Leserstimme zu
Die geliehene Schuld

Die Suche nach der Wahrheit

Von: Tine_0111
29.09.2019

Berlin, Sommer 1949: Vera Lessing hat während des zweiten Weltkrieges ihre Eltern und ihren Mann verloren. Trost findet sie in der Arbeit als Redakteurin der Zeitung “Echo“. Bei dieser arbeitet auch ihr Jugendfreund Jonathan. Doch als dieser auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird sie unweigerlich in seine Arbeit hineingezogen. Jonathan hat Recherche zu ehemaligen Kriegsverbrechern betrieben und war demnach an einem heiklen Thema auf der Spur. Gleichzeitig hielt er Kontakt zu einer Jungen Frau namens Marie Weißenburg, die als Sekretärin im Stab Konrad Adenauers arbeitet. Vera geht Jonathans Spuren nach, die sie in Kreise der mächtigsten Geheimdienste führt. Der Prolog war spannend und gab mir erst mal einen vermeintlich sicheren Hinweis auf das Thema dieses Romans. Weit gefehlt… Die Thematik der Geschichte ist komplex und so fand ich die kleine Landkarte und das Personenverzeichnis im Buch sehr hilfreich. Der Roman wird zu Beginn auf zwei Zeitebenen erzählt. Veras in 1949 und Jonathans und Maries in 1948. Diese beiden Zeitstränge werden von der Autorin so geschickt erzählt, so dass diese sich zeitlich immer weiter annähern, bis sie beide in 1949 enden. Gegen Ende werden die Personen in den einzelnen Zeitebenen mehr, aber keine Sorge, als Leser verliert man zu keinem Zeitpunkt den Überblick. Der Schreibstil ist so authentisch, dass man die Umbruchstimmung Deutschlands zu der Zeit wirklich spürt. Ebenso aber auch, dass die Vergangenheit noch belastend auf dieser liegt. Gerade das merkt man aber auch am Chaos dieser Zeit. So läuft man mit Vera durch das zerbombte Berlin und sieht wie Charaktere Freundschaften schließen, die in den Kriegsjahren undenkbar gewesen wären. Zudem kommen Fragen auf, wieviel Freunde und Familie wirklich über die Machenschaften der Nazis wussten. Wem kann man trauen und wem nicht? Hoffnung geben Vera demnach auch die Verhandlungen über das Grundgesetz, welches hier ebenfalls am Rande thematisiert wird. Gegen Ende des Buches konnte ich dieses vor Spannung kaum noch aus der Hand legen. Immer neue Wendungen kam und nahmen einen Ausgang mit dem ich nicht gerechnet hätte. Das Nachwort der Autorin sollte aber hier auch nicht ungenannt bleiben. Schonungslos und informativ gibt sie hier noch mal Dinge zu ihrer Recherche wieder. Dieses Buch hat hat mich auch nach dem beenden nicht zur Ruhe kommen lassen und so habe ich auch hier ein wenig Recherche betrieben. Auch unter Berücksichtigung der besonderen Umstände dieser Zeit und das es irgendwie weiter gehen musste, kann ich den letzten Absatz des Nachwortes bis jetzt nicht wirklich nachvollziehen... Fazit: Ein aufwühlender, komplexer, aber auch wirklich fesselnder Roman, der mir eine neue Sicht auf die Nachkriegszeit gegeben hat. Absolute Leseempfehlung!!