Leserstimme zu
Der Rat der Gerechten

Ein ungewöhnlicher Roman, der mich aber nicht packen konnte

Von: Annette Traks
18.03.2019

Iwona Bejnar (25) stammt aus einer armen polnischen Familie, die in einem kleinen Ort nahe der weißrussischen Grenze lebt, wo die Gegensätze beider Bevölkerungsgruppen das Bewusstsein der Menschen prägen. Obwohl Iwona eigentlich mit Quaku verlobt ist, nimmt sie nach zweimonatiger Bekanntschaft den Heiratsantrag des 66-jährigen Weißrussen Piotr Bondaruk an. Der Vater von drei erwachsenen Söhnen ist reicher Besitzer einer Holzfabrik und verspricht Iwona und ihrer Familie ein Leben in Wohlstand. Er selbst will nach der Eheschließung das Leben im Ruhestand genießen. Während der Hochzeitsfeier, die unter Polizeischutz stattfindet, verschwindet die Braut spurlos. Auch frühere Partnerinnen Bondaruks sind wie vom Erdboden verschluckt, und einige Leute vermuten sofort einen Zusammenhang. Iwonas Vater hatte seiner Tochter sogar die Heirat verbieten wollen und ihr während der Vorbereitungen zugeflüstert: "Bondaruk ist der Sohn eines Mörders. Er hat seine Frauen umgebracht! Es ist mir scheißegal, wie viel Kohle er hat." (E-Reader Pos. 1120) Die Polizei sucht Unterstützung bei der Profilerin Sasza Załuska, die bei ihren Recherchen tief in die Vergangenheit der Kleinstadt und ihrer Bewohner vordringt. Sie stößt dabei schließlich auf ein Verbrechen, deren Urheber nicht bestraft wurden, und an dem Bondaruk nicht unbeteiligt war. Resümee: In diesem Werk geht es laut Klappentext um die Aufklärung des Verschwindens von Iwona Bejnar und früherer Partnerinnen ihres Bräutigams Piotr Bondaruk. Die Profilerin Sasza Załuska unterstützt dabei die Ermittler. Die Taten treten allerdings in den Hintergrund bzw. sind "nur" der Aufhänger für das Herausarbeiten vieler Lebensgeschichten. Dies geschieht in epischer Breite und killt eine stellenweise zart aufkeimende Spannung sofort wieder. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass das Buch nicht als Krimi oder Thriller vermarktet wird, sondern als Roman. Ergo: Der Klappentext verspricht mehr - vor allem mehr Spannung -, als die Handlung hergibt. Insgesamt fand ich das Buch sehr mühsam zu lesen. Das liegt nicht nur an der Ausführlichkeit der Darstellungen, die oft ermüdend wirkt, sondern auch an Folgendem: • Es treten sehr viele Personen auf - die Zahl an sich ist schon eine Herausforderung! -, die alle ausländische Namen haben, zum Teil auch noch Kosenamen. Das kann man nun gewiss nicht der polnischen Autorin anlasten, schließlich hat sie dem Roman auch ein Personenregister vorangestellt. Jedoch ändert das nichts daran, dass der Leser immer wieder überlegen oder zurückblättern muss (beim Reader umständlich), um sich zu vergewissern, wer wer ist. Das hemmt den Lesefluss enorm. • Es gibt viele Zeitsprünge, • etliche Handlungsstränge und • die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt - wie bereits erwähnt, stets in epischer Breite. • Einige schwer verständliche Sätze sind vielleicht der Übersetzung geschuldet. Das alles hat zur Folge, dass man sich beim Lesen durchgehend ziemlich konzentrieren muss, um nicht den Faden zu verlieren. Die Profilerin Sasza Załuska ist mir im Verlauf der Handlung sehr sympathisch geworden. Die Mutter einer kleinen Tochter hat beruflich und privat eine traumatische Vergangenheit, ist trockene Alkoholikerin und versucht gerade, wieder Fuß zu fassen. Fazit: Dies ist ein ungewöhnlicher Roman mit einem interessanten Plot. Die Absicht der Autorin, Lebensgeschichten zu erzählen, die teilweise miteinander verwoben sind, wird deutlich, jedoch konnte mich das Werk nicht packen.