Interview mit Eyal Kless

Interview mit Eyal Kless

Wussten Sie, dass Eyal Kless Whisky liebt?

Erzählen Sie ein wenig über sich
Ich bin klassischer Violinist, bin international erfolgreich, aber unterrichte auch Geige. Mein erster Roman, Rocca’s Violin, erschien 2008 auf Hebräisch im Koriim-Verlag.
Ich wurde in Israel geboren, habe aber bereits die ganze Welt bereist, in verschiedenen europäischen Ländern gelebt und in Irland sogar einige Auftritte als Stand-up-Comedian absolviert. Inzwischen lebe ich wieder in Tel Aviv, wo ich an der Universität Tel Aviv Geige unterrichte und Konzerte gebe – meistens mit dem von mir gegründeten Israel Haydn Quartett.
Ich habe mit meiner Partnerin eine Tochter, Ella. In der Vergangenheit habe ich alle möglichen Kampfsportarten ausgeübt, es aber in keiner zu einem schwarzen Gürtel gebracht. Ich diskutiere leidenschaftlich gern über Politik (international und Mittlerer Osten) und verbringe meine Zeit viel zu gern mit Videospielen. Außerdem bin ich stolzer Dungeon Master, wenn auch im Ruhestand. Ich kaufe aber immer noch jedes Buch zum Thema und träume in der Sprache der Goblins.

Schreiben Sie auch Kurzgeschichten?
Sehr wenige, und die sind nie veröffentlicht worden. Irgendwie brauche ich eine größere Leinwand, um meine Geschichten zu erzählen.

Was hat Sie dazu gebracht, Schriftsteller zu werden?
Ich wollte immer schon schreiben, schon seit ich Kind war, aber ich habe nie eine bewusste Entscheidung getroffen, Autor zu werden. Mein erster Roman ist einem glücklichen Zufall zu verdanken: Eine Freundin der Familie hat mich zum Schreiben ermutigt und Rocca’s Violin in dem Verlag herausgebracht, für den sie arbeitete. Aber auch nach Erscheinen des Romans habe ich mich nicht als Schriftsteller betrachtet. Das schwarze Mal hat über zwanzig Jahre in verschiedenen Ordnern meiner Computer geschlummert, ehe ich das Buch zu Ende geschrieben habe. Für die Fortsetzung von Das schwarze Mal habe ich nur acht Monate gebraucht.

Was inspiriert Sie/Wie finden Sie Ihre Themen?
Ich habe spannende Szenen in meinem Kopf, die ich dann in Worte fasse. Die meisten Ideen bekomme ich von Filmen, die ich gesehen habe, oder Bücher, die ich gelesen habe, aber auch wenn ich Leute beobachte, wie sie miteinander umgehen.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Ich habe gerade die Fortsetzung zu Das schwarze Mal beendet und warte jetzt auf die immer zeitaufwändige Redaktions-Phase (die ich sehr liebe!). In der Zwischenzeit arbeite ich an einem Fantasyroman, der eine Art Hommage an den großen Terry Pratchett ist und in dem es um einen Goblin geht, der Detektiv ist, und einen Rabbi, der Vampire jagt …

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Terry Pratchett hat mich sehr stark beeinflusst. Von ihm habe ich gelernt, wie wichtig Humor und Menschlichkeit ist, auch im Fantasy-Genre. Iain Banks hat mir gezeigt, wie tief man sich eine andere Welt hineinversetzen kann und dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Welche Bücher haben Sie zuletzt gelesen?
Wenn ich gerade schreibe, vermeide ich, etwas aus demselben Genre zu lesen, um mich nicht beeinflussen zu lassen. Im Moment bin ich gerade Testleser für zwei noch unveröffentlichte Bücher: Eines ist von dem israelischen Autor Nir Hezroni und trägt den Titel Apply Pressure und das andere ist von Clayton Tailor Woods, der sich selbst verlegt und mir ausgesprochen gut gefällt.

Haben Sie eine Lebensphilosophie?
Es gibt keinen Rückfahrtschein für die Reise, auf der wir uns befinden, und wir wissen nicht, wann wir an der letzten Haltestelle ankommen … Daher sollten wir das Leben voll auskosten, optimistisch sein, freundlich sein und viel lachen.

