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Erfahre hier mehr zum historischen Hintergrund der Elsass-Reihe von Marie Lacrosse

Das Weingut - In stürmischen Zeiten

Marie Lacrosse

Weißenburg im Elsass im Jahr 1870: Die junge Waise Irene kommt als Dienstmädchen in das Herrenhaus des reichen Weinhändlers Wilhelm Gerban. Dessen Sohn Franz glaubt an die Ideale der französischen Revolution, wofür sein Vater wenig Verständnis hat. Als Irene auf Franz trifft, verlieben die beiden sich leidenschaftlich ineinander. Doch nicht nur Standesschranken und familiäre Intrigen stehen ihrer Beziehung im Wege. Auch am europäischen Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Ein furchtbarer Krieg bricht aus. Gegen alle Widerstände kämpfen die beiden jungen Leute um ihr Glück. Bis das Schicksal unbarmherzig zuschlägt ...

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Dienstmädchen im 19. Jahrhundert

Dienstmädchen zu sein, war im 19. Jahrhundert nicht nur einer der schwersten, sondern auch der am wenigsten angesehene Frauenberuf.
Der Lohn der meist sehr jungen Frauen vom Lande war lächerlich. Manchmal arbeiteten sie bis zu sechzehn Stunden am Tag nur für schmale Kost und ein oft erbärmliches Quartier in einer Rumpelkammer oder gar einem Hängeboden, einer Art Zwischendecke, in der man kaum aufrecht sitzen konnte.
Aufgrund der bigotten bürgerlichen Moral des 19. Jahrhunderts schamhaft verschwiegen, war die sexuelle Ausbeutung der Dienstmädchen, entweder durch den Hausherrn selbst oder seine Söhne. Eine Schwangerschaft führte unweigerlich zur unehrenhaften Entlassung, verbunden mit einem Eintrag im sog. „Gesindebuch“, ohne das Dienstboten sich sogar strafbar machten, wenn sie eine neue Stelle suchten. Viele auf solche Weise entlassene Frauen endeten im Elend der Prostitution.
Wie sehr man Dienstmädchen als „Unperson“ betrachtete, wird an der weit verbreiteten Sitte deutlich, sie mit einem anderen Vornamen zu rufen, wenn ihr Taufname zufällig der gleiche war wie der der Hausherrin oder ihrer Töchter.

Irene, die weibliche Hauptfigur des Romans „Das Weingut – In stürmischen Zeiten“ kommt aus dem Waisenhaus ins Anwesen des reichen Weinhändlers Gerban. Auch wenn es ihr nicht so schlecht ergeht wie manchen ihrer Leidensgenossinnen, stellt die schwere und eintönige Hausarbeit für sie eine beständige Unterforderung ihrer Geistesgaben dar. Dienstmädchen wurde weder Bildung zugetraut noch über die nötigsten Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen zugestanden. Darunter leidet Irene sehr, zumal die Tochter des Hauses sie ihre untergeordnete Stellung bei jeder Gelegenheit spüren lässt.
Dass Franz, der junge Herr, es tatsächlich ernst mit ihrer Beziehung meint, ist so unüblich für die 1870er Jahre, dass Irene ein erhebliches Risiko eingeht, als sie sich auf sein Werben einlässt. Und so wundert es niemanden, dass die Liaison schnell zu scheitern scheint …

Das Großbürgertum im 19. Jahrhundert

Erst ungefähr ab der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt sich in Europa eine neue Gesellschaftsschicht herauszubilden, das sog. „Großbürgertum“.
Mit der zunehmenden Industrialisierung erwarben vor allem ehemalige Handwerker und Kaufleute durch Gründung von oder Beteiligung an Fabriken oder großen Handelsunternehmen ein beträchtliches Vermögen. Zunehmend gewannen sie auf nationaler und kommunaler Ebene auch politisch an Einfluss.
Sagte man vor den großen Revolutionen vor allem dem Adel nach, dass er sich dem einfachen Mann aus dem Volke durch seine Geburt weit überlegen fühlte, so stand ihm das Großbürgertum darin in nichts nach. Zwar konnte es seine herausgehobene Stellung nicht auf „Gottes gewollte Ordnung“ zurückführen, aber der häufig durch unmenschliche Arbeitsbedingungen der einfachen Leute erworbene Reichtum diente als ausreichender Ersatz.
Je einfacher die ehemalige Herkunft der Familie war, desto größer waren oft Hochmut und Verachtung, mit denen man den unteren Klassen begegnete.
Dagegen war die Heirat mit einem verarmten Mitglieds des Adels oder gar der Aufstieg in diese Gesellschaftsschicht in vielen Großbürgerfamilien oberstes Ziel.

Franz Gerban, der einzige Sohn der reichen Weingutsfamilie, bildet daher in der Tat eine bemerkenswerte Ausnahme. Es ist zwar nicht so, dass ihm die Annehmlichkeiten seines sorglosen Alltagslebens nichts
bedeuten. Aber im Gegenteil zu vielen seiner Zeitgenossen hat er sich die Achtung vor der Würde auch von Menschen aus den unteren Schichten bewahrt. Er fühlt sich ihnen weder charakterlich noch intellektuell überlegen, ganz im Gegenteil zu seiner jüngeren Schwester Mathilde.
Sie ist die Inkarnation des dünkelhaften, verzogenen „gnädigen Fräuleins“, blind für die eigenen Schwächen und überzeugt davon, etwas Besseres zu sein als Menschen aus einfachen Verhältnissen. Damit zieht sie sich Franz‘ Verachtung zu, ebenso wie sein Vater Wilhelm, den er aufgrund seiner Manipulation und skrupellosen Ausbeutung Schwächerer ablehnt.

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71

Die Schützengräben des Ersten und die Bombardements des Zweiten Weltkriegs sind uns auch heute noch gut bekannt. Doch das Grauen des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 liegt überwiegend im Dunkel der Geschichte.
Ausgelöst durch einen heute kindisch anmutenden Anlass in Form eines respektlosen Briefwechsels („Emser Depesche“), deren Inhalt gleichwohl den Nationalstolz beider Völker verletzte, forderte dieser weniger als ein Jahr währende Krieg mit über 400 000 toten und verwundeten Soldaten eine unmenschlich hohe Anzahl an Opfern.
Die meisten Schlachten fanden dabei zwischen dem 4. August (Weißenburg/Elsass) und dem 1. September 1870 (Entscheidungsschlacht in Sedan) statt. Sie wurden allesamt von den Franzosen verloren, doch auch von den deutschen Siegern mit einem ungeheuren Blutzoll bezahlt. In geradezu selbstmörderisch anmutendem Gebaren stürzten sich vor allem Offiziere beider Armeen an der Spitze ihrer Soldaten schutzlos ins gegnerische Gewehr- oder Artilleriefeuer.
Doch der schnelle Tod in der Schlacht war das gnädigere Schicksal für viele Opfer. Das Lazarettwesen stand noch in seinen Anfängen, eine systematische und effektive Versorgung der Verwundeten existierte auf keiner Seite. Für die Verletzten gab es oft tagelang keine Hilfe. Es blieb überwiegend der Zivilbevölkerung rund um die Schlachtfelder überlassen, die Toten zu begraben und die Verwundeten zu bergen und zu pflegen.

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