VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü

Interview mit Rüdiger Gamm

Menschen, die zu so ungewöhnlichen Gedächtnisleistungen fähig sind wie Sie, können – wie wissenschaftlich nachgewiesen – andere Hirnregionen nutzen, die normale Menschen nicht nutzen können. Lassen sich diese Hirnregionen denn auch von Otto-Normaldenker erschließen?
Rüdiger Gamm: Ob sich Normaldenker dieselben Hirnregionen zunutze machen können ist so nicht zu sagen, aber wir wissen mittlerweile, dass sich das Gehirn wie ein Muskel trainieren lässt und somit die verwendeten Regionen erweitern und auch neue erschließen kann.

Geht Ihre Zahlenvirtuosität eigentlich zu Lasten anderer Eigenschaften? Haben Sie beispielsweise Schwierigkeiten mit Fremdsprachen?
Rüdiger Gamm: Eigentlich nicht, meine einzige Einschränkung liegt in meinen hausmännlichen Fähigkeiten.

Was, denken Sie, ist der für normal denkende Menschen wichtigste Teil Ihres Buches?
Rüdiger Gamm: Am wichtigsten ist wohl die regelmäßige Umsetzung der Übungen. Denn wie beim Sport ist auch hier die Stetigkeit einer der ausschlaggebendsten Faktoren.

In einem Satz: Was raten Sie Menschen, die Ihre Gedächtnisleistung verbessern möchten?
Rüdiger Gamm: Benutzen und fordern Sie Ihr Gehirn!

Sie veranstalten auch Seminare unter anderem für Spitzensportler. Was möchten Sportler von einem Zahlengenie wie Ihnen wissen?
Rüdiger Gamm: In meinen Seminaren geht es nicht um Rechnen oder Zahlen. Ich verwende Zahlen nur als Hilfsmittel, um – wie in den Visualisierungsübungen im Buch – die eigene Leistungsfähigkeit zu stärken und verbessern.

Wie fühlen Sie sich bei öffentlichen Auftritten, wenn Sie vor Publikum rechnen müssen?
Rüdiger Gamm: Meist sehr entspannt, manchmal auch etwas euphorisch. Lampenfieber gibt es gelegentlich auch, aber vor allem macht es mir Freude, Menschen zu begeistern und sie so zum Teil zu eigenen Leistungen zu animieren.

Ist Kopfrechnen eigentlich körperlich anstrengend?
Rüdiger Gamm: Eher nicht, am Anfang habe ich immer wieder den Fehler gemacht, zu viel zu wollen, was gelegentlich zu Kopfschmerzen führte; Sport und körperliche Anstrengung sind ein wunderbarer Ausgleich und bringen mir sehr viel Entspannung.

Haben Sie eine Lieblingsprimzahl? Wenn ja, warum?
Rüdiger Gamm: Derzeit ist es die 983. Das liegt daran, dass es momentan die höchste Primzahl ist, durch die ich teile. Dabei kommt es zu einer 982-stelligen Periode nach dem Komma. Wenn ich weitermache, wird es immer die nächsthöhere Primzahl sein.

Die Fragen stellte Bernd Degner,
Heyne Verlag, Presseabteilung