Leserstimme zu
Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass

Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass (Jodi Taylor)

Von: Poldi
02.06.2020

Madeleine Maxwell, von allen nur Max genannt, begleitet ihre Freundin Kal an ihrem letzten Tag am Institut für Zeitreisen, bei dem sie sich ihr Ziel selbst aussuchen konnte. Und so reisen die beiden ins viktorianische London, um Jack The Ripper zu treffen. Mit ihrer Ausbildung und den modernen Waffen fühlen sie sich sicher, haben aber nicht mit der Heimtücke des Prostituiertenmörders gerechnet. Nicht die einzige Herausforderung, die Max mit ihrem Team zu meistern hat – auch wenn sie plötzlich ganz allein dasteht… Mit „Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass“ hat Jodi Taylor bereits den zweiten Band ihrer Zeitreise-Buchreihe geschrieben und bringt dabei – wie der Titel bereits andeutet – einige Neuerungen mit sich. So ist Hauptfigur Max nicht mehr nur eine Miss, sondern hat voller Stolz einen Doktortitel erlangt und muss sich auch schon bald als Leiterin des Instituts behaupten. Der rote Faden durch die Serie ist aber eher dünn, die Erzählung konzentriert sich vor allem auf die aktuellen Ereignisse und erzählt dabei wieder eher episodenhaft. Es gibt mehrere in sich abgeschlossene Abenteuer, die auch allein oder in einem anderen Band der Reihe funktionieren würden, es baut sich also kein Spannungsbogen über das gesamte Buch hinweg auf. Dieser kleine Kniff ist nur ein Merkmal des ungewöhnlichen Schreibstils der Autorin, auch die fast vollständige Fokussierung auf ihren Hauptcharakter und die oft stakkatohafte Berichterstattung zeichnen sie als sehr individuelle Autorin aus. Das ist durchaus erfrischend, manchmal aber auch etwas anstrengend zu lesen. Wie auch schon der erste Band ist Nummer zwei nicht sonderlich tiefgründig oder logisch aufgebaut und will das auch gar nicht sein. Hier geht es ganz allein um den Spaß an der skurrilen Geschichte und die vielen sehr gelungenen Einfälle, die von großer Kreativität zeugen. Es macht Spaß, dies alles in recht komprimierter Form zu lesen, ich hätte mir an einigen Stellen jedoch eine bessere Einbettung in den historischen Kontext gewünscht – einerseits in Sachen Atmosphäre, die eine durchgängig moderne Wirkung hat, andererseits auch, um mehr über die jeweiligen Zeitsprünge zu erfahren. Ein wenig zusammengestückelt wirkt der Roman mal wieder, der Spaß leidet darunter nicht – seien es die flotten Sprüche, die Kontraste zwischen den Figuren oder ein kleiner Hang zum Slapstick. Mir hat auch der zweite Band der Buchreihe sehr gut gefallen, der wieder mit vielen sehr starken Einfällen und einer herrlich skurrilen Szenerie punkten kann, leider aber auch die Schwächen des ersten Bandes nicht ausgleichen kann. So wirkt das Ganze manchmal etwas unausgegoren und zu sehr auf den witzigen Moment bedacht, eine Spur mehr Tiefgang hätte ich mir gewünscht. Dennoch: „Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass“ hat mir viel Spaß gemacht und ist sehr kurzweilig zu lesen.