Die Jahrhundert-Trilogie von Carmen Korn

Band 2: Zeiten des Aufbruchs

Auch zum langersehnten zweiten Teil der Jahrhundert-Trilogie von Carmen Korn gibt es ein wunderschönes Interview. Und als kleines Schmankerl gibt es noch drei exklusive Hörproben dazu!
In dem zweiten Band „Zeiten des Aufbruchs“ ist der Zweite Weltkrieg vorbei und Hamburg liegt in Trümmern. Auch Henny und ihre Familie gehören zu den Ausgebombten, doch sie finden Obdach und in den fünfziger Jahren beginnt der Aufschwung mit dem Wirtschafts-wundern und Rock´n´Roll. Bei Henny, Ida und Lina und ihren Familien läuft es gut, doch wo ist Käthe? Hat sie überhaupt überlebt?

Hörprobe 1

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Hörprobe 2

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1) Herzlichen Dank, Frau Korn, das war sehr schön, jetzt zumindest Henny und Käthe schon wieder einmal zu begegnen, auf Ida und Lina müssen wir noch ein bisschen länger warten. Mögen sie uns schon ein bisschen erzählen, wie es den beiden nach dem Krieg ergeht?

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Ja, gerne. Ida lebt mit ihrem Mann Tian und dem gemeinsamen Töchterchen Florentine, die nun acht Jahre alt ist, nach wie vor in der Johnsallee im Haus von Guste. Dort verbringt auch Ida ihre Tage und sie langweilt sich. Es ist ein Zitat im Leben von Ida, dass sie sich langweilt. Eigentlich sollte ihr Töchterchen sie erfüllen, aber die hält sich viel lieber bei Guste auf, die ist nämlich lustiger als Mami und längst nicht so streng. Aber es öffnet sich eine Tür für Ida in die Außenwelt: sie findet eine Arbeit, die auch durchaus glanzvoll ist und sie verdient das erste Mal in ihrem Leben eigenes Geld. Das ist auch gut so, denn ihr Mann Tian hat geschäftliche Sorgen. Sein Kaffeekontor gehört zwar zu denen, die wieder Kaffeebohnen importieren dürfen, aber es kauft keiner Kaffee, weil er viel zu teuer ist. Es liegt eine hohe Steuer auf jedem Kilo Kaffee und die Leute müssen weiter Muckefuck trinken, die können ihm den Kaffee nicht abkaufen. Also das ist nun bei Ida und Tian der Fall. Lina, die hat ja gleich nach dem Krieg mit ihrer Lebensgefährtin Luise und Momme, dem Buchhändler, eine Buchhandlung gegründet, die bis jetzt noch in einer Ruine am Rathausmarkt ist. Nur das Erdgeschoss steht noch, vom ersten Stockwerk gerade noch so viel, dass es nicht durch die Decke regnet. Aber das wird jetzt alles abgerissen, das wird alles freigeräumt: Teile der Mönckebergstraße, des Rathausmarktes. Aber Momme hat auch schon neue Räume gefunden am Gänsemarkt in einem alten Haus, das nur leichte Kriegsschäden hat, dennoch investieren sie viel Geld. Die Buchhandlung wird „Landmann am Gänsemarkt“ heißen, in Erinnerung an Kurt Landmann, dem Freund, der sich 1938 das Leben genommen hatte, nachdem er nicht mehr als Arzt arbeiten dufte. Und beide Frauen, Lina und Luise hatten ja eine besondere Beziehung zu ihm.

2) Am Anfang standen ja eben diese vier Frauen, aber das Netz wird immer größer: Ehemänner, Kinder, bald auch Enkelkinder. Gibt es in Band 2 neue Figuren, die Ihnen besonders am Herzen liegen und auf die wir uns schon freuen können?

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Ja, Alex Kurtenbach und Willi und Minchen Stüwe. Willi und Minchen Stüwe sind ein ungeheuer liebenswertes Ehepaar, ein älteres Ehepaar, das in Hamburg-Eimsbüttel ausgebombt worden ist und in seine Laube im Schrebergartengelände in Moorfleet gezogen ist und dort noch immer in der Laube lebt. Das ist genau das Schrebergartengelände, in dem auch Käthe Obdach findet. Vor allen Dingen Willi mit einer großen Herzensklugheit und Minchen mit einem großen praktischen Talent haben einen hohen Maßanteil daran, dass Käthe ins Leben zurückfindet. Und Alex ist auch ein Heimkehrer, der erst mal bei Guste unterkommt. Ihn finde ich hinreißend, weil er ein großartiger Klavierspieler ist. Er hat das erst bei den Briten im BFBS getan, dann kam er zum NWDR, dem späteren NDR, gründete dort ein Jazzquintett. Er spielt einen leichten Jazz, keinen gefälligen. Dass er das tut und wie er das tut, geschieht in Erinnerung an jemanden, der mir verloren gegangen ist.

