Leserstimme zu
Die Springflut

Die Springflut (Cilla und Rolf Börjlind)

Von: Poldi
26.10.2015

Während ihrer freien Zeit beschäftigt sich die Polizeischülerin Olivia Rönning mit einem Jahre zurückliegenden Fall, der nie aufgeklärt werden konnte: Eine junge, schwangere Frau wurde am Strand eingegraben, und das kurz vor einer Springflut. Olivias Interesse gilt dem Fall, weil auch ihr Vater in die Recherchen involviert war. Voller Eifer sucht sie den damaligen Ermittler Tom Stilton auf, der jedoch momentan obdachlos und mit anderen Dingen beschäftigt ist: Eine seiner Freundinnen wurde brutal hingerichtet... Das Autorenehepaar Cilla und Rolf Börjlind hat nach langjähriger Tätigkeit als Drehbuchautoren mit „Die Springflut“ ihren ersten Roman veröffentlicht, der gleichzeitig der Auftakt zu einer ganzen Reihe um die engagierte Polizeischülerin Olivia Rönning und den von der Gesellschaft entfremdeten Tom Stilton darstellt. Schon die erste Szene – ein Rückblick auf den Mord an der schwangeren Frau – ist sehr atmosphärisch geschildert und legt einen gekonnten Grundstein für die weitere Handlung. Die Spannung, die sich dabei aufbaut, steigert sich stetig, ist oft dräuend im Hintergrund und hält den Leser mit einem steten Informationsfluss bei der Stange. Dabei passt alles bestens zusammen und ergänzt sich gegenseitig, auch wenn man dies zu Anfang nicht durchschauen kann. Einige Szenen wirken losgelöst von der eigentlichen Handlung und können erst später mit dieser in Einklang gebracht werden. Trotz der Komplexität der verschiedenen Handlungsstränge kann man durch den gelungenen Aufbau alles gut nachvollziehen. Nur einige Zufälle wirken dann doch arg konstruiert, Kommissar Zufall hat an einigen Stellen die Finger ordentlich im Spiel. Ansonsten ist ein gut erzählter und fesselnder Krimi entstanden, der eine konstant hohe Spannungskurve überzeugt. Mir gefallen die Charaktere sehr gut, besonders die sympathische und engagierte Olivia ist sehr gut dargestellt und mutiert glücklicherweise nicht zur Überheldin sondern bleibt mit Ecken und Kanten sehr menschlich. Auch Tom Stilton, der sich völlig vom gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat, kann mit seiner grantigen Art überzeugen. Auch die anderen Charaktere sing gut erdacht und prägnant dargestellt. Das liegt auch an der sehr variablen sprachlichen Gestaltung, die sich an die unterschiedlichen Szenen gelungen anpasst und zahlreiche Stilistiken einfließen lässt. „Die Springflut“ hat mir sehr gut gefallen, die ganz unterschiedlichen Verbrechen, an denen ermittelt wird, die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit, die starken Charaktere und die konstante Spannungsentwicklung werden durch eine eingängige Stimmung ergänzt. Zwar ist der Band in sich abgeschlossen, dennoch wird durch eine Hintertür gleich Lust und Begehrlichkeit auf die nachfolgenden Bände geweckt.