze Wahrheit erzählt habe.“
Nach meinem Telefonat mit Shin arbeite ich nun gemeinsam mit dem Verlag daran, mehr Information zu recherchieren und das Buch zu überarbeiten.
Vergangenen Herbst veröffentlichte die nordkoreanische Regierung ein Propagandavideo mit Shins Vater. In diesem Video behauptet der Vater, Shin habe nie in einem Lager für politische Gefangene gelebt.
Shin sagt, die nordkoreanische Regierung zwinge seinen Vater zu lügen.
In unserem Telefonat erklärte Shin, er sei sich bewusst, dass die veränderte Geschichte seine Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehe.
„Ich bitte um Vergebung“, sagte er.

Quelle: http://www.blaineharden.com
Abgerufen 19. 1. 2015
Übersetzt von Jürgen Neubauer

Flucht aus Lager 14 Blick ins Buch

Blaine Harden

Flucht aus Lager 14

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