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Der Schlüssel zur inneren Freiheit!

Warum stecken wir so oft in emotionalen Tiefs fest?
Bewusstseinstrainer Georg Lolos ist überzeugt, dass unser Ego schuld ist. Er vergleicht es mit einem Haus, in dem jeder Raum einer anderen Seelenlage entspricht. Je nachdem, wo wir festhängen, prasseln negative Gefühle, toxische Überzeugungen und lähmende Ansprüche auf uns ein. Lolos geht unser inneres Ego-Zuhause Raum für Raum durch und zeigt, welche Glaubenssätze uns lähmen. Zugleich weist er mit Achtsamkeitsritualen den Weg aus dem Ego-Gefängnis.
So können wir das Leben endlich willkommen heißen.


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Christine Westermann über Georg Lolos

Georg Lolos
© Olivier Michel

Georg Lolos

Georg Lolos, geb. 1967, ist Bewusstseinstrainer und Achtsamkeitslehrer. Zusammen mit Beata Korioth leitet er die „School for Being“ in Köln. Nach beruflichen Stationen als Fernsehjournalist für politische Magazine und Wissenssendungen, verbrachte er mehrere Jahre in der Gemeinschaft von Nonnen und Mönchen in Plum Village (Frankreich), dem berühmten Kloster von Thich Nhat Hanh. Sein Wissen zu Achtsamkeit und Gelassenheit gibt er in seiner täglichen Arbeit sowie in Workshops und Seminaren weiter.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Aufmerksamkeit und Glaube
Die Räume des Ego
Zwei große Kräfte bestimmen über dein Leben

Raum eins: Der Kontroll-Raum
Wie du in den Kontroll-Raum hineingerätst .
Wie du aus dem Kontroll-Raum herausfindest
Der Kontroll-Raum im Überblick

Raum zwei: Der Minderwert-Raum
Wie du in den Minderwert-Raum hineingerätst
Wie du aus dem Minderwert-Raum herausfindest
Der Minderwert-Raum im Überblick

Raum drei: Der Raum der Bedürftigkeit
Wie du in den Raum der Bedürftigkeit hineingerätst
Wie du aus dem Raum der Bedürftigkeit herausfindest
Der Raum der Bedürftigkeit im Überblick

Raum vier: Der Hybris-Raum
Wie du in den Hybris-Raum hineingerätst
Wie du aus dem Hybris-Raum herausfindest
Der Hybris-Raum im Überblick

Raum fünf: Der Schuld-Raum
Wie du in den Schuld-Raum hingerätst
Wie du aus dem Schuld-Raum herausfindest
Der Schuld-Raum im Überblick

Raum sechs: Der Raum der Verleugnung

Wie du in den Raum der Verleugnung hineingerätst
Wie du aus dem Raum der Verleugnung herausfindest
Der Raum der Verleugnung im Überblick

Raum sieben: Der Widerstand-Raum
Wie du in den Widerstand-Raum hineingerätst
Wie du aus dem Widerstand-Raum herausfindest
Der Widerstand-Raum im Überblick

Raum acht: Der Raum der Gier

Wie du in den Raum der Gier hineingerätst
Wie du aus dem Raum der Gier herausfindest
Der Raum der Gier im Überblick

Raum neun: Der Raum der Verwirrung
Wie du in den Raum der Verwirrung hineingerätst
Wie du aus dem Raum der Verwirrung herausfindest
Der Raum der Verwirrung im Überblick

Raum zehn: Der Raum der Ohnmacht

Wie du in den Raum der Ohnmacht hineingerätst
Wie du aus dem Raum der Ohnmacht herausfindest
Der Raum der Ohnmacht im Überblick

Du bist nicht, was du denkst
»Wer bin ich?«
Dein wahres Selbst
Die zehn Ego-Räume im Überblick
Danksagung


