Leserstimme zu
Das Licht

Ein schriller Trip

Von: Silke Schröder, hallo-buch.de
12.02.2019

Fitz arbeitet an der Harvard University an seiner Doktorarbeit, als er endlich von dem Psychologieprofessor Tim Leary eingeladen wird. Zusammen mit seiner Frau Joanie soll er an einem Samstagabend an einer LSD-Party teilnehmen – alles streng wissenschaftlich kontrolliert, versteht sich. Doch Fitz merkt schnell, dass es hier nicht nur um ein naturwissenschaftliches Projekt geht, sondern um eine ganz neue, revolutionäre Art des Zusammenlebens und des Bewußtseins. Schon bald ist er so begeistert von den neuen Erfahrungen, dass er sich zusammen mit Joanie und ihrem 13jährigen Sohn dem Zirkel um den verrückten Professor anschließt. Gemeinsam ziehen sie nach Mexiko, um hier und in einem großen Haus an der US-Ostküste andere Lebensformen auszuprobieren und das Leben mit Drogen, Sex und ausschweifenden Partys zu genießen. Packend und sehr authentisch erzählt T.C. Boyle die Geschichte um den LSD-Guru Timothy Leary, der Anfang der 1960er Jahre mit dem Konsum von synthetischen Drogen und der Suche nach bewußtseinserweiternden Erfahrungen revolutionäre neue Wege in der Psychologie beschreiten wollte. Im Mittelpunkt stand dabei die halluzinogene Droge LSD, die damals noch frei erhältlich war und als ideales Mittel galt für den Ausbruch aus den eingefahrenen Gleisen der gesellschaftlichen Normalität – turn on, tune in, drop out. Doch Boyle zeigt auch auf, wie schnell die Schattenseiten dieses neuen experimentierfreudigen Lebensgefühls sichtbar wurden: Eifersucht statt freier Liebe, Abhängigkeit statt relaxtem Genuss, Verpeilung statt erweitertem Realitätssinn. Im Mittelpunkt seiner Story steht das Ehepaar Joanie und Fitz, das sich auf unterschiedliche Art mit all diesen Erfahrungen auseinandersetzt. Dabei switcht Boyle immer wieder zwischen den Perspektiven der beiden hin und her. So ist “Das Licht” ein schriller Trip durch eine kurze Phase der drogengestützten gesellschaftlichen Anarchie, deren Wirkung bis heute nachhallt.