Leserstimme zu
Winesburg, Ohio

Winesburg - eine Geisterstadt

Von: Heiner Klaus aus Zürich
19.11.2018

Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume bestimmen den Alltag der Menschen in Winesburg, heisst es im Beschrieb oben und ich füge an, dass niemand den Weg zu einer Erfüllung der Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume kennt. Es ist noch schlimmer: Vielleicht ist es nur ein Gefühl, vielleicht gibt es Indizien im Kopf, aber egal, formulieren, es ausdrücken, das kann keiner. Darum sind alle allein, befangen und einsam, selbst die Verheirateten. Mancher ist ein bisschen schrullig. Trotzdem bekommen wir Leser diese Kleinstadtbewohner lieb. Eine der schönsten Geschichte ist das Treffen der Elizabeth Willard aus der 3. und Doktor Reefy aus der 2. Geschichte in der drittletzten Geschichte, wo sie herausfinden, dass sie die gleichen Götter verehren. In den letzten zwei Geschichten kommen die schönen jungen Leute zum Zug, Helen White und George Willard. Aber auch aus ihnen gibt es kein Paar und Willard zieht allein weg in die grosse Stadt. Noch ein Wort darüber, wie das Buch zum Lesen ist. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die immer eine Person in den Vordergrund rückt. Aber in fast allen Geschichten treten auch Leute aus anderen Geschichten wieder auf, zuvorderst der Lokalredeaktor George Willard, dessen Schreibstube über der Druckerei mitten im kleinen Städtchen liegt. George Willlard kommt in fast jeder Geschichte vor. Als das Buch 1919 herauskam, war die Kritik sehr irritiert. Man konnte noch nicht sehen, dass es eine Moderne einläutete. Eine Zeitlang war es gar vergriffen und heute ist es das berühmteste Werk dieses Autors.