Einleitung

Weder zu Hause noch in der Schule hatte mir jemand beigebracht, mit schwierigen emotionalen Zuständen umzugehen. Der Umzug ins Kloster erschien mir deswegen der einzige Ausweg zu sein. Ich war Anfang 30, befand mich in einer depressiven Grundstimmung und das buddhistische Zentrum des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh war für mich die Hoffnung auf Heilung. Negative Emotionen hatten sich über Jahre in meinen Alltag hineingefressen. Ich war meinen Ängsten und dem Gedanken, minderwertig zu sein, hilflos ausgeliefert. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das gefangen in einer endlosen, furchteinflößenden Geisterbahn saß. In meinem Kopf kreisten die immer gleichen Sorgen und ich hatte keine Ahnung, wie ich diesen inneren Ort des Schreckens jemals würde verlassen können. Seit über zweihundert Jahren wissen wir, wie wichtig die äußere Reinheit für unsere Gesundheit, unsere Lebensdauer und Lebensqualität ist. Deswegen duschen wir, putzen uns die Zähne, reinigen unsere Wohnungen und desinfizieren alles Mögliche. Doch was ist mit unserem inneren Zustand? Was ist mit dem, was den ganzen Tag über in unseren Köpfen und Herzen passiert? Schließlich sind Sorgen und Ängste, Ärger und Schuld, Hass und Gier in unterschiedlicher Intensität bei allen Menschen in jeder Gesellschaftsschicht und Kultur präsent. Dennoch verwenden die meisten von uns sehr wenig Zeit und Energie darauf, ihren inneren Raum klar und sauber zu halten. Die Folgen für die Psyche, den Körper und die ganze Gesellschaft sind seit Langem bekannt: Bei Burn-out, Bluthochdruck, Magengeschwüren, Tinnitus, Süchten, Depressionen und vielem anderen ist unsere innere Verfassung – mindestens – mitverantwortlich. Für die mangelnde Selbstfürsorge zahlt sowohl der Einzelne als auch die gesamte Gesellschaft einen sehr hohen Preis. Doch wir nehmen den Wahnsinn, der sich zeitweise in unseren Gedanken und Emotionen abspielt, wie gottgegeben hin. Es kommt uns überhaupt nicht in den Sinn, dass wir einen Einfluss darauf haben könnten, und wir überlassen es dem Zufall, ob wir diese inneren Stürme überwinden oder jahrelang immer neu unter ihnen leiden. Dabei ist es bemerkenswert, um was wir uns sonst so alles kümmern in unserem Alltag:
Die Sauberkeit unserer Garderobe zum Beispiel scheint uns wichtiger zu sein als die Klarheit unseres Bewusstseins. Den Fleck auf dem T-Shirt behandeln wir normalerweise sofort. Schließlich können wir morgens nicht mit einem Kaffeefleck auf die Straße gehen. Auf gar keinen Fall! Aber mit Ängsten, Sorgen oder Wut? Kein Problem! Raus in die Welt! Wir begreifen nicht, dass wir – theoretisch – ungeduscht und dennoch glücklich vor uns hin stinken können. Aber wir werden auf Dauer nicht glücklich sein, wenn wir unser Innerstes nicht klar und rein halten. Das trifft auf jeden Menschen zu: egal, ob es die Verkäuferin im Supermarkt ist, die Politikerin, der Familienvater, der Lehrer oder die CEO. Wenn wir unsere schwierigen inneren Zustände nicht erkennen und lernen, sie zu transformieren, leiden wir zuallererst selbst und lassen dann unsere Umwelt leiden. Viele von uns kennen nur einen einzigen Weg und hoffen, darüber Linderung zu erfahren: Sie wollen »immer mehr« bekommen. Sie konsumieren »immer mehr«, wollen »immer mehr« Geld, Macht, Sex, »immer mehr« Liebe, Erfolg und Anerkennung, »immer mehr« Abenteuer und Erlebnisse. Da du aber dieses Buch liest, wirst du vermutlich bereits wissen, dass all diese Dinge keinen nachhaltigen positiven Einfluss auf deinen inneren Zustand haben. Es sind Beruhigungspillen, die dir scheinbar Erleichterung verschaffen, aber auch diese ist nur von sehr kurzer Dauer, bevor du schon wieder auf der Suche nach dem nächsten Kick bist. Von deinem emotionalen Zustand hängt nicht nur dein individuelles Glück ab. Aggressionen und Gewalt, Diebstahl und Gier, Konflikte und Terror haben hier ebenfalls ihren Ursprung. Alle unsere Beziehungen, das Zusammenleben gesellschaftlicher Gruppierungen und die Interaktionen von ganzen Völkern und Nationen werden von den inneren Zuständen der Menschen bestimmt. Ob wir aus Furcht Mauern hochziehen und uns abschotten; aus Gier die Umwelt, die Tiere und andere Menschen ausbeuten; ob wir Beziehungen eingehen, die uns nicht guttun; Jobs annehmen, die wir nicht mögen; unsere Kinder misshandeln oder in den Krieg ziehen:
