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Christine Mangan: »Nacht über Tanger« (Blessing Verlag)

Interview mit Christine Mangan zu »Nacht über Tanger«

Christine Mangan
© Casey Carsello
„Ich fand es spannend, die Unabhängigkeitsbestrebungen Marokkos parallel zu den beiden weiblichen Charakteren zu entdecken, die mit ihrer eigenen Suche nach Identität und den Fragen nach der Selbstbestimmung der Frau in den 1950-er Jahren kämpfen.“

Warum haben Sie sich für Marokko als Umfeld für »Nacht über Tanger« entschieden und warum genau für die Stadt Tanger?

Mich hat eine Reise nach Tanger 2015 zu diesem Roman inspiriert. Während meines Aufenthalts war ich davon gefesselt, wie einzigartig diese Stadt im Vergleich zu allen anderen Städten war, die ich jemals zuvor besichtigt hatte. Tanger war chaotisch und gleichzeitig absolut überwältigend. Die Stadt scheint diese starken Gefühle bei all ihren Besuchern hervorzurufen, und das war letztendlich auch der Grund, warum meine Geschichte in Tanger spielen sollte. Es gibt ein Sprichwort über Tanger, das besagt: „Du weinst, wenn du ankommst, und du weinst, wenn du wieder gehst.“ Das entspricht genau meiner Erfahrung mit Tanger und dies wollte ich im Kontext eines Romans ergründen.

Waren Sie schon häufig in Marokko und was haben Sie vor Ort unternommen?

Ich war bereits dreimal in Marokko. Das erste Mal in Marrakesch, mit einem kurzen Stopp in Tanger. Die beiden anderen Male nur in Tanger. Es war großartig, in Tanger die Librairie des Colonnes zu besuchen, einen Pfefferminztee im Café Hafa zu trinken, das eine wunderbare Aussicht über das Meer bietet – hier treffen sich der Atlantik und das Mittelmeer. Ich habe die Leute im Café Tingis, das im Herzen des Petit Socco liegt, beobachtet, im Souk über Teppiche verhandelt und im Fils du Detroit arabisch-andalusische Musik gehört. In Tanger gibt es so viel zu sehen und bei jedem Besuch entdecke ich etwas Neues.

Gibt es einen bestimmten Grund, warum Nacht über Tanger im Jahr 1956 spielt?

Ich wollte meinen Roman in den 1950-er Jahren verorten. Diese Zeit wird wegen der Künstler und besonders auch wegen der Schriftsteller, die damals in der Stadt gelebt oder dort Halt gemacht haben, häufig als das Goldene Zeitalter Tangers bezeichnet.
Je mehr ich mich mit dieser Zeit beschäftigte, desto mehr habe ich über die Unabhängigkeitsbestrebungen Marokkos und die Unabhängigkeitsbewegungen in Tanger zu der Zeit erfahren. Ich fand es spannend, die politische Situation parallel zu den beiden weiblichen Charakteren zu entdecken, die mit ihrer eigenen Suche nach Identität und den Fragen nach der Selbstbestimmung der Frau in den 1950-er Jahren kämpfen.

Was sind für Sie die wichtigsten Werte in einer Freundschaft?

Sehr viele meiner engsten Freunde leben weit weg – viele noch nicht einmal auf dem gleichen Kontinent. Um diese Beziehungen halten zu können, glaube ich, dass es ein gewisses Maß an Engagement und Entschlossenheit braucht, beides sind Eigenschaften, die meiner Meinung nach wesentlich für jede erfolgreiche Freundschaft sind.

Gab es irgendwelche Vorbilder, die Sie im Kopf hatten, als Sie sich die Figuren Lucy und Alice ausgedacht haben?

Zu den Figuren Lucy und Alice hat mich eine Vielzahl literarischer Einflüsse aus dem Genre Gothic Literature inspiriert. Besonders Lucy stammt von Femme Fatales ab, wie Bertha Mason in Charlotte Brontës Jane Eyre, Victoria in Zofloya von Charlotte Dacre, und sie hat sogar ein bisschen was von Mrs. Danvers aus Rebecca von Daphne du Maurier.
So wie sie, ist Lucy eine Figur voller Brüche, die weder nur gut noch absolut teuflisch ist. Ihre Beziehung mit Alice folgt einer klassischen Täter-Opfer-Beziehung, wie sie in Gothic Novels zwischen Frauen vorkommt.