3) In dem Roman stecken also auch sehr viele eigene Erlebnisse und Erinnerungen. Große Teile spielen ja in den 50er und 60er Jahren. Welche konkreten Erinnerungen haben Sie selbst an diese Zeit?

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Meine Erinnerungen setzen 1957/58 ein, da nahm mich mein Vater, der ja auch Musiker war, mit ins Funkhaus, in die Aufnahmestudios. Schallplatten wurden damals oft in den Casinos der Briten aufgenommen. Und erst im Laufe der späteren 50er Jahre bauten dann die Schallplattenfirmen modernere Aufnahmestudios. Da war ich auch dabei und habe mich, als ich die Szenen für dieses Buch schrieb, sehr, sehr zuhause gefühlt. Es kam die ganze Atmosphäre, fast der Duft jener Jahre kam wieder hoch. Und ich habe Anfang der 60er einige ganz interessante Interpreten kennengelernt. Ganz oben an kommt jetzt meine Erinnerung: mein Hineinplatzen ins Studio, als ich aus der Schule kam, wissend, dass Friedrich Gulda im Kornett - Studio in Köln aufnahm und am doch etwas erstaunten Tonmeister Wolfgang Hirschmann vorbeilief, um dann Gulda zu huldigen. Der völlig überrascht war, dem es aber ganz gut gefiel, dass da ein junges Mädchen stand und sagte, wie toll sie ihn findet. Ich habe aber auch bei Schlagerproduktionen teilgenommen, in der Electrola, Gitte Henning, die ich sehr gerne gemocht habe. Die wollte ja schon sehr früh auch andere Wege gehen. Das hat man ja nicht zugelassen, sie sollte ja nicht als Cowgirl für einen Mann singen. Aber dann zwei, drei Jahre später ein sehr sympathischen Mann, der hier in Erinnerung von vielen immer als Schnulzen-Heini verschlissen wird: Das war Roy Black. Der war ein sehr guter Musiker, der ganz woanders hinwollte, der aber von dem Produzenten, die um ihn herum waren, zu dem gemacht wurde, wie wir ihn in Erinnerung haben. Und daran ist er letztendlich auch gescheitert.

4) Ich weiß ja auch, dass Sie die Musik der 50er Jahre sehr lieben und auch beim Schreiben ganz viele CDs gehört haben. Was sind so Ihre liebsten Künstler der 50er Jahre?

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Das ist ein weites Feld, natürlich ganz viele der Jazz-Musiker: Dizzy Gillespie, der ganz viel aufgenommen hat, hier im NWDR oder natürlich auch Ella, Ella Fitzgerald. Die deutsche Jazzsängerin, die ich richtig großartig finde: Inge Brandenburg, die heute kaum noch einer kennt, die „Frankies little sister“ genannt wurde und natürlich, wo wir schon bei „Frankies little sister“ sind: auch Sinatra, den mochte ich auch gerne.

5) Damit wir nicht ganz bis zum 23. Juni warten müssen, würden Sie uns noch die Stelle vorlesen, in der sich Henny und Käthe dann endlich wieder begegnen?

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Das mache ich natürlich sehr gerne. Dazu muss ich aber ein bisschen ausholen: Wir haben ja schon gehört, dass die Rückkehr nach Hause Käthe schwerfällt, wie sicher vielen, die Schlimmes erlebt haben. Käthe fühlt sich von ihrer Freundin Henny verraten, während Henny im Idyll mit Ernst lebt. Sie verkriecht sich in der Laubensiedlung und findet dort in Willi und Minchen Stüwe Freunde und erst langsam lässt sie den Gedanken zu, dass Henny vielleicht nichts gewusst haben könnte von Ernsts Verrat. Währenddessen setzen die Uhlenhorster Freunde Woche für Woche eine Annonce in die Zeitung: „Käthe, Rudi lebt. Melde dich bei Theo.“ Doch Käthe braucht lange, sich zu erlauben, Hoffnung zu schöpfen. Dann endlich im Mai 1949 macht sie sich auf den Weg nach Uhlenhorst in die Körnerstraße, wo Theo Unger lebt.

Hörprobe 3

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Zeiten des Aufbruchs

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