Leserstimme zu
Auf dem Weg

Der Sinn des Lebens: Mit Yongey Mingyur Rinpoche „Auf Dem Weg“

Von: Hendrik Roggemann
29.08.2020

„Eine Reise zum wahren Sinn des Lebens“ ist der Untertitel des Buches von Yongey Mingyur Rinpoche, einem buddhistischen Führer der neueren Zeit. Sein Buch ist nicht nur voller buddhistischer Weisheiten, sondern auch ein spannender Reisebericht seines „Ausbruchs“ aus dem Kloster hinein in die Welt der ganz normalen Menschen mit ihren täglichen Sorgen. Nach einem privilegierten Aufwachsen im Kloster entscheidet sich Yongey Mingyur Rinpoche, mit 37 Jahren auf Wanderschaft als Bettelmönch zu gehen und verlässt in einer Nacht- und Nebelaktion heimlich sein Kloster. Zwar ist er mit großer Weisheit und Meditationspraxis ausgestattet. Doch das praktische Leben auf der Strasse ist für ihn völlig neu und überwältigend. Es beginnt schon mit dem Kauf einer Bahnfahrkarte. Denn dies wurde bis dahin immer durch andere für ihn erledigt. Auf seiner Reise begegnet er vielen unterschiedlichen Menschen und immer tiefer auch sich selbst. Dabei gibt das Buch Einblicke in die buddhistische Philosophie, Hinweise darauf, wie man selbst mit verschiedenen Situationen umgehen kann und eröffnet dabei neue Perspektiven. Doch die besondere Tiefe dieses Buches entsteht aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Sterben und der Sterblichkeit an sich. Der Autor „vervollständigt“ seine Studien zum Sterben durch seine eigene, dramatische Nahtoderfahrung. Es ist phasenweise beruhigend, beim Lesen zu wissen, dass es das Buch nicht geben würde, wenn der Autor nicht überlebt hätte. So knapp war es. Durch die Augen des Autors lernt man als Leser viele Dinge zu schätzen, die im Alltag selbstverständlich erscheinen. Und man lernt das Leben in seiner Besonderheit zu schätzen sowie den Tod als unvermeidlichen Teil davon. Insgesamt keine ganz leichte Lektüre, aber sicher eine große Bereicherung für alle Interessierten des buddhistischen Weges und Menschen, die nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens suchen.