Leserstimme zu
Die Suche nach der Erde

Rezension: Die Suche nach der Erde (Isaac Asimov)

Von: Aufziehvogel (Marcel)
30.07.2015

USA 1982 Die Suche nach der Erde Autor: Isaac Asimov Originaltitel: Foundation's Edge Veröffentlichung: 1982 bei Doubleday (USA), Dezember 2014 beim Heyne Verlag (Deutsch) Übersetzung: Horst Pukallus Genre: Science-Fiction >>Und wo ist Gaia selbst? Oder sollen wir Gaia-P sagen, für Planet?<< >>Für den Planeten genügt ganz einfach >Gaia<. Wir können Gaia noch nicht sehen. Planeten kann man nicht so leicht sehen wie Sterne, und wir sind noch immer rund hundert Mikroparsek von Gaia-S entfernt. Beachten Sie, sie nur als Stern zu sehen, noch nicht als Scheibe, wenn auch als ziemlich heller Stern. Starren Sie ihn nicht so direkt an, Janov, er ist hell genug, um Ihre Netzhaut zu schädigen. Sobald ich meine Beobachtungen erledigt habe, lege ich einen Filter über die Übertragung. Dann dürfen Sie ihn bestaunen, solange Sie Lust haben.<< Die großen Science-Fiction Propheten wie Asimov, Clarke, Heinlein, Wells und Dick weilen bereits seit vielen Jahren nicht mehr unter den Lebenden. Ihr nahezu gigantisches Werk, welches sie hinterlassen haben, wird jedoch ewig bestehen und ist noch immer aktuell und sehr wahrscheinlich auch bedeutsamer als noch zu Zeiten seiner Veröffentlichung. Beinahe erschreckend muss man zur Kenntnis nehmen, wie weit diese Herren ihrer Zeit voraus waren. "Die Suche nach der Erde" lässt im deutschen Titel noch nicht erahnen, dass der Roman zu Isaac Asimovs Foundation-Saga gehört, eine der wohl umfangreichsten und komplexesten Science-Fiction Reihen der amerikanischen Literatur. Doch bereits ein Blick auf den Klappentext genügt, zu wissen, wo man diese galaktische Odyssee einordnen muss. Eigentlich geplant als Trilogie, machte sich Asimov Jahre nach der Veröffentlichung der ursprünglichen Trilogie noch einmal an eine Fortsetzung, die viele Jahrhunderte nach den Geschehnissen der ersten Drei Bücher spielt und die Ereignisse der Vorgänger noch weiter vertieft. Die Foundation Saga ist, ohne Zweifel, Asimovs Lebenswerk (obwohl er noch zahlreiche andere, bedeutende Werke verfasst hat). Beinahe 50 Jahre arbeitete der einstige Biochemiker an dieser umfangreichen Reihe. Entstanden sind 7 Bücher. Geschaffen hat Asimov ein komplexes Universum was nicht nur für sich allein steht, sondern teilweise auch noch mit seinem "Roboter" und "Imperium" Universum verschmilzt. Der Einstieg in die Foundation Saga sollte am besten mit der ursprünglichen Trilogie begonnen werden, verloren wird man sich aber auch als Neueinsteiger bei "Die Suche nach der Erde" nicht fühlen. Grund dafür sind geschickte Erklärungen und die vielen Jahrhunderte, die seit den Ereignissen der vorherigen Bücher vergangen sind, so das dieses Abenteuer relativ eigenständig agieren kann. "Die Suche nach der Erde" spielt 498 Jahre nach den Ereignissen rund um die erste und zweite Foundation und ihren Kampf gegen das Maultier. Die Zeit des genialen Wissenschaftlers Harri Seldon ist unlängst vorbei. Einst sagte er voraus, das große Imperium wird fallen und es wird rund 30.000 Jahre dauern, bis darauf ein neues Imperium entstehen wird. Seldons Masterplan, diese Zeit auf rund 1000 Jahre zu verkürzen ging, trotz vieler Hürden, auf. Die von Seldon gegründete Foundation hat sich derweil etabliert und beherrscht nun die Galaxie. Auch beinahe 500 Jahren nach diesen Ereignissen richtet man sich auf Terminus nach Seldons Masterplan und duldet keine Abweichungen. Während die Bürger Terminus in einer art Utopia leben, wird bei manchen Leuten mittlerweile aber Unmut lauter, ob gewisse Akte der Geschichte nicht verheimlicht oder gar verfälscht wurden. Einer dieser Skeptiker ist der junge, aufstrebende Ratsherr Golan Trevize der kein Blatt vor den Mund nimmt und Seldons Masterplan infrage stellt, und, offen zu Sprache bringt, es würde noch immer eine zweite Foundation geben. Als er dieses Anliegen bei einer Ratsversammlung offen anspricht ordnet Bürgermeisterin Harla Branno unverzüglich eine Verhaftung an. Schockiert über den Wandel der Ereignisse wird Trevize in Gewahrsam genommen. Sein Urteil: Gemeinsam mit dem Historiker Janov Pelorat soll er Beweise für die Existenz einer zweiten Foundation liefern. Und der Verbleib dieser sagenumwobenen zweiten Foundation soll sich auf einem Planeten befinden, der seit vielen Jahrhunderten in Vergessenheit geraten ist: Unsere Erde. Geschickt verknüpft Asimov in diesem randvoll gefüllten Taschenbuch politische Ereignisse und gleichzeitig ein Abenteuer. Die galaktische Odyssee von Trevize und Pelorat hat teilweise sogar was von einem Roman von Jules Verne. Während der Geschichte werden viele Fragen aufgeworfen, viele davon werden sogar unbeantwortet bleiben und erst in den nächsten Romanen eine Antwort finden. Trotz der verknüpfen Ereignisse der Vorgänger agiert "Die Suche nach der Erde" auch fantastisch als Roman, der ganz für sich allein steht. Trotz der Komplexität bleibt die Geschichte ein Science-Fiction Abenteuer. Asimovs Stil lebt größtenteils von langen Dialogen, die zwischen den Protagonisten stattfinden. Auf ausführliche Beschreibungen der Personen oder Umgebungen verzichtet Asimov aber dennoch nicht. Er hat ein wunderbares Gleichgewicht zwischen all dem geschaffen. Unspektakuläre Längen, die es durchaus an gewissen Abschnitten des Buches gibt, fallen weniger negativ auf weil stets neue Ereignisse wieder frischen Wind in die Geschichte bringen. Resümee 50 Jahre Science-Fiction bei Heyne. In Asimovs Universum eine nahezu lächerlich unbedeutende Zahl. In unserer Zeitrechnung könnte diese Nummer aber kaum bedeutender sein. Asimov hat es sich verdient, zu den großen Science-Fiction Propheten zu gehören, die der Verlag in sein Programm aufgenommen hat. "Die Suche nach der Erde" ist beinahe schon eine wehmütige Odyssee wo man gleichzeitig Heimweh nach einem Planet verspürt, auf dem man gerade sein irdisches Dasein fristet. Und dennoch ist er unlängst Vergangenheit in Asimovs Roman. Eine Zukunft, die den Menschen in vielen Jahren vermutlich einmal bevorstehen wird und die Erde nur noch in Geschichtsbüchern (sollte es so etwas noch geben) und Enzyklopädien Erwähnung finden wird. Bis dahin wird aber noch eine lange Zeit vergehen, und vermutlich muss sich kein Leser dieser Rezension Gedanken um so eine Zukunft machen. Einen Vorgeschmack liefert jedoch Isaac Asimov mit diesem großartigen Roman.