All das tun wir, weil wir nicht in der Lage sind, mit dem tagtäglichen Wahnsinn unserer Gedanken und Emotionen umzugehen. Was in allen Religionen gesucht und gepredigt wird, nämlich Frieden, Liebe, Mitgefühl und Ausgeglichenheit – das findet kaum jemand auf diesem Planeten. Doch die, die es finden, wissen: Es ist möglich und es liegt in unserem Inneren. Es ist fast 20 Jahre her, dass ich in das Kloster Plum Village nach Frankreich gegangen bin, in dem ich dann drei Jahre gelebt habe. Bevor ich hier eintraf, fühlte ich mich andauernd überwältigt von Emotionen wie Einsamkeit oder der Angst, nicht liebenswert zu sein. Ich war nicht in der Lage, mit den abwertenden Stimmen in meinem Kopf umzugehen. Während meines Aufenthalts im Kloster lernte ich, durch achtsame Selbstfürsorge meine Gedanken und Emotionen zu beobachten und mich um sie zu kümmern. Ich lernte Abstand zu den schmerzhaften Zuständen herzustellen und war schließlich in der Lage, mit Liebe und Akzeptanz auf mich zu blicken, was mir vorher schier unmöglich erschien. Als ich das Kloster verließ, wusste ich, dass ich dieses Wissen um die innere Selbstfürsorge nicht wieder verlieren konnte, und wollte es auch an andere weitergeben. Seitdem arbeite ich nicht nur fürsorglich mit meinen eigenen inneren Zuständen, sondern durfte hunderte Menschen dabei begleiten, das Gleiche zu tun. Im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass wir alle unter dem gleichen Wahnsinn leiden. Ich hörte – Jahr für Jahr – von den unterschiedlichsten Leuten die gleichen Überzeugungen. Sie stimmten sehr oft sogar wortwörtlich überein. Darum habe ich begonnen, die emotionalen Zustände zu kategorisieren, unter denen wir leiden. Auf diesem Weg habe ich gemerkt, dass es gar nicht so viele unterschiedliche Zustände sind, wie ich zuerst angenommen hatte. In diesem Buch werde ich diese zehn Bewusstseinszustände vorstellen – mehr gibt es tatsächlich nicht. Dankenswerterweise haben sich einige Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, bereiterklärt, in diesem Buch (unter geänderten Namen) über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ich habe mit etwa 40 Personen Interviews über die schwierigen emotionalen Zustände geführt, die sie besonders gut kennen. Dieses Material ist neben meiner jahrzehntelangen Erfahrung in dieses Buch eingeflossen. Es werden hier keine psychiatrischen Fälle vorgestellt und keine Bewusstseinsveränderungen, wie sie beim Drogenkonsumerlebt werden. Stattdessen geht es um jene emotionalen Schmerzen, die universell sind, weil sie jeder Mensch kennt. Ich habe die Beispiele bewusst so gewählt, dass sie dir die vielen Facetten eines jeden Bewusstseinsraumes aufzeigen, sodass du dich gegebenenfalls darin wiedererkennen kannst. Die Zitate stammen von Menschen, die mit meiner Unterstützung schon eine Zeitlang an ihren Themen gearbeitet haben und deswegen recht reflektiert über ihre Zustände sprechen können. Das macht es dir, so hoffe ich, leichter, diese zehn Ego-Zustände auch bei dir selbst aufzuspüren. Dieses Buch soll dir als praktische Anleitung dienen: Es bietet dir einerseits ein Diagnoseinstrument, um deine problematischen inneren Zustände zu erkennen, und gleichzeitig einen Wegweiser, um sie zu überwinden. Du kannst es lesen und damit arbeiten, wenn dich eine praktische Anregung anspricht. Außerdem sind im Text einzelne Worte hervorgehoben – das ist eine Aufforderung zum Üben an dich: In dem Moment kannst du eine neue innere Ausrichtung annehmen. Steht dort zum Beispiel entspannen, Hier und Jetzt oder Beobachtung, dann nimm dir während des Lesens einen Augenblick Zeit, um zu entspannen oder ins Hier und Jetzt zu kommen oder um den inneren Zustand zu beobachten, in dem du dich gerade befindest. Je spontaner, liebevoller und klarer du deine schmerzhaften Zustände beobachten kannst, umso leichter wird es dir fallen, sie zu durchschauen und Abstand zu ihnen zu gewinnen. Durch die innere Distanz verlieren sie ihre beängstigende Wirkung. Du erkennst dann, dass die Geisterbahn nur aus Pappfiguren mit Kostümen und Requisiten besteht. Es kann sein, dass du dich dennoch ab und zu erschreckst, aber du erlebst den Spuk nicht mehr als »die Realität«. Dadurch bekommst du eine größere innere Freiheit und mehr Frieden. Mein Lehrer Thich Nhat Hanh sagt, dass nur dann Frieden in der Welt entstehen kann, wenn innerlich Frieden herrscht. Solange wir den Krieg in uns nicht beenden, kann sich auch da draußen kein Frieden einstellen. Die Arbeit fängt immer bei jedem Einzelnen von uns an. Dieser Planet kann auf Dauer kein gerechterer, friedlicherer Ort werden, an dem wir respektvoll und mitfühlend mit uns selbst, unseren Mitmenschen, den Tieren, Pflanzen und der Erde selbst leben, wenn wir nicht beginnen, uns um unsere inneren Zustände zu kümmern. Egal ob Krieg oder Frieden, Ausbeutung oder Mitgefühl – mit dem, was in deinem Bewusstsein geschieht, beginnt alles und endet alles.