Glauben Sie, dass eine derart komplizierte Freundschaft, wie die zwischen Lucy und Alice, speziell unter Frauen vorkommt oder können Sie sich auch eine ähnliche Freundschaft zwischen zwei Männern vorstellen?

Man kann diesen bestimmten Typ komplizierter Freundschaft durchaus auch mit zwei männlichen Charakteren beschreiben. Ich glaube zudem auch nicht, dass diese Art der Beziehung grundsätzlich spezifisch für Frauen ist. Ein naheliegendes Gegenbeispiel, das mir als Erstes dazu einfällt, ist Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith und die dort beschriebene Beziehung zwischen Tom und Dickie.

Wie lange haben Sie an »Nacht über Tanger« geschrieben?

Ich habe über ein Jahr an »Nacht über Tanger« geschrieben. Als ich im Frühling 2015 in Tanger war fing ich an Ideen aufzuschreiben, und nach meiner Rückkehr in die USA, begann ich mit der eigentlichen Erzählung, die dann »Nacht über Tanger« werden sollte. Im darauffolgenden Sommer reichte ich mein Manuskript an meinen Agenten weiter und nach ein paar Korrekturläufen konnte ich den Roman an Verlage schicken.

Hat Sie ein bestimmter Roman oder Schriftsteller zu »Nacht über Tanger« inspiriert?

Nein. Ich habe einfach versucht eine Geschichte zu schreiben, die die Elemente enthält, die ich häufig selbst in Romanen suche: Ein spannendes fremdländisches Setting, eine andere Zeit und die Entwicklung einer komplizierten Frauenfreundschaft. Unter den Autoren, zu denen ich immer wieder zurückkomme und deren Bücher ich gelesen und während des Schreibens nochmal gelesen habe, waren unter anderem Daphne du Maurier und Sarah Waters.

»Nacht über Tanger« ist Ihr Debüt. Planen Sie bereits einen weiteren Roman?

Ja, tatsächlich schreibe ich gerade den ersten Entwurf meines nächsten Romans fertig.

New York, Mai 2018

Pressestimmen

„Ein starkes und atmosphärisches Debüt.“ The Guardian

„Es ist kaum verwunderlich, dass Mangan bereits mit der Grande Dame des psychologischen Thrillers, Patricia Highsmith, verglichen wird: Würde man die männlichen Hauptfiguren aus Der talentierte Mr. Ripley gegen weibliche tauschen und die Handlung von Italien nach Tanger verlegen, würde sich dieser Klassiker fast lesen wie Nacht über Tanger.“
Vogue (UK)

„Ein hoch intelligenter Thriller, der den Leser in eine beeindruckende Welt entführt, die er so schnell nicht mehr vergessen wird.“
The Herald

„Der scharfe, detailgenaue Blick der Autorin auf das Innere ihrer Protagonistinnen hält den Leser bis zum bitteren Ende in Atem.“
The Independent

„In diesem Roman trifft Girl on the train den Talentierten Mr. Ripley unter der Marokkanischen Sonne. Die Freundschaft von Alice und Lucy erweist sich als sehr instabil und spiegelt sich in den politischen Unruhen auf den Straßen zu der Zeit wieder. Die eine Frau ist krankhaft besessen von der anderen und zusätzlich gibt es ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das beide durch die heißen Gassen von Tanger verfolgt bis es in einem Finale explodiert.“
The Times

„Ein Debüt mit einer Maßlosigkeit erzählt, die einen in Entzücken versetzt.“
The New Yorker

„Unglaublich dicht, unglaublich klug – Mangan steuert den Leser über schwindelerregende Wendungen in der Handlung, die man nicht erwartet hätte, auf ein schockierendes Finale zu. Ihr Stil ist so versiert, so pointiert, so elegant, so voller Überraschungen und Schönheit, dass man sie nie für eine Debütantin, sondern für einen alten Profi halten würde.“
The San Francisco Chronicle

„Die Lügen, die Gerissenheit und die Falschheit sind so wohlgesittet, dass es einen frösteln lässt. Voller Furcht beschleicht den Leser auf jeder weiteren Seite eine Vorahnung.“
Washington Post

Nacht über Tanger

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