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Jancee Dunn im Interview

»Nach der Geburt eines Kindes ist da nicht nur ein neues Familienmitglied, auch die Beziehung ist eine neue – und um die gilt es sich gleichermaßen zu kümmern wie um das Baby.« Im Interview zu ihrem neuen Buch "Bring deinen Mann nicht gleich um - Du könntest ihn noch brauchen" gibt Jancee Dunn praktische Tipps, wie die Beziehung nicht am Kind zerbricht.

Viele Eltern haben schon erlebt, wie sich die Beziehung zum Partner nach der Geburt des ersten Kindes in einen nervlichen Drahtseilakt verwandelt. Wie haben Sie die Zeit erlebt?
Ich bin selbst nach der Geburt zu diesem ständig lauernden Hausdrachen geworden, der nur darauf wartet, dass der Ehemann irgendwas falsch macht. Ich habe mich in meiner Rolle des wütenden Opfers derart wohl gefühlt, dass mir die vielen guten Sachen, die er für mich und unser Kind tat, völlig entgingen. Im Laufe unserer Therapien und Selbstversuche wurde mein Mann für mich dann zu einem richtig guten Verbündeten.

Sie reden in Ihrem Buch von dem Phänomen des Maternal Gatekeepings. Was hat es damit auf sich?
Maternal Gatekeeping bedeutet, dass Mütter den Vätern entweder das Tor öffnen und sie ermutigen, sich mit einzubringen – oder ihnen die Tür vor der Nase zuknallen und ihre Interaktion mit den Kindern kontrollieren oder gar limitieren. Letzteres Verhalten kann alles umfassen, vom alleinigen Treffen sämtlicher Entscheidungen in Bezug auf Kindergarten und Schule, über die Kritik an dem von ihm gekochten Mittagessen („Da fehlt doch das Gemüse!“), bis hin zu lautstarkem Protest, wenn er einmal mit den Kindern herumtollt („Hey, nicht so wild, wir wollen doch nicht in der Notaufnahme landen!“). In einigen Fällen sind sich die Mütter noch nicht einmal bewusst, dass sie all das tun – doch selbst nonverbale Signale der Missbilligung wie Augenrollen oder Seufzen können auf einen ohnehin zaghaft agierenden Vater abschreckend wirken. Das Ergebnis: Je mehr sie ihn kritisiert oder Dinge für ihn übernimmt, desto unsicherer wird er und traut sich nichts mehr. Väter sollten viel öfter dazu ermutigt werden, Zeit allein mit ihren Kindern zu verbringen, ohne dass die Mütter sich einmischen.

Was hilft, um zukünftige Streitereien mit dem Partner zu vermeiden?
Es hilft, wenn man die großen Fragen vorab klärt. Mein Mann und ich hätten uns unheimlich viele Kämpfe erspart, wenn wir uns vor der Geburt unserer Tochter die Zeit genommen hätten, einige wichtige Themen anzugehen. Wie stehen wir dazu, wenn das Kind bei uns im Bett schläft? Wer kümmert sich um das Kind, wenn es krank ist? Inwieweit beziehen wir die Verwandtschaft in das Leben unserer Tochter ein? Welche Dinge, die wir in unserer eigenen Kindheit mochten, wollen wir ihr vermitteln? Was wollen wir unbedingt vermeiden? Diese Fragen sind relevant, weil sie die eigenen Werte zutage fördern, derer man sich vielleicht gar nicht richtig bewusst war.

Was empfehlen Sie streitenden Eltern, deren Kinder schon auf der Welt sind? Was kann man tun, um die Beziehung zu stabilisieren?
Machen Sie sich klar: Ihr Mann kann keine Gedanken lesen. Kaum zu glauben, wie viele Stunden ich auf meine Wut verschwendet habe, in der Hoffnung, mein Mann würde ganz intuitiv mit anpacken und mich entlasten. Daher gilt: Deutlich sagen, was man will. Das Verhalten meines Manns änderte sich erst, als ich lernte, ihm ganz ruhig und konkret meine Wünsche zu erklären. Diese Taktik funktioniert viel besser als das ewige Grübeln oder das wütende: „Ich mach ja hier wohl alles allein“.
Außerdem war eine der hilfreichsten Lektionen für mich: Schluss mit den Geschichten, die man erfindet. Brené Brown, Autorin von „Laufen lernt man nur durch Hinfallen“, behauptet, dass wir anderen oft die detailliertesten Beweggründe für bestimmte Verhaltensweisen andichten, die nichts mit der Realität zu tun haben (wenn eine Kollegin ein Lächeln nicht erwidert, sagt einem das Kopfkino sofort, dass man sie sicher in irgendeiner Form beleidigt hat und sie deswegen nicht grüßt). Wann immer ich mir im Geiste zusammenfantasiere, was mein Mann gerade denken könnte (in der Regel etwas Hämisches oder Fieses), erzähle ich ihm davon. Das baut sofort Spannungen ab und hilft uns beiden, den Standpunkt des anderen zu verstehen. Mein Mann kommt mir gar nicht mehr so fies vor, wenn er mir erklärt, er hätte eigentlich gerade über elektrische Schaltkreise nachgedacht – und nicht etwa darüber, wie schön es wäre, bequem auf dem Sofa zu liegen, während ich die Wäsche mache.

In Ihrem Buch sprechen Sie auch davon, wie wichtig Dankbarkeit und Großzügigkeit in der Beziehung sind.
Es kostet kaum Mühe, seine Dankbarkeit zu äußern, und für mein Empfinden kann man einem anderen Menschen gar nicht zu viel danken. Ein einfaches „Dankeschön“ nimmt uns das Gefühl, nur ein einfacher Bühnenarbeiter zu sein, der im Hintergrund die Kulissen regelt, während die anderen vorne auf der Bühne ihren Spaß haben. Ein weiterer Tipp: „Nicht auf das Geschenk pinkeln“. Wenn ich zu meinem Mann sage, es wäre in Ordnung für mich, wenn er am Samstag Fußballspielen geht, kann ich ihm hinterher nicht die kalte Schulter zeigen.

Bring deinen Mann nicht gleich um, du könntest ihn noch brauchen Blick ins Buch

Jancee Dunn

Bring deinen Mann nicht gleich um, du könntest ihn noch brauchen

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