Aufmerksamkeit und Glaube

Wir brauchen mehr Verständnis über die menschliche Natur. Die einzige wirkliche Gefahr, die existiert, ist der Mensch selbst … Wir wissen nichts über den Menschen – viel zu wenig. Sein Bewusstsein muss studiert werden, denn wir sind der Ursprung von allem Bösen.
Carl Gustav Jung in einem Interview 1959

»Na, bist du wieder in deinen Zustand? Hast du wieder deine fünf Minuten?« Als Kind hörte ich diese Sätze immer mal wieder von meiner Mutter. Sie sagte sie, wenn ich wegen irgendeiner Kleinigkeit
ärgerlich wurde und mich schmollend in mein Zimmer verkroch. Oder auch, wenn ich brüllend durch das Haus raste, weil ich mich in einen Superhelden verwandelt hatte: »Na, bist du schon wieder in deinem Zustand?« Immer wenn sie mir diese Frage stellte, stoppte ich für einen kurzen Augenblick und versuchte nachzuvollziehen, was sie meinte – was sie da gerade in mir gesehen hatte. Heute würde ich sagen, dass ich für einen Moment aus »diesem Zustand« heraus trat und von außen auf mich schaute. Manchmal veränderte sich durch diesen Außenblick mein Verhalten und ich wurde etwas ruhiger und entspannter. Aber in der Regel hielt diese beobachtende Pause nicht lange an und kurze Zeit später rannte ich unvermindert weiter durchs Wohnzimmer – mit meinen Superkräften. Allerdings begriff ich, dass der »Zustand«, den meine Mutter in mir sah, eine spezielle Qualität besaß. Und weil ich immer nur hörte, wie wir Kinder auf unsere emotionalen »Zustände« angesprochen wurden, vermutete ich lange, dass Erwachsene keine »Zustände« und niemals »ihre fünf Minuten« hätten. Als ich älter wurde, musste ich jedoch sehr bald feststellen, dass dies keineswegs der Wahrheit entsprach. Unsere emotionalen Zustände ereignen sich in unserem Bewusstsein. Für den Begriff »Bewusstsein« gibt es in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen keine einheitliche Definition. In der Philosophie, in den Neurowissenschaften, in der Psychologie und in den Religionswissenschaften wird er jeweils anders verwendet. Wenn in diesem Buch über Bewusstsein gesprochen wird, dann ist das intelligente Feld in dir gemeint, das alles wahrnimmt. Es ist die Essenz deiner Lebensenergie – dein »wahres Selbst«. Mit diesem Feld nimmst du wahr: Sinneseindrücke wie Geräusche und Bilder genauso wie Emotionen und Gedanken. Dein Bewusstsein empfängt alle Botschaften und wertet sie aus. Es erscheinen sekündlich so viele Informationen, dass du ständig Entscheidungen darüber triffst, welchen Reizen du Aufmerksamkeit schenkst und welchen nicht. Wenn du zum Beispiel durch eine Stadt läufst, erreichen unzählige Sinneseindrücke dein Wahrnehmungsfeld. Die Aufmerksamkeit wird sich aber – zwangsläufig – nur auf einige davon richten können. Hörst du plötzlich ein Auto hupen, wird sie eher dort hingehen als zu dem Geräusch des Milchaufschäumers, das aus dem Café kommt. Da, wo deine Aufmerksamkeit hingeht, entsteht deine Realität. Die Aufmerksamkeit bestimmt die Perspektive, die du im Hier und Jetzt einnimmst. Du kannst zu mir nach Hause kommen und auf die Blumen in der Vase schauen oder auf den Staub in den Ecken. Je nachdem wo du