Leserstimme zu
Rachesommer

Spannender Start einer (neuen) Reihe

Von: Chridhe
30.06.2019

Protagonist des Romans ist zum einen Kommissar Walter Pulaski. Dieser hat sich nach dem Krebstod seiner Frau zum Kriminaldauerdienst in Leipzig versetzen lassen, um im geregelten Dienst mehr Zeit für seine Teenagertochter zu haben. Nicht nur seine Degradierung ist dafür verantwortlich, dass man den cleveren kettenrauchenden Ermittler nicht mehr ernst nimmt, auch sein Asthma sorgt dafür, dass man ihm nur noch harmlose Fälle überträgt. Wie in vielen Kriminalromanen üblich, beginnt der wortkarge, einsame Ermittler, gegen den Willen seiner Vorgesetzten Nachforschungen in einem vermeintlichen Selbstmord anzustellen, die ihn schließlich nach Norddeutschland führen. Und wo er mehr zufällig der Wiener Anwältin Evelyn Meyers begegnet. Diese befindet sich in einer ähnlichen Position wie Pulaski, ist sie doch zufällig über verdächtige Todesfälle gestolpert, bei denen gutsituierte Männer der deutschen und österreichischen Gesellschaft ums Leben gekommen sind. Gegen die Anordnung ihres Chefs beginnt sie zu recherchieren. Als ihre Nachforschungen sie schließlich nach Norddeutschland führen, lernt sie den Leipziger Polizeibeamten Pulaski kennen … Zwei verschiedene Ermittler und zwei verschiedene Fälle, bei denen es sich in den Augen der Behörden nur um simple Selbstmorde oder tragische Unfälle handelt – wo kann es hier schon einen Zusammenhang geben? Die Auflösung ist Gruber wirklich großartig gelungen! Immer mit dabei und gefühlt in der ersten Reihe: der Leser bzw. Zuhörer. Da dieser im Gegensatz zu den Protagonisten beiden Handlungssträngen folgt und bereits Zusammenhänge herstellen kann, wo dies für Pulaski und Evelyn noch nicht möglich ist, ahnt er schon relativ früh, dass es einen Zusammenhang gibt und worum es sich dabei handeln könnte. Der Leser bzw. Zuhörer fiebert richtiggehend mit. Er hofft, dass die beiden den Täter bzw. die Täter finden und nicht selbst Opfer der Drahtzieher werden. Bei all dem macht es sich Andreas Gruber aber nicht einfach, sodass am Ende jeder für sich entscheiden muss, ob der Mörder nicht in Wirklichkeit auch ein Opfer ist – obwohl der Autor natürlich eine Richtung vorgibt. Zum Hörbuch Gelesen wird das Hörbuch zu Rachesommer von Achim Busch, und das wirklich exzellent. Er findet in meinen Augen genau die richtige Sprechgeschwindigkeit, hat eine ruhige, angenehme Art, sodass man sich einerseits beim Zuhören nicht langweilt, andererseits der zum Teil komplexen Handlung mit den vielen Perspektiv- und Zeitenwechseln sehr gut folgen kann. Und die Art und Weise, wie Busch die unterschiedlichen Figuren spricht und ihnen so einen individuellen, unverwechselbaren Charakter verpasst – großartig! Gerade bei den Frauenfiguren gelingt ihm dies gut. Mein Fazit: Solide Krimikost, die den Zuhörer/Leser vom Prolog an in ihren Bann zieht! Definitiv nicht geeignet, um es vor dem Einschlafen zu hören bzw. lesen – man kann nämlich nicht aufhören! Das Hörbuch macht damit Lust auf die weiteren Bände der Serie um Walter Pulaski.