Leserstimme zu
Charles – Mit dem Herzen eines Königs

Charles: Mit dem Herzen eines Königs, vorsicht Spoiler!

Von: Götz Piesbergen
21.07.2015

Die britischen Royals sind eine faszinierende Familie. Ohne sie wären sicherlich viele Klatschblätter arbeitslos. Doch die Ära Elisabeth II. nähert sich unweigerlich ihrem Ende zu. Und ihr Nachfolger soll ihr ältester Sohn Charles werden. Doch was für eine Person ist der Prinz? Catherine Mayer versucht in "Charles: Mit dem Herzen eines Königs" eine Annäherung. Die Autorin ist Journalistin. Seit über drei Jahrzehnten hat sie über internationale Politik und Zeitgeschichte berichtet. Sie war Leitende Redakteurin der Time und Vorsitzende der Foreign Press Association. Im Laufe ihrer Karriere hat sie viele Führungspersönlichkeiten interviewt. Es wirkt paradox. Einerseits lebt Charles in Leben in aller Öffentlichkeit. Doch andererseits ist er auch ein großer Unbekannter, vor allem für diejenigen, die nicht in Groß Britannien leben und Teil der Kultur ist. Für sie ist es überraschend, von Charles aktiven Bemühungen zu lesen, die Politik mit seinen Notizen zu beeinflussen. Doch dabei ist dies nur ein Teil von seiner komplexen Persönlichkeit. Die Frage ist daher nicht, wer Charles ist. Sondern mehr, wie viele? Denn in der Tat gewinnt man im Buch den Eindruck, dass Prinz Charles im Prinzip mehrere Leute auf einmal ist. Da ist der Aktivist, der sich vor allem um die Umwelt Gedanken macht. Da ist der zukünftige Thronfolger, der versuchen muss, seine Ambitionen gegenüber den Ansprüchen der Krone zurückzustecken. Und da ist der Mensch Charles, der lange brauchte, bis er seine Nische und damit sich selbst gefunden hat. Catherine Mayer schreibt ein offenes und ehrliches Buch über den zukünftigen Monarchen. Sie macht klar, wie entfernt die royale Familie von dem Alltagsleben entfernt ist. Sie macht dies durch die Bezeichnung "Planet Windsor" deutlich, die sie wiederholt verwendet. Doch eins darf man nicht erwarten: Eine Biographie, wie das Buch auch tituliert worden ist. Die Autorin versucht das auch erst gar nicht. Sie widmet sich zwar einzelnen, historischen Epochen in ihrem Buch. Doch geht sie nur grob chronologisch vor und widmet sich lieber der Person Charles an sich, als seiner Vergangenheit. Was auch nur gut ist, da die Persönlichkeit des Prinzen faszinierend ist. Er hatte kein einfaches Leben, so viel wird klar. Und umso größer ist der Respekt, wenn man bedenkt, was er sich selbst erschaffen hat. Wie er, nach all den Jahren, seine Rolle gefunden hat. Doch gleichzeitig geht die Autorin auch kritisch mit ihm um. Sie bemängelt, wie er mit Kritik umgeht. Oder kritisiert, wie wenig positive PR es über ihn gibt, trotz seiner vielen Stiftungen, die allerdings auch manchmal, was sie ebenfalls negativ anmerkt, stümperhaft geführt sind. Trotzdem ist sie am Ende mehr Pro Charles, als Contra. Ist dies ein Fehler? Nein. Denn sie macht dies von Beginn an deutlich. Und das macht dieses Buch auch so lesenswert. Man merkt, dass hier Herzblut geflossen ist, wieviel ihr an dem zukünftigen König liegt. Und deshalb wird das Buch auch als "Klassiker" und als "Splashhit" empfohlen.