hinblickst – welche Perspektive du einnimmst –, wirst du eine andere Realität erleben und in mir einen anderen Menschen sehen. Aber in den meisten Fällen entscheidest nicht du, wo deine Aufmerksamkeit hingeht. Sie schweift in der Regel wahllos hin und her, folgt irgendwelchen Gedanken in Räume hinein und hakt sich dann dort in irgendeinem Zustand fest. Deine Aufmerksamkeit folgt meistens dem, was du bereits kennst, was du trainiert hast, wie du konditioniert wurdest. Hast du es zu einer Gewohnheit gemacht, dich zuerst auf das zu fokussieren, was nicht funktioniert, dann wird deine Aufmerksamkeit natürlich als Erstes dorthin gehen und nicht zu dem, was gut läuft. Du blickst auf den Dreck und nicht auf die Blumen. Um die Sinneseindrücke zu bewerten, die deine Wahrnehmung erreichen, ist in der Regel ein Instrument zwischengeschaltet: der Verstand. Das ist der Ort in deinem Bewusstsein, wo alle gedanklichen Prozesse passieren. Er ist dafür zuständig, alles einzuordnen und zu kategorisieren. Der Verstand wird auf Gefahren hinweisen und Lösungen für Probleme anbieten. Du entscheidest dann, ob du den Vorschlägen folgst oder nicht. Der Verstand produziert rund um die Uhr neue Gedanken und schleudert sie in dein Bewusstsein. Wenn du beginnst, diesen Prozess achtsam zu beobachten, dann wirst du feststellen, dass der Verstand autonom arbeitet. Die allermeisten Gedanken tauchen einfach von selbst auf, du hast darauf keinen Einfluss. Natürlich gibt es Gedanken, die du mit Absicht denkst, aber der große Teil deiner Denkvorgänge passiert ohne dein Zutun. Du kannst daher auch nicht wissen, was du in fünf Minuten denken wirst. Kein Mensch auf diesem Planeten weiß, was er in fünf Minuten denken wird! Du denkst nicht, sondern etwas denkt in dir. Der Verstand ist ein hervorragendes Instrument. Unsere Zivilisation wäre ohne ihn nicht dort, wo sie heute ist. Er ist hervorragend, solange er gelenkt und geleitet wird. Aber bei den meisten von uns hat er jedes Maß verloren. Er ist vom Instrument zum Herrscher aufgestiegen und kommandiert uns den ganzen Tag herum. Das kann er deswegen, weil wir uns zu einhundert Prozent mit ihm identifizieren. Da ist kein Abstand mehr zwischen uns und unserem Verstand. Wir glauben: »Ich bin, was ich denke.« Innere Stille, also die zeitweise, bewusst wahrgenommene Freiheit von Gedanken, kennen nur die wenigsten. Wir vertrauen blind allen Vorschlägen, die der Verstand produziert, und wundern uns dann, wenn wir uns ängstlich, aggressiv oder verstört fühlen. Gehorsam springen wir jedem Gedanken hinterher, den er ausstößt: »Da muss ich noch hin. Ich darf die Rechnung nicht vergessen. Morgen kommen die Nachbarn zu Besuch. Kann der nicht anständig parken? Was kostet das noch mal? Hoffentlich werden die Schmerzen nicht schlimmer. Ich Idiot habe das Tanken vergessen! Was fällt dem bloß ein! Hoffentlich geht das gut! Jetzt regnet es schon wieder …« Es ist unglaublich anstrengend, diesem gedanklichen Strom zu folgen, der unser Bewusstsein durchdringt. Aber das eigentliche Problem ist, dass dieser Output verantwortlich dafür ist, dass wir in schmerzhaften emotionalen Zuständen landen.