Was tun Sie, wenn Sie gerade nicht schreiben?
Ich bin Vater, Dozent für Geige in Vollzeit und trete jedes Jahr mit vielen Konzerten auf. Meine Tage sind also ziemlich gut gefüllt, aber wenn ich mal Freizeit habe, verbringe ich die mit Kampfsport (im Moment MMA) und Videospielen.

Fünf Dinge, die wir von Ihnen noch nicht wissen …
Ich liebe Whisky.
Ich hasse es, mich zu rasieren.
Ich wünschte, ich hätte Zeit für einen Hund.
Ich liebe Whisky (jetzt wissen Sie, wie sehr!).
Ich hatte immer schon großes Lampenfieber, und auch wenn ich es dann doch immer in den Griff bekomme, es bleibt ein Problem.

Zu Ihrem aktuellen Buch

Wie würden Sie Ihren Roman in einem Satz beschreiben?
Ein dystopischer Roman über einen einfachen Geschichtsschreiber der Historiker-Gilde, der auf eine praktisch unmögliche Mission entsandt wird, um die Söldnerin Vincha zu finden und sie dazu zu bringen, alles preiszugeben, was sie über Rafik weiß, einen Jungen, den sie den Puzzler nennen und der zehn Jahre zuvor verschwunden ist.

Was hat Sie auf die Idee zu Ihrem Roman gebracht?
Ehrlich gesagt: mein Handy. Vor langer Zeit habe ich einmal das sehr primitive Klapp-Handy betrachtet, dass ich damals hatte, und mir kam der Gedanke, dass ich meinen Kindern zwar beibringen könnte, wie man es benutzt, aber keine Ahnung habe, wie man es herstellt oder repariert (was praktisch für alles Technische um mich herum gilt – den meisten geht es so). Dann habe ich mir eine Zivilisation vorgestellt, die zwar noch weiß, wie sie ihre Technologien nutzt, aber nicht mehr in der Lage ist, sie selbst herzustellen. Diese Leute müssten sich notgedrungen Technologien aus zerstörten Städten holen … und das gab dann den Auslöser für mein Buch.

Haben Sie eine Lieblingsfigur und warum?
Ich glaube, alle Hauptakteure haben eine besondere Bedeutung für mich. Funkelauge ist der Erzähler, eine sehr selbstkritische und eher zynische Figur, aber auch sehr neugierig und intelligent. Er macht einen Fehler nach dem anderen, ist tollpatschig und neigt zu falschen Schlussfolgerungen. Kurz gesagt, ein Durchschnittstyp, der in eine Geschichte hineinschlittert, die mehrere Nummern zu groß für ihn ist, und dem es gelingt, mit heiler Haut aus allen möglichen Abenteuern herauszukommen, die jeden anderen umgebracht hätten. Da die Geschichte ja in der ersten Person erzählt wird und Funkelauge alle Geschehnisse aus seiner Sicht beschreibt, ist mir diese Figur natürlich am nächsten.

Galinak ist der Superheld, der wir wohl alle gern wären. Er kann kämpfen wie kein anderer und weiß es, er ist ein guter Kerl und zugleich auch ein knallharter Typ. Er ist älter als die anderen und auch ein bisschen weise. Er hat die lustigsten Sprüche bekommen.

Vincha ist die Figur, mit der man sich vielleicht am wenigsten identifiziert, aber sie ist der Motor, der die Handlung vorantreibt. Sie ist eine echte Frau, keine zweidimensionales Filmsternchen. Eine Mutter, die alles tut (und ich meine ALLES), um ihr Kind zu schützen, eine supertoughe Söldnerin, die Kämpfe anzettelt und auch zu Ende bringt. Sie unterstützt die Guten und kommt auch wieder auf die Beine, wenn sie mal den Kürzeren zieht.

Alle drei Hauptfiguren tragen unterschiedliche Züge des Menschen in sich, der ich versuche zu sein.

