Leserstimme zu
Mein Sommer auf dem Mond

Packend, berührend und Mut machend ...

Von: Sharon Baker
06.04.2019

Fritzi kommt an der Ostsee an und kann es immer noch nicht fassen, dass sie wirklich hier ist, im Therapiezentrum auf Rügen, für psychische Probleme bei Jugendlichen. Hier soll sie nun ihre Panikattacken überwinden lernen und es am besten wie einen Urlaub empfinden. Super Idee, und es kommt noch besser, plötzlich gehört sie zur Gruppe der Astronauten und steht dem lässigen Bastian, dem coolen Tim und der verträumten Sarah gegenüber. Ganz klar möchte keiner über seine Probleme sprechen, schon gar nicht hinter seine Fassade gucken lassen und trotzdem sollen sie als Team zusammenarbeiten. Fritzi bezweifelt sehr, dass das überhaupt funktionieren kann, aber es gibt keine Ausflüchte mehr, alle werden immer wieder zusammengeführt und bekommen eine Aufgabe. Diese wird sie überfordern, durchschütteln, aber auch jedem näherkommen und somit müssen sie sich ihren Ängsten stellen, können Mut aus der Gruppe schöpfen, über sich hinauswachsen und wer weiß, was in diesem Sommer noch alles passiert. Welche Krankheit verbirgt jeder vor dem anderen? Gibt es eine Therapie dafür? Und können diese Freaks wirklich Freunde werden? Für Fritzi beginnt nun ein großes Abenteuer ... Adriana Popescu die Autorin mit den locker leichten Geschichten, die mit viel Witz, mega Filmwissen und tollen Figuren überzeugen kann, hat nun ernstere Töne angeschlagen. Sich Problemen der heutigen Gesellschaft gewidmet, die sich zu gern, verstecken, unter dem Teppich kehren lassen, oder gar keine Erwähnung finden. Dabei sind sie überall zu finden, umzingeln unsere Umgebung und doch muss man ganz genau hinschauen, um sie zu verstehen. Diese Autorin hat genau hingeschaut und erzählt eine Geschichte, die zeitlos und mega wichtig ist und wie sie mir gefallen hat, könnt ihr schon an den einleitenden Worten erahnen, nämlich gigantisch gut. Mehr nun hier. Die Geschichte wird trotz der vier Personen, nur aus Fritzi und Bastis Schicht erzählt. Fritzi reißt gern freche Sprüche, sie ist richtig gut darin schnell zu kontern und andere mundtot zu machen, aber dahinter steckt einfach eine große Angst, eine Panikattacke zu bekommen. Sie leidet unsagbar unter der Scheidung ihrer Eltern, sie koppelt sich immer mehr von ihrer besten Freundin ab und hat einfach keine Kraft mehr zu agieren. Tja, und jetzt ist sie auf Rücken, den Ort, den sie mit ihrer Freundin bereisen wollte und nun aus ganz anderen Gründen hier ist. Nun muss sie sich fremden Menschen öffnen, aber wer erzählt schon gern von seinen eigenen Schwächen. Aber die Neugier wächst auch, was die anderen in der Gruppe so haben. Immerhin ist Tim, der überaus coole Sportler, der Star im Fußballteam und mit hübscher Freundin, ständig wütend. Sarah extrem schüchtern und sie macht sich so klein, als ob sie verschwinden möchte und da ist auch noch Basti und für ihn, könnte Fritzis Herz schneller schlagen. Basti lässt ganz anders in seinen Kopf schauen und seine Geschichte ist extrem heikel und ernst. Er hat einen Bösewicht im Kopf, der ihn zur dunklen Seite ziehen möchte und der ständig bekämpft werden will. Das kostet Basti ohne Ende Kraft, aber dann kommt Fritzi und ein Grund, endlich über seine Ziele im Leben nachzudenken. Was genau Basti, oder die anderen mit sich rumtragen verrate ich nicht, das müsst ihr bitte selber rausfinden. So steht am Anfang natürlich jeder jedem skeptisch gegenüber, man möchte gar nix mit dem anderen zutun haben, denn der Gedanke, dass alle Freaks sind, wird uns ja bei jeder gesellschaftlichen Gelegenheit suggeriert. Psychische Erkrankungen sind keine Krankheiten, das bildet sich nur jeder ein, dieses Trugbild trägt unsere Gesellschaft gern nach außen und deshalb sind solche Geschichten umso wichtiger. Diese Vier sind nur ein kleiner Einblick aus dem weiten Specktrum der psychischen Erkrankungen, die gleiche Krankheit kann bei jedem anders Verlaufen, aber es ist unglaublich gut eingefangen. Diese Geschichte soll Mut machen, sie soll zeigen, dass man was tun kann und das man nicht allein ist. Allein dafür müsste diese Geschichte noch von ganz vielen gelesen werden, denn Verstehen ist der erste Schritt zur Hilfe. Ich bin ziemlich begeistert von der Art, wie Adriana Popescu das Thema anpackt, wie immer schlägt sie einen lockeren Ton an, der einem zum Lachen bringt, aber dabei verliert die Autorin nie die Ernsthaftigkeit aus den Augen. Obwohl man bei vielem Schmunzeln muss, geht die Geschichte unter die Haut, sie berührt, sie rüttelt an einem und man wächst, mit den vieren zusammen. Am Anfang rätselt man über die verschiedenen Krankheitsbilder mit, aber schnell wird für den ungeübten klar, wo das Problem besteht und was dahinter steckt. Aber nicht nur die Suche, nach dem erkennen, hält einen auf Trapp, nein unsere Vier, müssen sich kennenlernen, vertrauen und zusammenhalten. Das ist toll eingebunden, und obwohl, dieser Stoff so schwer ist und wir hier von einem Therapiezentrum sprechen, möchte man dabei sein, dazugehören und mithelfen, das Leben neu zu gestalten. Allein, das die Autorin einen dieses Gefühl weckt, ist schon ziemlich großartig. Mein Sommer auf dem Mond ist packend, berührend und absolut wichtig. Für die Autorin eine Hommage an den Film „The Breakfast Club“ zeitlos, immer noch mega aktuell und auf dem Punkt. Diese Geschichte ist genauso, ein Underdog-Hit mit mega Aussage und Qualität. Unbedingt lesen.