Die Räume des Ego

Stell dir vor, die Weite deines Bewusstseins ist ein stilles, friedvolles Universum. In ihm steht jedoch ein großes Haus, in dem es gewaltig lärmt. In den Räumen dieses Hauses »wohnen« deine schwierigen emotionalen Zustände. Und meist hältst du dich ebenfalls in diesem Haus auf. Du bist ab und an auch in dem ruhigen Garten drumherum, in dem du positive Emotionen hast. Und nur ganz selten bist du außerhalb des Grundstücks in der stillen Weite des Bewusstseins. Die schwierigen Emotionen können ihre Zimmer nicht verlassen, aber du gehst sie besuchen. In jedem Raum herrscht eine ganz eigene Stimmung und Atmosphäre. Betrittst du ein Zimmer, verändert sich schlagartig deine Perspektive. Du atmest die Luft des jeweiligen Zustandes ein und beginnst fast unmittelbar innerlich so zu vibrieren, als ob du ein Lautsprecher wärst, der an eine Musikanlage angeschlossen wurde. Dein ganzes Wesen nimmt die Schwingungen des Raumes auf und gibt sie weiter. Deine Emotionen verändern sich sofort, denn du bist wie hypnotisiert von dem Zustand, der in diesem Raum vorherrscht. Überschreitest du zum Beispiel die Schwelle zu dem Raum, in dem der »Minderwert« wohnt, bist du den Dämpfen und Schwingungen dieses Zustandes ausgeliefert. Deine Emotionen und deine Perspektive passen sich seiner Atmosphäre direkt an. Die Luft, die du einatmest, ist geschwängert mit Minderwert. Du wirst dich zwangsläufig minderwertig fühlen, ungeliebt und einsam. Solange du hier drinnen bleibst, bist du mit diesem emotionalen Zustand identifiziert. Je nachdem, welchen Raum du betrittst – welche Atmosphäre du einatmest und in welche Schwingungen du gerätst – verändert sich deine gesamte Stimmungslage und deine Perspektive aufs Leben. Aus meiner Erfahrung gibt es insgesamt zehn solcher Räume in dem Haus. »Minderwert« ist einer davon. Doch egal, welches dieser zehn Zimmer du betrittst: Du wirst in ihnen leiden. Denn all diese Bewusstseinszustände fühlen sich mangelhaft und unausgeglichen an. Wir können dieses Haus auch Ego nennen und du wirst im Verlauf des Buches verstehen, warum. Frei, friedvoll und glücklich kannst du dich nur außerhalb des Ego-Hauses fühlen. Dann bist du entweder im Garten vorm Haus, in dem du angenehme Emotionen erlebst. Oder du verlässt den Einflussbereich des Ego-Hauses völlig und ruhst in der friedvollen Weite deines Bewusstseins. Dies ist dein natürlicher, ursprünglicher Zustand. Es ist der Zustand, den du als kleines Kind erlebt hast, als du noch nicht identifiziert warst mit Gedanken und deinem Ego. Beobachte ein Kleinkind, das einfach nur aus der Stille schaut, und du wirst eine Ahnung von dem bekommen, was ich meine. Dies ist der Zustand der Erleuchteten. Darum sagt Jesus: »Wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen«2. Später werde ich noch näher auf diesen natürlichen Zustand eingehen. Vollkommen »draußen« ist der Großteil der Menschen nur sehr selten. Die meiste Zeit irren sie in den Zimmern umher oder stehen zumindest an der Schwelle zu einem der zehn Räume. Du betrittst einen bestimmten Zustand dann, wenn sich deine Aufmerksamkeit gezielt an bestimmte Gedanken heftet. Irgendwelche Gedanken sind immer vorhanden, dein Verstand produziert kontinuierlich neue. Daher ist deine Aufmerksamkeit dauernd in Bewegung und springt mal zu dem und mal zu jenem Gedanken. Sie ist dein Kundschafter, durch den du weißt, was in deinem Bewusstsein vor sich geht. Da es aber so viele Gedanken sind, lässt die Aufmerksamkeit den Großteil einfach weiterziehen, ohne ihn zu beachten. Doch manche Gedanken wecken das Interesse deines Kundschafters: Auf sie richtet sich dann deine Aufmerksamkeit. Nehmen wir an, es schwebt ein Gedanke vorbei, der die Info trägt: »Ich bin nicht gut genug!« Fühlt sich deine Aufmerksamkeit von diesem Gedanken aus irgendeinem Grund angezogen, dann folgt sie ihm. Sie folgt ihm in das Ego-Haus hinein und dort direkt in den Minderwert-Raum. Sobald sich die Tür hinter ihr schließt, beginnt die Vernebelung deiner Wahrnehmung. Du atmest die Dämpfe des Minderwerts ein und dein Bewusstsein gerät in diese niedrige Schwingung. Innerhalb kürzester Zeit fühlst du dich nicht liebenswert, traurig und allein. Derart hypnotisiert glaubst du alles, was dir deine Gedanken hier erzählen. Du bist eins mit dem Raum des Minderwerts. Wie aber kommst du wieder heraus?

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