Last not least ist noch Dominique zu erwähnen. Sie taucht nur für relativ kurze Zeit in dem Roman auf, aber ich kann Ihnen sagen, die ist so etwas von präsent … warten Sie nur ab, bis Sie sich selbst davon überzeugen.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Die Schlussszene und die gesamte Reise durch die Stadt im Berg. Ich bin nicht so besonders wild auf Landschaftsbeschreibungen – zum Teil, weil ich finde, dass der Leser seine eigene Version der Ereignisse entwickeln sollte, (und zum Teil, weil ich zu faul dazu bin). Eine futuristische Stadt im Inneren eines Bergs zu beschreiben, war ein hartes Stück Arbeit für mich. Ich hatte zwar das Bild in meinem Kopf, war aber nicht sicher, wie stark ich ins Detail gehen sollte. Dazu musste ich mich regelrecht überwinden, weil ich viel lieber mit dem Kampfgetümmel und den Dialogen weitergemacht hätte, aber ich bin drangeblieben. Die Schlussszene war ebenfalls schwierig, weil eine solch ungeheure Schlacht sehr chaotisch abläuft. Man weiß, was man selbst tut, und vielleicht noch, was der Nebenmann gerade macht, aber man hat keinen Überblick über das Ganze. Es war eine ziemliche Gratwanderung, dem Leser die Draufsicht auf das Tohuwabohu zu erlauben, und gleichzeitig die sehr persönliche Perspektive des Erzählers beizubehalten.

Für welchen Typ Leser ist Ihr Buch Ihrer Meinung nach geeignet?
Im Grunde für jeden, denke ich. Aber ich bin da natürlich nicht objektiv. Ich habe es für Erwachsene geschrieben und es enthält jede Menge Gewaltszenen und ungehöriges Verhalten, aber einige meiner Testleser haben es ihren Kindern im Teenageralter zu lesen gegeben und die waren ganz begeistert. Im Moment schreibe ich ja an der Fortsetzung, die noch ein bisschen düsterer wird, und merke, dass es da eine ganz subtile Verbindung zwischen den Handlungsbögen beider Bände und mehreren Hauptfiguren gibt. Mehr verrate ich nicht, aber ich glaube, dass Leser zwischen vierzig und fünfzig das Buch am besten zu schätzen wissen.

Mit welchen anderen Romanen könnte man Ihr Buch vergleichen?
Mein Buch ist mit Das Buch der Neuen Sonne von Gene Wolfe verglichen worden, aber auch mit Die Königsmörder-Chronik von Patrick Rothfuss, Die Drachenreiter von Pern von Anne McCaffrey und Der Wüstenplanet von Frank Herbert. Manche haben auch Parallelen zu den Filmen Mad Max Fury Road und Das Fünfte Element angestellt. Das sind ganz schön große Fußstapfen …

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern noch etwas mitteilen?
Als ich anfing, Das schwarze Mal zu schreiben, wusste ich nicht, wo die Reise hingehen sollte und ob überhaupt irgendetwas daraus würde. Mein Antrieb waren nur die Bilder und Dialoge, die ich im Kopf hatte. Und nun schreibe ich einen Text, um mein Buch für die Veröffentlichung in der deutschen Sprache vorzustellen! Wer hätte das für möglich gehalten?

Ich wünsche mir sehr, dass Ihnen dieser Roman gefällt, an dem ich – okay, wir – so hart gearbeitet haben. Er ist wie ein schmackhaftes Gericht aus dem Mittleren Osten (wo ich lebe): eine Explosion von Farben und Geschmacksnuancen, die mitunter gegensätzlicher nicht sein könnten, aus denen aber etwas Neues entsteht, wenn sie aufeinandertreffen.

Das schwarze Mal enthält viele düstere Momente, aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Es kommt immer wieder zu brutalen Szenen, und doch geht es in der Geschichte auch um die Liebe von Eltern zu ihren Kindern. Es erwarten Sie viel Säbelrasseln, witzige Dialoge, mit einer Portion Selbstzweifel gemischter Zynismus und ein Hauch Heldentum als i Tüpfelchen.

Mir hat es großen Spaß gemacht, Das schwarze Mal zu schreiben, und hoffe, dass Sie beim Lesen ebenso auf Ihre Kosten kommen.

Ihr
Eyal Kless

Das schwarze Mal

(8)
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